Gewerkschaftschronik
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Anzahl gefundene Artikel: 2919

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12.04.2019 England
EU
Löhne
Personen
Work
Ralph Hug
Lohnschutz
Volltext
Grossbritannien versinkt immer tiefer im Brexit-Chaos. Land ohne Lohnschutz. Grossbritannien hat stets flankierende Massnahmen zum Schutz der Löhne abgelehnt. Ein kapitaler Fehler, wie die britische Lohnstatistik zeigt. 2016 beschloss eine knappe Mehrheit der Britinnen und Briten den Brexit – den Ausstieg aus der Europäischen Union. Kurz darauf wollte Mike Carter wissen, warum. Der Journalist der britischen Tageszeitung „The Guardian“ wanderte zu Fuss von Liverpool nach London. Und sah: geschlossene Minen, leere Industrieparks, Städte mit verriegelten Ladengeschäften. Fastfoodketten, Wettbüros und, gleich nebenan, Pfand- und Kreditleiher. Plus viele „charity shops“, Läden von Hilfsorganisationen mit Billig-Lebensmitteln. Was Carter beobachtete, sind die verheerenden Folgen von Deindustrialisierung und Sparpolitik. Das schwere Erbe von Margaret Thatcher und den regierenden Konservativen (Tories). Aber auch von Tony Blair und einer Sozialdemokratie, welche die neoliberale Politik ihrerseits fortführte. Auch der britische Gewerkschaftsbund Trades Union Congress (TUC) spielte damals gar keine gute Rolle. Das sagt Vasco Pedrina, früherer Co-Präsident der Unia. Der TUC habe versagt: „Der grösste Fehler war, dass er kein Veto gegen eine Personenfreizügigkeit ohne jegliche sozialen Schutzmassnahmen einlegte“, so Pedrina. Anders in der Schweiz: Hier setzten sich SP und Gewerkschaften erfolgreich für flankierende Massnahmen zur Personenfreizügigkeit ein. Für das Prinzip: „Gleicher Lohn für gleiche Arbeit am gleichen Ort»“ um Lohndumping durch die Firmen zu verhindern. Gleicher Lohn am gleichen  (…). Ralph Hug.
Work online, 12.4.2019.
Personen > Hug Ralph. England. Lohnschutz. Work online, 2019-04-12.
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12.04.2019 Schweiz
Migros
Personen
Work
Christian Egg
Amigo
Haus-Service
Volltext
Die Migros lässt Leute für ein Sackgeld arbeiten. Der orange Amigo-Kapitalismus. Der neue Migros-Lieferdienst Amigos macht auf Nachbarschaftshilfe. Work hat ihn getestet und zeigt, was wirklich dahintersteckt. Bananen, Hackfleisch, Papiertaschentücher: Mit einem Klick landet alles im Warenkorb. Die neue Einkaufsplattform der Migros unterscheidet sich auf den ersten Blick nicht von anderen Webshops. Die Einkäufe liefert aber nicht ein Paketdienst nach Hause oder ein Migros-Fahrer, sondern ein Amigo, ein Freund. So persönlich heisst denn auch die Plattform: Amigos, Freunde. Seit knapp einem Jahr läuft das Pilotprojekt in den Kantonen Bern und Zürich. Die Migros schreibt dazu wohlklingend, im Vordergrund stehe nicht das Geld, sondern „das Bestreben, Migros-Kundinnen und -Kunden einander näherzubringen“. Die Gebühr für die Lieferung komme voll und ganz den „Bringern“ zugute: „Die Migros erzielt keinen Gewinn.“ Sie bemüht sogar ihren Gründer Gottlieb Duttweiler und sein Engagement für das Gemeinwohl: „So lebt auch Amigos vom sozialen Gedanken, dass die Leute füreinander da sind und sich gegenseitig unterstützen können.“ „Social Shopping“ sagt die Migros dem. Die Amigos erhalten keinen regulären Lohn, sondern nur ein „Taschengeld“ – wie der orange Riese wörtlich schreibt. Es sei auch „nicht die Idee, dass jemand Amigos als Nebenjob nutzt“. Viele Bringer würden die Auslieferung «mit dem eigenen Einkauf verbinden» oder „machen sie in der Freizeit“. 30 bis 40 Minuten betrage der Zeitaufwand pro Lieferung, so die Migros. So weit die orange Eigenwerbung. Aber wie sieht die Wirklichkeit aus? (…). Christian Egg.
Work online, 12.4.2019.
Personen > Egg Christian. Migros. Amigo. Work online, 2019-04-12.
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12.04.2019 BE Kanton
Personen
Unia Berner Oberland
Work
Clemens Studer
Präsidium
Volltext
Unia Berner Oberland: Delegierte wählen Präsidenten ab. „Wir haben genug vom Gschtürm“. Die Wirren in der Unia Berner Oberland machen national Schlagzeilen in der bürgerlichen Presse. Jetzt haben die Delegierten den Präsidenten abgewählt. Basismitglieder sagen, wie es dazu kam. 6. April 2019, 9.30 Uhr, Restaurant Freienhof, Thun: Die Delegiertenversammlung (DV) der Unia Berner Oberland beginnt. Regiopräsident Hans Ulrich Balmer eröffnet die Versammlung mit einer Brandrede. Darin wiederholt er die Vorwürfe gegen die Unia-Zentrale, die er seit rund einem Jahr auch in der Lokalpresse und am Tag der DV in der „Schweiz am Wochenende“ aus dem Aargau verbreitet (siehe unten). Ebenfalls in dieser Zeitung kündigt er an, was er nach seiner Rede tut: Balmer verlässt mit sechs Getreuen die Versammlung. Die Delegierten übertrugen daraufhin das Tagespräsidium an Giuseppe Reo, Regiosekretär ad interim. Und für die Wahlgeschäfte an Unia-Präsidialsekretär Philipp Müller. Sachliche Diskussionen. So laut der Auftakt war, so ruhig, konzen¬triert und gesittet ging die Versammlung dann weiter. Walter Fischer, pensionierter Zimmermann und Schreiner, Gewerkschafter seit 1964, sagt zu Work: „Nach dem Auszug des Präsidenten waren die Diskussionen sachlich, korrekt und ohne Provokationen. Man liess sich gegenseitig ausreden.“ Fischer war es, der im Auftrag seiner Ortsgruppe „Brienz-Oberhasli“ den entscheidenden Antrag einbrachte: Der bisherige Präsident soll per sofort sowohl als Präsident ausscheiden wie auch aus „allen sonstigen Ämtern innerhalb und ausserhalb der Unia im Namen der Unia“. (…). Clemens Studer.
Work online, 12.4.2019.
Personen > Studer Clemens. Unia Berner Oberland. Work online, 2019-‚04-12.
