Gewerkschaftschronik
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Anzahl gefundene Artikel: 2767

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28.09.2018 Schweiz
Frauen
Personen
Work
Marie-Josée Kuhn
Demonstrationen Bern
Feminismus
Lohngleichheit
Volltext
Oben ohne. Die junge Frau mit dem „Vulva“-Schriftzug auf der Brust stand einfach da. Und erhob ihre Faust. Auf ihrem selbstgemalten Plakat stand: „Das Geld kennt kein Geschlecht.“ An die 20’000-Menschen-Demo war sie gekommen, weil es jetzt reicht, weil es Lohngleichheit braucht. Als Minimum! Neben ihr tanzten sechs barbusige Girls, sie lachten und strahlten vor Lebensfreude. Und verlangten nichts weniger als das „Ende der Schnäbi-Diktatur“ (Seiten 8-11). Es war keine geplante Aktion, sie hatten sich nicht einmal gekannt vorher. Doch Mut und Leichtigkeit sind ansteckend: „Es war extrem schön, befreiend und verbindend“, sagte eine von ihnen. Selbst ist die Frau. Marianne und Hannah. Oben ohne protestierte schon die Marianne, die französische Helvetia. Auf dem Gemälde von Eugène Delacroix, auf dem sie das Volk mit wehendem Busen in die Julirevolution von 1830 führt. Sie ist göttlich, und sie ist so frei, sich von Normen und Obrigkeit zu befreien. Wie Hannah Weitemeier. Ihre Obrigkeit war der Frankfurter Philosophie- und Soziologieprofessor Theodor W. Adorno. Radikal in seiner Theorie, in der politischen Praxis aber nicht so sehr. Als er 1969 den Hörsaal betritt, kommt ihm die Studentin entgegen. Sie trägt eine Jacke, aber nichts darunter. Die Aktion geht als „Busenattentat“ in die Geschichte der feministischen Protestkultur ein. Körper und Politik. Körperpolitik ist eng mit der Frauenbefreiungsbewegung verbunden. Sie ist ein grundlegendes Moment der Emanzipation: „Mein Körper gehört mir!“ Selbst ist die Frau. Dazu gehört auch die Idee, den nackten Körper als Waffe einzusetzen. So, wie dies die Femen-Frauen tun, (…). Marie-Josée Kuhn.
Work online, 28.9.2018.
Personen > Kuhn Marie-Josée. Feminismus. Lohngleichheit. Work online, 2018-09-28.
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14.09.2018 Schweiz
Personen
SP Schweiz
Work
Willi Ritschard
Oswald Sigg
Biografien
Volltext
Am 28. September würde Willi Ritschard 100 Jahre alt. „Wenn e Politiker lügt, mues är intelligänt sii“. Er ist der einzige Büezer-Bundesrat, den die Schweiz bisher hatte. Ein schlagfertiger, schlauer, aber auch schüchterner, erinnert sich sein Sprecher. Arbeiter, Gewerkschafter, Sozialdemokrat, Bundesrat. Auf dem Umschlag des Willi-Ritschard-Buchs zu seinen 40 Jahren Politik in Gemeinderat, Kantonsrat, Regierungsrat und Bundesrat kommt der Arbeiter zuerst. Das war Ritschards Marke. Er war nicht nur der erste und einzige, sondern auch der letzte Arbeiter im Bundesrat. Immerhin: Willi, der ¬Gewerkschafter, hatte einen Vorgänger im Bundesrat: Max Weber, der 1952 das Finanzdepartement übernahm und 1953, nach dem Nein zu seiner Finanzordnung in der Abstimmung, zurücktrat. 1918: Im Landesstreikjahr kommt der Solothurner in Deitingen zur Welt. 1936: Abschluss der Heizungsmonteurlehre. Ab 1943: Gewerkschaftssekretär beim Schweizerischen Bau- und Holzarbeiterverband, 1955-63 Präsident des Solothurnischen Gewerkschaftskartells. 1945-63 SP-Kantonsrat, 1955-63 Nationalrat, 1964-73 Solothurner Regierungsrat. Am 5. Dezember 1973 Wahl in den Bundesrat mit 241 von 242 Stimmen, zunächst Vorsteher des Verkehrs- und Energiewirtschafts-, ab 1980 des Finanzdepartements. Ausländer & AKW. Max Weber hatte für den gelernten Heizungsmonteur zeitlebens eine wichtige Rolle gespielt. Politisch bildete sich Rit¬schard nach der Berufslehre und während er Kantonalsekretär des Bau- und Holzarbeiterverbands war, in der von Weber 1946 gegründeten Schweizer Arbeiterschule weiter. Dort vertrat (...). Oswald Sigg.
Work, 14.9.2018.
Personen > Sigg Oswald. Willi Ritschard. Biografie. 2018-09-14.
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31.08.2018 Schweiz
Gastgewerbe
Personen
Work
Sabine Reber
Saisonarbeit
Volltext
Saisonarbeiterin Ineta Jelic (47) hat gut lachen: „Ich bin immer da, wo es schön ist!“ Moderne Nomadin. Viele in der Gastrobranche leiden unter prekären Arbeitsbedingungen. Ineta Jelic nimmt sie in Kauf. Aber ausnützen lässt sie sich nicht. Seit 16 Jahren lebt Ineta Jelic im VW-Bus, zieht mit ihren Hunden Mirabelle, Kiwi und Nemo von Saison zu Saison durch Europa. Work trifft sie im Berner Oberland vor dem Chalet von Hans Gfeller, einem pensionierten Elektriker und „alten“ Gewerkschafter. Er hat extra die Büsche zurückgeschnitten, damit Jelics VW-Bus vor dem Haus Platz hat. Die Frau mit dem flammenden Haar kocht Kaffee, und Hans holt derweil die ¬goldene Uhr hervor, die ihm der SMUV zur 40jährigen Mitgliedschaft geschenkt hat. Von der anderen Strassenseite tönen fröhliche Kinderstimmen herüber. Dort liegt das Schwimmbad von Saanen, wo Jelic gerade die Sommersaison beendet. „Ein super Job“, findet sie, „hierhin komme ich immer gerne zurück! Die Leute sind freundlich, die Stimmung ist gut. Bei schönem Wetter arbeiten wir einfach, solange es zu tun gibt, das ist selbstverständlich bei solchen Jobs. Dafür können wir bei schlechtem Wetter auch mal ausruhen.“ Aufbruch. Auch wenn die Arbeitstage lang sind, die Pausen für die Hunde müssen sein: füttern, Gassi gehen, das ist Ineta Jelic heilig. Und sie bestehe jeweils darauf, dass sie mindestens 10 Stunden Ruhepause am Stück habe. Laut Landesgesamtarbeitsvertrag (L-GAV) müssten es jeweils 11 Stunden sein. Jelic sagt: „Insgesamt arbeite ich sicher mehr als der (…). Sabine Reber
Work online, 31.8.2018.
Personen > Reber Sabine. Saisonarbeit. Work online, 2018-08-31.
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31.08.2018 Schweiz
Personen
SVP
Work
Clemens Studer
Flankiierende Massnahmen
SVP
Volltext
Mehr Mindestlöhne: Darum wollen Ems-Chefin Martullo