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12.04.2019 Schweiz
Personen
SVP
Work
Christoph Blocher
Clemens Studer
SVP
Volltext
javascript:WebForm_DoPostBackWithOptions(new WebForm_PostBackOptions("dnn$ctr728$dsisArticleEdit$cmdUpdate", Krise nach Wahlschlappe: Die SVP verliert – und entlarvt sich so deutlich wie noch nie. Ein alter Mann sitzt auf einem Heuballen. Auf dem Heuballen liegt ein weisses Tuch. Der Heuballen steht auf einem Anhänger. Ein Traktor zieht den Anhänger über eine Wiese. Der alte Bauer besucht ein Familienfest: So sieht’s aus, so soll’s aussehen. Doch der Gegenschnitt entlarvt die Inszenierung: Hinter Traktor, Anhänger, Heuballen-Thron und altem Mann steht ein Helikopter auf der Wiese. Damit ist der alte Mann ein- und die Inszenierung aufgeflogen. Der alte Mann ist Christoph Blocher, gelernter Bauer, studierter Jurist – und Unternehmer. 1983 war er unter merkwürdigen Umständen (er trickste die Besitzerfamilie aus) und mit einem Millionenkredit der damaligen Schweizerischen Bankgesellschaft in Besitz der Ems-Chemie gekommen. Doch den grössten Teil seines Milliardenvermögens verdiente er nicht als Industrieller, sondern als Finanzspekulant. Gemeinsam etwa mit seinem Freund, dem Banker Martin Ebner. Die beiden wollten ab den 1990er Jahren sogar die AHV in der bewährten und soliden Form abschaffen und mit dem Altersvermögen der Werktätigen im internationalen Finanzcasino spielen. Millionen kassierte Blocher auch mit der Zerschlagung und Verhökerung der Alusuisse. Auf der Strecke blieb ein Schweizer Traditionsunternehmen und Tausende von Arbeitsplätzen. Gleichzeitig baute Blocher die kleine Bauern- und Gewerblerpartei SVP innert (…). Clemens Studer.
Work online, 12.4.2019.
Personen > Studer Clemens. Blocher Christoph. SVP. Work online, 2019-04-12.
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12.04.2019 Schweiz
Personen
Work
Katrin Bärtschi
Briefträger
Volltext
http://www.textverzeichnisse.ch/Textverzeichnisse/tabid/183/ctl/EditArticle/mDie Briefträgerin & Herr S. Herr S. sei gestorben. Die Briefträgerin erfährt es von einem Kollegen und merkt überrascht, dass sie dem alten Mann nachtrauert. Seiner Freundlichkeit und Aufmerksamkeit. Trotz dem SVP-Heftli, das sie ihm regelmässig bringen musste, trotz seinen faulen Sprüchen über die Frauen. Sprüche, die nie anzüglich waren, eher Ausdruck anhaltender Verwunderung über das andere Geschlecht. Der Kollege sagte, er habe es von der Nachbarin erfahren. Diese habe weiter gewusst, dass Herr S. keine Angehörigen habe. In solchen Situationen füllt sich manchmal der Briefkasten, bis die Wohnung geräumt ist. Erst einige Tage nachdem der Name vom Kasten verschwunden ist, wird er im Adressmanagement der Post als ¬inaktiv erfasst, und die Post wird retourniert. Manchmal erteilt eine Behörde einen befristeten Nachsendeauftrag. Was mit der Post von Herrn S. geschieht, weiss die Briefträgerin nicht. Sie ist nicht mehr auf der Tour, die seine ehemalige Wohnung bedient. Aber sie sprach mit P. einem andern Quartieroriginal. „Mister Spock ist tot?“ fragte P. „Wir nannten ihn so, wegen der Form seiner Ohren.“ Die Briefträgerin fragt sich schmunzelnd, ob Herr S. diesen Übernamen wohl kannte. Sie erfährt noch dies und das, P. ist ein freigebiger Erzähler. Ob es den Leuten bewusst ist, dass es jemanden gibt, der oder die einiges über ihr Leben weiss? Postgeheimnis. (…).
Katrin Bärtschi.
Work online, 12.4.2019.
Personen > Baertschi Katrin. Brieftraegerin. Work online, 2019-04-12.
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12.04.2019 Schweiz
Personen
Work
Sandra Künzi
Männer
Volltext
Für mehr Weicheier. Im Tram sagte ein Mann einem andern Mann, er habe würkli gnueg von diesem Genderzeug und diesem MeToo-Seich, und dann noch Frauenstreik, das sei doch alles nur ein Luxus-Getue von ein paar verwöhnten Emanzen. Man habe heutzutage ganz andere Probleme als das. Und von wegen Benachteiligung, hah! Im Regierungsrat vom Kanton Thurgau seien drei von fünf Mitgliedern weiblich. Im Kanton Bern drei von sieben, im Kanton Zürich vier von sieben und im Kanton Waadt neuerdings sogar fünf von sieben, also Hallooo? „Aber i de Kantonsregierige vo Luzern, Graubünden, Tessin und Appenzell Ausserrhoden sitzen im Fall nur Männer“, parierte der andere. Der Schimpfi sah ihn entgeistert an: „Bisch du iz öppe au no für de ganz Wiiberwahn, Max?“ Schleglete. Max verdrehte die Augen. „Chum obenabe, Schorsch: Mee als d Helfti vo de Bevölkerig sind Fraue. Und jetzt eifach logisch dänke!“ Das schien Schorsch nicht zu gefallen. Ich weiss nicht, ob es ihn mehr aufregte, dass mehr als die Hälfte der Bevölkerung Frauen sind oder dass Max gesagt hat, er müsse einfach logisch denken. Das hörte sich natürlich schon so an, als habe Schorsch bisher noch nie logisch gedacht. Schorsch stand auf und sagte, Max sei ein verdammtes Weichei, kein Wunder, dass ihm d Chrige davon sei, er wäre an ihrer Stelle auch ab. Da stand Max ebenfalls auf, obwohl es sehr eng war so am Fyrabig, und als das Tram abbremste, müpfte Max den Schorsch, und der liess sich kein bisschen bitten, sondern schlug dem Max voll eins auf die Nase. Die beiden schlegleten drauflos und liessen sich nicht trennen. (…). Sandra Künzi.
Work online, 12.4.2019.
Personen > Kuenzi Sandra. Maenner. Work online, 2019-04-12.
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12.04.2019 Schweiz
Finanzdepartement
Personen
Work
David Gallusser
Finazdirektion
Volltext
Tiefe Zinsen: Schulden heute, Erträge morgen. Für die öffentliche Hand war es kaum je günstiger, Geld aufzunehmen, als heute. Das zeigt ein Blick auf die Zinsentwicklung von Schweizer Staatsanleihen. Bund, Kantone und grössere Städte leihen sich in der Regel Geld, indem sie Anleihen an Anleger wie Pensionskassen, Banken oder auch an Privatpersonen verkaufen. Im Gegenzug verpflichten sie sich, nach einer bestimmten Zeit das Geld mit Zinsen zurückzuzahlen. Wie die Grafik zeigt, ist die Rendite auf 10jährigen Bundesanleihen – sinnigerweise „Eidgenossen“ genannt – seit den 1990er Jahren und vor allem nach der Finanzkrise 2008 gesunken. Zuletzt ist sie mit - 0,3 Prozent sogar negativ. Rendite mit Schulden. Eine Anlegerin, die heute einen „Eidgenossen“ für über 1000 Franken erwirbt, bezahlt also jährlich 3 Franken effektiven Zins, bevor sie ihr Geld nach 10 Jahren wiedersieht. Umgekehrt heisst das: Der Bund verdient Geld, wenn er sich verschuldet. Auch bei „normalen“ Zinsen im positiven Bereich kann die öffentliche Hand mit Schulden gute Erträge erzielen. Zu diesem Schluss kommt eine neue Untersuchung der Uni Lausanne. Sie zeigt, dass die Zinsen, die Kantone zahlen müssen, weit unter den üblichen Renditen der Finanzmärkte liegen und zusätzliche Schulden diese Zinsen kaum erhöhen. ¬Kantone könnten sich deshalb verschulden, um Geld auf den Finanzmärkten anzulegen. Sie würden damit mehr Kapitalerträge erzielen als Schuldzinsen zahlen. Wenn die Kantone das geliehene Geld wie Pensionskassen anlegen würden, könnten sie ihre Einnahmen unter dem Strich im Durchschnitt um 5 Prozent (…). David Gallusser.
Work online, 12.4.2019.
Personen > Gallusser David. Staatsfinanzen. Zinse. Work online, 2019-04-12.
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12.04.2019 Zürich
Personen
Uber
Work
Christian Egg
Arbeit auf Abruf
Uber
Volltext
Uber & Co.: Prekäre Arbeit, Dumpinglöhne – und keine AHV. Die Migros ist nicht das erste Unternehmen in der Schweiz, das Leute für ein Taschengeld beschäftigt. Der mittlerweile eingestellte Dumping-Taxidienst „Uber Pop“ funktionierte ebenfalls nach diesem Muster. Die Swisscom schickt unter dem Label „Mila Friends“ technisch versierte Anwenderinnen und Anwender aus der Nachbarschaft zu ihrer Kundschaft, etwa um den neuen Internet-Router zu installieren. Der Preis für die Dienstleistung wird direkt mit dem „Friend“ (Freund) abgemacht. Plattform-Prinzip. Und Ikea arbeitet fürs Ausliefern der Möbel in Genf mit der Lieferfirma Trusk zusammen, die vorwiegend Grenzgängerinnen und Grenzgänger aus Frankreich beschäftigt. Monats-{Dumping-)Lohn: 1‘900 Franken. All diesen Diensten gemeinsam ist das Plattform-Prinzip: Ein Algorithmus sucht für jede neue Aufgabe eine Arbeitskraft. Das ist Kapitalismus in Reinkultur. Früher, ohne Computer, war es nicht rationell, für jede kleine Aufgabe eine Person zu suchen und danach wieder zu entlassen. Deshalb entstanden Firmen, die ihre Arbeiterinnen und Arbeiter mit einem Vertrag längerfristig anstellen. Doch heute ist es möglich, mit ein paar Klicks selbst winzigste Aufträge an einen Markt mit Tausenden Arbeitskräften zu vergeben. Damit verschiebt sich das Machtgefüge in der Arbeitswelt noch mehr zugunsten der Firmen: Mindestlohn, Kündigungsschutz, Ferienanspruch, Streikrecht - davon wollen solche Plattformen meist nichts wissen. Sarah Schilliger, Expertin für prekäre Arbeitsverhältnisse an der Uni Basel, sagt: „Arbeit gibt's dort nur auf Abruf, befristet, flexibilisiert und ohne (…). Christian Egg.
Work online, 12.4.2019.
Personen > Egg Christian. Uber. Arbeit auf Abruf. Work, 2019-04-12.
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12.04.2019 EU
Gewerkschaften
Personen
Work
Andreas Rieger
EU
Lohnschutz
Volltext
Lohnschutz und EU: Die Aufholjagd. Der politische Kampf um den Lohnschutz tobt in der Schweiz mit offenem Ausgang. Aber die Gewerkschaften haben hier die Nase vorn. Auf dem europäischen Parkett hingegen galt die Debatte lange als verloren: Die EU-Kommission und einzelne Staatschefs der EU forderten unisono den Abbau der flankierenden Massnahmen (FlaM) in der Schweiz. Dann trat mit dem Europäischen Gewerkschaftsbund (EGB) ein neuer Player auf, widersprach und stärkte den Schweizer FlaM den Rücken. Es begann eine spannende Aufholjagd im Europäischen Parlament. Achtungserfolg. Bei der ersten Abstimmung über den Lohnschutz in der Binnenmarktkommission im Januar konnte der süddeutsche FlaM-Gegner und CDUler Andreas Schwab noch triumphieren: Mit 32:0 Stimmen folgte die Kommission seiner Verurteilung des Schweizer Lohnschutzes als „unverhältnismässig einseitig“. Im Februar, bei einer zweiten Abstimmung im Handelsausschuss, war die Sache schon nicht mehr so klar. Eine dritte Abstimmung fand im Plenum des Europäischen Parlaments am 26. März statt. Jetzt unterstützten 264 Abgeordnete ausdrücklich die Schweizer FlaM. Der deutsche Grüne Reinhard Bütikofer hatte einen entsprechenden Antrag gestellt. Ein Streichungsantrag, der die Schweizer FlaM nicht kritisieren wollte, erreichte 302 von 330 Stimmen. Dahinter standen die Fraktionen der Grünen, der Linken, der SP. „Ein gewerkschaftlicher Achtungserfolg“, konstatierte die NZZ zähneknirschend. Dranbleiben. (…).
Andreas Rieger.
Work online, 12.4.2019.
Personen > Rieger Andreas. EU. Gewerkschaften. Lohnschutz. Work online, 2019-04-12.
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29.03.2019 Schweiz
Frauen
Personen
Work
Marie-Josée Kuhn
Frauen
Volltext
Wahlen
Gruppenbild mit zwei Herren. Er war der erste Kanton, in dem die Frauen wählen konnten: der Kanton Waadt. Das war 1959 und zwölf Jahre bevor schliesslich die ganze Schweiz das Frauenstimmrecht einführte. Und nun schreibt der Westschweizer Kanton schon wieder Frauengeschichte. Mit neu 5 Frauen im Regierungsrat. 5 Frauen und 2 Männern. Und alle Frauen sind erst noch Mütter. Die frischgewählte SP-Politikerin Rebecca Ruiz ist sogar Mutter zweier Kleinkinder. Sie, die Nachfolgerin von Pierre-Yves Maillard, der neu SGB-Präsident wird, hängte den SVP-Konkurrenten bereits im ersten Wahlgang ab. Nun hat die SP sogar all ihre drei Regierungssitze mit Frauen besetzt. 5:2. Noch nie sassen mehr Frauen in einer Kantonsregierung, geschweige denn in der Landesregierung. Das Foto spricht Bände: Pascal Broulis und Philippe Leuba, die beiden letzten (freisinnigen) Mohikaner im Château zu Lausanne, verblassen, ja verschwinden beinahe inmitten all der Perlen, assortierten Lippenrouges und verwehtem Haar der Frauen. Als wären die zwei Herren eine aussterbende Gattung. Beklagenswerte Opfer der natürlichen Selektion: zu eng die Krawatte, zu dick der Hals, zu glänzig die Glatze, zu scharf die Bügelfalten und zu speckig der Blick. (Heissa, ist das lustig, mal nur über das Äussere von Männern zu schreiben!) Aber vor allem: Als wäre die politische Luft, die sie atmen, zu dünn für dieses Frauenjahr. 14. 6. Im Juni ist Frauenstreik – und das Frauenbündnis für den Streik wird immer breiter. Von autonom, links bis bürgerlich. Neu hat nun auch der katholische Frauenbund (SKF) beschlossen, am Frauenstreik mitzumachen. (…). Marie-Josée Kuhn.
Work online, 29.3.2019.
Personen > Kuhn Marie-Josée. Frauen. Regierung. Work online, 2019-03-29.
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29.03.2019 Schweiz
ILO
Personen
Work
Ralph Hug
ILO
Jubiläum
Volltext
Stachel im Fleisch des Kapitalismus. 100 Jahre Internationale Arbeitsorganisation (ILO). Und immer wieder kassiert die Schweiz von der ILO eine Rüge. Mag sie den Geburtstag dieser wichtigen Uno-Tochter deshalb nicht feiern? Grosse Party in Berlin: Am 12. März feierte die Prominenz den hundertsten Geburtstag der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO). Der deutsche Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (SPD) lobte die Institution als «Vorkämpferin für menschenwürdige Arbeit». Und die Schweiz? Hier ist der runde Geburtstag der Uno-Tochter kein Thema. Obwohl sie in Genf zu Hause ist. Auch dass die ILO derzeit eine neue Norm gegen sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz ausarbeitet, ist den Medien keine Notiz wert. Trotz #MeToo. Arbeit ist keine Ware. Kein Wunder, denn die offizielle Schweiz hat zur ILO ein eher gespanntes Verhältnis. Jährlich kassiert sie von ihr nämlich eine Rüge, weil sie die Normen für den Schutz von gewerkschaftlichen Vertrauensleuten verletzt (siehe Artikel unten). Auch kritisiert die ILO regelmässig das geschönte Bild der Arbeitslosigkeit. Nach ihrer international anerkannten Messmethode ist diese in der Schweiz doppelt so hoch, als sie das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) verkündet. Denn das Seco rechne die Ausgesteuerten und Älteren auf Arbeitssuche nicht ein. Seit je ist die ILO ein Stachel im Fleisch des Kapitalismus. Ihre Aufgabe ist es, Standards für menschenwürdige Arbeit aufzustellen. Damit steht sie im Dauerkonflikt mit der Wirtschaft. ILO-Generaldirektor Guy Ryder muss auch im Jubiläumsjahr anmahnen: „Arbeit ist keine Ware!“ (…).  Ralph Hug.
Work online, 29.3.2019.
Personen > Hug Ralph. ILO. Jubiläum. Work online, 2019-03-29.
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29.03.2019 Schweiz
Initiativen Schweiz
Personen
Work
Clemens Studer
Franchisen
Initiativen Schweiz
Volltext
Ungesund. Das läuft bei der Krankenversicherung alles schief. Dauerangriffe auf die solidarische Grundversicherung. Kranke Politik, kranke Kassen. Vorerst keine höheren Mindestfranchisen: Die SVP knickte ein. Wegen der Wahlen im Herbst. Doch die rechte Krankenversicherungspolitik bleibt krank. Das war keine scharfe Linkskurve, das war eine rechte Spitzkehre: Am 22. März versenkte die SVP zusammen mit SP und Grünen höhere Krankenkassenfranchisen in der Schlussabstimmung. Das Geschäft sah vor, die Mindestfranchise regelmässig und automatisch um 50 Franken zu erhöhen. Das hätte für die grosse Mehrheit der Versicherten dazu geführt, dass die Fixkosten für die Krankenkasse zusätzlich zu den Prämien regelmässig gestiegen wären. Höhere Franchisen heisst für die Mehrheit der Versicherten schlicht: höhere Fixkosten. Besonders gelitten hätten untere und mittlere Einkommen und schwer- und chronischkranke Menschen. Die ökonomisch Schwächeren, Schwachen und Schwächsten. Diese Stiefel wollte sich die SVP dann so kurz vor den Wahlen doch nicht anziehen. Vor allem auch deshalb nicht, weil das Referendum von links bereits vor der Schlussabstimmung beschlossene Sache war und nach einem Internetaufruf bereits über 30’000 Unterschriften zugesagt waren. SVP, FDP, GLP und Versicherungen wollen solidarisches KVG kaputtmachen. Die automatische Erhöhung der Franchisen war bereits die quasi abgespeckte Variante des eigentlichen bürgerlichen Plans: die Mindestfranchise gleich in einem Schritt auf 500 Franken zu erhöhen. Da kamen die kalten Füsse bereits ein bisschen früher: Am Vorabend der Debatte (…). Clemens Studer.
Work online, 29.3.2019
Personen > Studer Clemens. Franchisen. Initiative. Work online, 2019-03-29.
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29.03.2019 Schweiz
Frauen
Personen
Work
Patricia D Incau
Frauenstreik
Katholizismus
Volltext
Das Bündnis für den Frauenstreik wird immer breiter: Auch die Katholikinnen wollen streiken. Mehr als fünfzehn Organisationen rufen inzwischen zum Frauenstreik am 14. Juni auf, von links bis bürgerlich. Die Organisatorinnen vom Women’s March haben schon zugesagt. Sie hatten nach der Wahl von US-Präsident Donald Trump in Zürich und Genf grosse Frauenprotestmärsche organisiert. Mit dabei ist auch Amnesty International. Genauso wie die Grünen, die SP und die Rentnerinnen von der Grossmütterrevolution. So wie der bürgerliche Frauendachverband Alliance F, der 400’000 Frauen vertritt. Er organisiert am 14. Juni einen Anlass im Bundeshaus und ruft seine Mitglieder dazu auf, auch an anderen Streikaktivitäten teilzunehmen. Und jetzt haben auch die Katholikinnen beschlossen: Am 14. Juni werden die Kirchen pink. Am 15. und 16. Juni auch. Gleich drei Tage lang will der katholische Frauenbund (SKF) streiken. Das sind 600 Vereine mit insgesamt 130’000 Mitgliedern, die finden: Gleichstellung kann nicht vor der Kirchentür enden. Wann sonst sollten sie also streiken, wenn nicht am Wochenende, wenn an den Altären Hochbetrieb herrscht? SKF-Sprecherin Kathrin Winzeler sagt es so: „Die Gleichberechtigung ist in der katholischen Kirche nicht vorhanden. Noch nicht einmal auf dem Papier.“ Alle bedeutenden Posten seien bis heute Männern vorbehalten. Das stört die Kirchenfrauen. Aber auch, dass Papst Franziskus Abtreibung mit einem Auftragsmord gleichsetzt. (…). Patricia D'Incau.
Work online, 29.3.2019.
Personen > D’Incau Patricia. Frauenstreik. Katholikinnen. Work online, 2019-03-29.
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29.03.2019 Schweiz
Personen
Work
Jean Ziegler
Demokratie
Volltext
Entfremdung. Wie in fast allen Schweizer Städten sind auch in Genf die Zahnarzttarife horrend. In das benachbarte Frankreich auszuweichen nützt nichts. Bis hinunter nach Lyon haben sich die Zahnärzte dem schweizerischen Tarifkartell angeschlossen. Fast ein Sechstel der Bevölkerung der Republik Genf kann sich keine Zahnbehandlung mehr leisten. Die Partei der Arbeit, die Sozialisten und die Gewerkschaften hatten daher eine kantonale Initiative lanciert. Ihr Ziel: die Schaffung einer öffentlichen Zahnarztversicherung. Am 10. Februar verwarf das Genfer Stimmvolk mit einem Mehr von 54,2 Prozent die Initiative. Die Genfer Zahnarztvereinigung hatte viele Millionen Franken investiert. Autobusse, Trams und Plakatwände waren zugekleistert mit so absurden Sprüchen wie: „Diese Versicherung zerstört die Qualität der Zahnmedizin“. Im Propagandagewitter. Die Entfremdung der abhängigen sozialen Klassen ist der grösste Sieg der herrschenden kapitalistischen Oligarchien. Entfremdung bedeutet: sich selber fremd werden. Die Menschen stimmen frei und unabhängig gegen ihre eigenen Interessen. Die Schweizerinnen und Schweizer sind ein politisch hochgebildetes Volk. Aber im Propagandagewitter der Oligarchie werden sie regelmässig zu entfremdeten Lakaiinnen und Lakaien. Nehmen wir die eidgenössischen Abstimmungen der letzten Jahre. Das Volk hat geheim und freiwillig gegen die Einführung eines Mindestlohns, gegen die Erhöhung der AHV-Renten, gegen eine öffentliche Krankenversicherung, gegen die Begrenzung der Managerlöhne und gegen die Einführung einer zusätzlichen Ferienwoche gestimmt. Wer die Massenmedien (…). Jean Ziegler.
Work online, 29.3.2019.
Personen > Ziegler Jean. Demokratie. Work online, 2019-03-29.
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29.03.2019 Schweiz
Personen
Work
Sandra Künzi
Kosmetik
Volltext
Für plasticfreie Frauen. Die haben einen jungen, toten Wal gefunden, der hatte 40 Kilo Plastic im Bauch. Mir persönlich wär’s lieber, wenn das viele Plastic im Menschen wär statt im Wal. Aber dann tun mir die Frauen doch leid, die so aufgespritzte Lippen haben und chugelrunde Brüste fast am Hals oben. Dasch doch komisch. Ich glaub, es heisst plastische Chirurgie wegen dem Plastic. Es gibt so viele Schönheits-OP wie noch nie, vor allem bei jungen Frauen. Wieso wollen immer mehr junge Frauen als läbige Barbies rumlaufen? Dasch doch gaga. Klar ich mach auch chli Sache: Beinhaare, Damenbart, Pedicüre, Schminke und so. Aber das ist ja immerhin nur äusserlich. Ausserdem bin ich erwachsen und damit hoffentlich halbwegs zurechnungsfähig. Hier und jetzt. Aber die jungen Frauen, die sich snapshoten, instagramen, tiktoken und posten, die sind in einer sehr empfindlichen Phase. Sonst brauchte es ja keine Influencer. Die gibt’s nur, weil es auch influenzbare Leute gibt. Zum Beispiel das 16jährige Meitli Michelle, das sich, seit sie 13 ist, die Lippen aufspritzen lässt und jetzt für eine Brustvergrösserung spart. Sie sagt: „Ich lebe im Hier und Jetzt. Darum mache ich das. Wenn ich alt bin, bin ich eh hässlich.“ Also für das Hier und Jetzt kann sie wirklich nichts. Das Hier und Jetzt ist halt schon krass, wo alt als hässlich gilt und die Leute erst 30 Föteli machen, bis sie endlich so aussehen, wie sie wirken wollen, und das Bild dann noch be¬arbeiten. Ich mein, wie sollen wir uns da noch gut fühlen, einfach so, wie wir sind? Huere dürenand. Man sieht ja die meiste Zeit gerade nicht so aus wie auf dem einen bearbeiteten Superfoti. Aber am Schluss (…). Sandra Künzi.
Work online, 29.3.2019.
Personen > Kuenzi Sandra. Schoenheitschirurgie. Work online, 2019-03-29.
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29.03.2019 Schweiz
Löhne
Personen
Work
Clemens Studer
Abzockerei
Managerlöhne
Volltext
Oben abzocken, unten auspressen. CS-Chef Tidjane Thiam kassierte letztes Jahr ein Gehalt von 12,7 Millionen Franken. Er trat sein Amt 2015 an - seither reihte er Abbauprogramm an Abbauprogramm - und halbierte den Aktienkurs. UBS-Chef Sergio Ermotti sahnte im vergangenen Jahr 14,1 Millionen Franken ab. Er trat sein Amt 2011 an und bekam damals noch 6,4 Millionen. Die UBS wies 2018 einen Gewinn von 4,9 Milliarden US-Dollar aus - und kassierte im Februar 2019 in Frankreich eine Busse von 5,1 Milliarden Franken wegen Steuerdelikten. Die Bank zieht das Urteil weiter. Die Beispiele zeigen: Die „Anti¬-Abzocker“-Initiative von Thomas Minder hat kaum etwas bewirkt, ausser dass in ihrem Nachgang der Schaffhauser Gurgelwasserproduzent (Trybol) in die SVP-Fraktion des Ständerates gespült wurde. Ansonsten wird oben abgezockt und unten ausgepresst wie eh und je. Profitlogik halt. Und diese zieht seit einigen Jahren auch bei den staatsnahen Betrieben ein. Millionen-Meyer. Ganz vorne dabei: SBB-Chef Andreas Meyer. Die Leistungen von Meyer sind aus Sicht der Mitarbeitenden und der Reisenden durchzogen - vorsichtig formuliert. Ein paar Stichworte: Preise rauf, Pünktlichkeit runter, lottrige Infrastruktur, Desaster bei der Fernzugbeschaffung, Stellenabbau und Jobauslagerungen in prekäre Temporäranstellungen, Druck auf die Mitarbeitenden. Spitze ist einzig Meyers Gehalt: über 1 Million Franken pro Jahr. Das war schon oft ein Thema. Denn schliesslich ist die SBB ein Unternehmen im Besitz des Bundes und damit Volks¬eigentum. Die neue Innenministerin Simonetta (…). Clemens Studer.
Work online, 29.3.2019.
Personen > Studer Clemens. Abzocker. Managerloehne. Work online, 2019-03-29.
Ganzer Text
15.03.2019 Schweiz
Frauen
Personen
Work
Marie-Josée Kuhn
Frauenstreik
Volltext
Der Frauenstreik ist lanciert. Schon der Start war ein Riesenfest! Rund 500 Frauen aus der ganzen Schweiz haben in Biel gemeinsam Schwung geholt. Für den Frauenstreik am 14. Juni. Sturmtief Eberhard fetzt ums Bieler Volkshaus, La Rotonde, der rote, runde Bau aus den 1930er Jahren, Sinnbild der Arbeiterinnen- und Arbeiterstadt. Regen peitscht gegen Scheiben. Doch drinnen im Saal mit den hohen, schmalen Fenstern ist es heiss. Über 500 Frauen sitzen, stehen, gehen und applaudieren. Oder buhen. Klopfen Beifall mit den Füssen. Eine trägt eine pinkige Perücke, eine andere ein lila Traineroberteil. Unia-Frauen tragen lila Zylinder und halten poppige Plakate in die Höhe: „Mehr Lohn, mehr Zeit, mehr Respekt!“ Und zwei mit Frauenzeichen auf den Wangen lachen breit. Alle sind sie gekommen, den Frauen-streik zu lancieren. Und zu hören, wo, wer, was schon plant. An der roten Balustrade prangt das violette Transparent: „14. Juni 2019, Frauen*streik“. Auftritt der Sprecherin des Frauenstreikkollektivs Freiburg: „Bei uns müssen wir zahlen, wenn wir demons-trieren wollen“, sagt sie ins Mikrophon. Der Saal buht. Die Frau fährt fort: „Am Frauentag am 8. März gingen wir dann halt auf einem Platz immer im Kreis und demonstrierten so. Wir übten schon für den Frauenstreik.“ Der Saal klatscht. Auftritt des Streikkollektivs der Uni Bern. Sie hatten am 8. März die WC-Türen mit Zahlen zur körperlichen und strukturellen Gewalt gegen Frauen vollgeklebt: „Schliesslich stirbt in der Schweiz alle zwei Wochen eine (…). Marie-Josée Kuhn.
Work online, 15.3.2019.
Personen > Kuhn Marie-Josée. Frauenstreik. Koordination. Work online, 2019-03-15.
Ganzer Text
15.03.2019 Schweiz
Frauen
Work

Frauenstreik
Manifest
Volltext
Appell für den Frauen*streik am 14. 6. 2019. Angenommen von der nationalen Streikversammlung in Biel am 10. März 2019. Wir, Frauen, Lesben, Inter, Non-binary und Transpersonen (FLINT), mit oder ohne Partner*in alleinstehende Frauen*, Frauen* in einer Partnerschaft, in der Gemeinschaft, mit oder ohne Kinder, mit oder ohne Arbeit, unabhängig von der Art der Arbeit, gesund oder krank, mit oder ohne Beeinträchtigung, hetero, ob jung, erwachsen oder alt, hier oder in einem anderen Land geboren, unterschiedlicher Kultur und Herkunft, wir alle rufen auf zum Frauen*streik am 14. Juni 2019. Wir wollen die tatsächliche Gleichstellung und selbst über unser Leben bestimmen. Deshalb werden wir am 14. Juni 2019 streiken! Wir sind es, die für die Hausarbeit, die Erziehungsarbeit und die Pflege zu Hause sorgen, ohne die unsere Gesellschaft und Wirtschaft nicht funktionieren könnten. Wir sind es, die sich um das Wohlergehen der Kinder und der betagten Eltern kümmern und sorgen. Aber es fehlt uns an Geld und an Zeit. Wir wollen gleichen Lohn für gleichwertige Arbeit. Wir wollen eine Aufwertung der «Frauenberufe» und ihre angemessene Entlöhnung. Wir wollen Sozialversicherungen, die unsere Existenz sichern. Wir wollen Renten, die uns ein Leben in Würde ermöglichen, ohne dass unser Rentenalter erhöht wird. Wir wollen Arbeitsbedingungen, die uns die echte Gleichstellung in der bezahlten und unbezahlten Arbeit garantieren. Wir fordern eine Wirtschaftspolitik, die bezahlte und unbezahlte Carearbeit ins Zentrum stellt und diese finanziert. Wir wollen die Anerkennung und gerechte Verteilung der Haus- und Sorgearbeit, ihre ökonomische Aufwertung (…).
Work online, 2019-03-15.
Work online > Frauenstreik. Manifest. Work online, 2019-03-15.
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15.03.2019 Kleindöttingen
Pensionskasse
Personen
Stiftung Phoenix
Work
Ralph Hug
Konkurs
Stiftung Phoenix
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Die Aargauer Sammelstiftung Phoenix steht am Abgrund. Im Aargau platzt ein Pensionskassen-Skandal: Die Renten sind in Gefahr. Die Pensionskasse Phoenix aus Kleindöttingen AG steht vor dem Aus. Betroffen sind Arbeitnehmende aus der Industrie, aber auch aus dem Taxigewerbe. Die Sammelstiftung wurde 2012 vom Geschäftsmann Serge Aerne gegründet. Dabei scharte er Leute aus der Treuhandszene um sich. Mit Hilfe von Brokern und flotter Werbung akquirierte die Stiftung Firmen mit über dreitausend Versicherten. Im Prospekt heisst es: „Phoenix bringt Schwung in die berufliche Vorsorge.“ Aerne & Co. versprachen „angepasste Anlagestrategien“ sowie ein Vollversicherungsmodell „mit hundertprozentiger Zins- und Kapitalgarantie“. Doch schon im ersten Jahr gab es fragwürdige Geschäfte. Die Stiftung kaufte eine Liegenschaft im sanktgallischen Toggenburg von einer Firma, an der der Phoenix-Gründer selber beteiligt war. Das ist zwar nicht verboten. Aber bald musste der Immobilienwert nach unten korrigiert werden. Dasselbe geschah bei weiteren Immobiliendeals in Salez SG und Menziken AG. Phoenix hat eine Witwenrente um mehr als die Hälfte gestrichen. Krumme Geschäfte. Es folgten Verträge mit Beratungs- und Verwaltungsfirmen, an denen der Gründer ebenfalls beteiligt war. So flossen Gelder aus der Sammelstiftung ab, und es gab hohe Verwaltungskosten. Zu etlichen Geschäften existierten weder schriftliche Beschlüsse, ordentliche Protokolle noch Konkurrenzofferten, wie vom Gesetz gefordert. Interessenbindungen waren auch nicht offengelegt, und dem Grundbuchamt wurden Kaufverträge verschwiegen. (…). Ralph Hug.
Work onine, 15.3.2019.
Personen > Hug Ralph. Pensionskassen. Stiftung Phoenix. Work online, 2019-03-15.
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15.03.2019 Schweiz
Migros
Personen
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Christian Egg
Arbeitsbedingungen
Promoterin
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So mies serviert die Migros ihre Promoterinnen ab. Der orange Riese lagert seine Degustations-Mitarbeitenden aus. Jetzt bangen sie um ihre Existenz. Und müssen sich erst noch beleidigen lassen. Schokolade, Käse, Waschpulver: Woche für Woche stand Andrea Jost * in der Migros-Filiale, verteilte Gratismuster und Versucherli und zeigte der Kundschaft die neuen Produkte. Immer donnerstags bis Samstags. „Promoterin“ heisst ihr Beruf. Die temperamentvolle Ostschweizerin macht ihn seit bald 30 Jahren und liebt ihn. Besser gesagt, sie hat ihn geliebt: „Die Migros hat mir die Freude daran gründlich verdorben.“ Im letzten November bekamen die über 200 Promoterinnen und Promoter Post von ihrer Arbeitgeberin, der Migros-Tochter Chocolat Frey: Sie würden per Ende Jahr in eine neue Firma namens TMI ausgelagert. Die bisherigen Manager hätten Chocolat Frey die Mehrheit am Geschäftsbereich abgekauft – und würden ihn nun selber weiterführen. Und: Die neue Firma sei nicht mehr dem Migros-¬Gesamtarbeitsvertrag unterstellt. Aber die Arbeitsbedingungen würden sich nicht ändern: Es gebe auch „keine Lohnreduktion“ Versprechen gebrochen. Zwei Monate später schickt die Firma die neuen ¬Arbeitsverträge, die ab Mai gelten sollen. Sie sind Dumping pur: Der Stundenlohn von Promoterin Jost, bisher bei gut 32 Franken pro Stunde (Ferienentschädigung und 13. Monatslohn eingerechnet), soll neu auf knapp 28.50 sinken. Das macht minus 3 Franken 50 oder mehr als 10 Prozent Lohn weniger. (…).
Christian Egg.
Work online, 15.3.2019.
Personen > Egg Christian. Migros. Promoterin. Work online, 2019-03-15.
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15.03.2019 Bern
Personen
Work
Katrin Bärtschi
Arbeit
Briefträger
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Die Briefträgerin & der Affe im Fenster. „Verdammt!“ denkt die Briefträgerin. Ein Brief hat sich zwischen die andern im Kistli verkrochen. Einen A-Post-Brief, erst noch einen von Hand ¬adressierten und mit einer Marke beklebten, zur Zeit zuzustellen ist Ehrensache. Dem Zeitteufel zum Trotz. Der Weg ist schmal, die Briefträgerin kann das Fahrzeug nicht wenden. Zu Fuss trabt sie, den Brief in der Hand, zurück zum letzten Haus – und sieht im Fenster den Affen. Ganz klassisch hängt er an einem Ast, mit der linken Hand hält er sich fest, seine Rechte fasst eine Banane. Ein grosses Fensterfarbenbild! „Jetzt bin ich schon hundert Mal an diesem Haus vorübergeeilt und habe den Affen nie gesehen!“ denkt die Briefträgerin. „Wie bewege ich mich eigentlich durch meinen Arbeitstag? Gring abe u seckle?“ Dreimaster. Vielleicht hängt der Affe noch nicht lang in diesem Fenster. Doch er erinnert die Briefträgerin an ähnliche Gegebenheiten: Wie oft ging sie in der Freizeit durch das Quartier und bemerkte plötzlich hier einen verschnörkelten Balkon, dort entlang einer Häuserfassade einen schwindelerregenden Katzensteg, hier einen seltenen Strauch im Garten und dort eine Malerei unter einem Dach! „Dinge, die ich nie wahrnahm!“ denkt die Briefträgerin, „obwohl ich unzählige Male an ihnen vorübereilte.“ Oder hinter Gittern der alte Dreimaster, ein buntes Schiff, das sicher seit Ewigkeiten durch das verstaubte Kellerfenster segelt. Unbeachtet von den Briefträgerinnen und Briefträgern, die keine zwei Meter davon entfernt in Windeseile Ballast abwerfen. Er grinst. (…).
Kathrin Bärtschi.
Work online, 15.3.2019.
Personen > Baertschi Kathrin. Briefträgerin. Arbeit. Work online, 2019-03-15.
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15.03.2019 Bern
Personen
Work
Sandra Künzi
Alterspflege
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Gegen Pfeutis Pflege-Pläne. Gestern Abig kam mein Nachbar Pfeuti zu mir und war ganz aufgeregt. Sein Mami sei im Spital, Oberschenkelbruch, mit 71, aber sie könne nur sechs Tage bleiben, dann müsse sie raus, eine Riesensauerei für so eine alte Frau. Ich machte zwei Biere auf. Sie könne natürlich nicht heim, und was jetzt? Er sei doch ein Einzelkind! „Keine ¬Ahnung“, sagte ich. Pfeuti stöhnte. Er ¬könne sie ja nicht zu sich nehmen, oder? Ich zuckte mit den Schultern. Pfeuti schnaufte. Und deshalb wollte er mich fragen, ob ich mich nicht um sie kümmern könnte und um ihre Katze, de Schnousi, weil ich ja genug Zeit hätte, jetzt, wo ich streikte. „Pfeuti, gaats no? Ich würd mich nicht mal um deine Mutter kümmern, wenn wir verheiratet wären.“ Er: „Du willst mich heiraten?“ Dann ich: „Sicher nicht!“ Wir haben ja 15 Jahre Altersunterschied, der Pfeuti und ich, ausserdem ist er nicht mein Typ. Asoziale Emanze. Er wurde laut: „Du wärst auch froh, wenn sich jemand um dich kümmern täte, oder?“ „Ja sicher“, sagte ich, aber er könne sich ja selber um seine Mutter kümmern, es sei ja seine, nicht meine. Nein, genau das könne er eben nicht, weil er im Gegensatz zu mir arbeite und nicht streike. Er hatte ein ganz rotes Gesicht. Ich: „Im Gegensatz zu mir verdienst du aber auch deutlich besser, obwohl ich viel mehr Erfahrung hab als du, oder?“ Weil ich ja älter sei. Also er könne mich schon heiraten, wenn das meine Bedingung sei, damit ich seine Mutter pflege. Eine alte Frau und ein junger Mann, das sei heute doch kein Problem mehr. Das sei modern. So wie bei Heidi Klum oder Madonna. Der spinnt doch total, der Pfeuti: „Frauen pflegen ihre (...). Sandra Künzi.
Work online.
Personen > Kuenzi Sandra. Alterspflege. Work ionline, 2019-03-15.
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15.03.2019 Frankreich
Schweiz
Personen
Work
Jean Ziegler
Gelbwesten
Polizei
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Waffen
Schweizer Waffen gegen Gelbwesten. Mittwoch, den 20. Februar 2019. Es ist ein strahlender Vorfrühlingstag. Ein Meer von Fahnen in Blau-Weiss-Rot bedeckt den riesigen Platz der Nationen vor dem Völkerbundpalast, dem europäischen Sitz der Vereinten Nationen. Tausende von Gelbwesten sind dem Ruf von Nicolas Mollier und seinen Freunden gefolgt. Jetzt drängen sie sich vor dem verbarrikadierten Eingangstor der Uno-Festung. Appell an Uno. Sie wollen vom Uno-Menschenrechtsrat empfangen werden und den 47 Botschafterinnen und Botschaftern von dem gewalttätigen Vorgehen der französischen Polizei gegen die Demonstrantinnen und Demonstranten während der vergangenen Monate berichten. Sie verlangen, dass die Uno gegen die Menschenrechtsverletzungen einschreite. Seit dem Beginn der «Samstagsdemonstrationen» am 17. November 2018 sind in ganz Frankreich viele Hunderte von Demonstrierenden von den „Anti-Aufruhr-Einheiten“ der Gendarmerie nationale verprügelt, mit Tränengas traktiert und mit Gummigeschossen verletzt worden, manche von ihnen schwer. Die Polizisten schiessen aus drei, vier Metern Entfernung mit Gummigeschossen auf die Demonstranten. Allein seit Jahresbeginn haben 18 Gelbwesten ein Auge verloren, vieren von ihnen wurde eine Hand abgerissen. (…). Jean Ziegler.
Work online, 15.3.2019.
Personen > Ziegler Jean. Gelbwesten. Polizei. Work online, 2019-03-15.
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01.03.2019 Schweiz
Frauen
Personen
Work
Marie-Josée Kuhn
Frauenstreik
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Lila Lauffeuer. Danke, Donald Trump: Seit es ihn gibt im Weissen Haus, gibt es auch eine neue Frauenbewegung. Und sie verbreitet sich wie ein lila Lauffeuer. Nicht mit uns, sagen die Polinnen zu ihrer katholisch-konservativen Rechtsregierung und deren Plänen für ein Abtreibungsverbot. Und die Spanierinnen rufen: „Schluss mit diesem Machismo!“ Letztes Jahr, am grossen Frauenstreik, waren sie sechs Millionen. Und sie wollen es schon wieder tun: Am 8. März, am internationalen Frauentag, soll alles ruhen, zu Hause, am Arbeitsplatz und in der Schule. „Das ist ein echter Generalstreik“, sagt Mitorganisatorin Chelo Hernández. Sie ist streikerprobt und wild entschlossen. Doch nicht nur sie: Von Rio bis nach Kerala brechen die Frauendemos nicht ab. „Jetzt müssen wir einfach“, sagt Alexandrina Farinha. Die Wahlgenferin ist aktiv im Genfer Streikkomitee für den Frauenstreik am 14. Juni. Weil es nicht nur nicht vorwärtsgehe mit der Gleichstellung, sondern neuerdings wieder zurück. Frauentag ist Frauenstreik. Alle drei Tage. Das Rad darf nicht zurückdrehen. Das sagt auch Carla Quinto. Die Juristin begleitet in Rom misshandelte Frauen auf ihrem «langen, schmerzhaften Rechtsweg». Und sie ist wütend. Auf Matteo Salvini. Der neo-faschistische Innenminister und Vizeregierungschef Italiens will Abtreibungen noch schwieriger machen. Ebenso Scheidungen. Und er schürt ein gewalttätiges Klima. Kein Wunder, rufen Quinto und ihre Mitstreiterinnen am 8. März zum Frauenstreik auf. Alle drei Tage (…). Marie-Josée Kuhn.
Work online, 1.3.2019.
Personen > Kuhn Marie-Josée. Frauenstreik. Work online, 2019-03-01.
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01.03.2019 Schweiz
Personen
Work
Sandra Künzi
Pflegepersonal
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Für die Pflege der Pflege. Habt ihr amigs auch dökterlet? Ja gäll! Aber „pflegerlet“ habt ihr sicher nie. Dabei gibt’s viel mehr Pflegerinnen als Dökter, aber sie verdienen viel weniger. Und haben komische Arbeitsbedingungen. Meine Freundin Schaggä (kommt von Jacqueline), die ist Pflegerin, also Pflegefachfrau, in einem Riesenspital. Sie muss jetzt seit nöistem jedesmal erst auf ihrem Handy schauen, wo ihr Kästli ist. Also der Spind für Kleider und so. Sie hat gar kein eigenes Kästli mehr, ¬sondern sie muss zuerst schauen, wo sie hinmuss, und weil das ein Riesenspital ist, mit zehn Gebäuden oder mehr, kann es sein, dass sie fast eine halbe Stunde läuft zu diesem Kästli und dann wieder zurück. Das ist krass. Aber das krasseste: Unbezahlt! Das ist ja wie der Shutdown von Trump. Unbezahlt umeseckle. Ausserdem was ist, wenn du kein Smartphone hast (so wie ich)? Dann weisst du gar nicht, wo dein Kästli ist, das ja gar nicht mehr dein Kästli ist, ¬sondern ein allgemeines, und wie soll man sich da noch aufs Schaffen freuen, ohne eigenes Kästli? Ein Kästli ist doch auch ein bizzli es Dehei. Man kann ein Föteli von sich und dem Freund oder von sich und der Freundin oder den Kindern oder dem Hund aufhängen oder vom Chefarzt, der einem sehr gefällt, oder wenn’s ein Dubel ist, kann man es trotzdem aufhängen und drüberzeichnen, schwarze Löcher statt Augen und so. Aber ohne Kästli und mit Unbezahlt ume¬seckle? Da ist der Superfruscht doch programmiert. Falsche Pilleli. (…). Sandra Künzi.
Work online, 1.3.2019.
Personen > Kuenzi Sandra. Pflegepersonal. Work online, 2019-03-01.
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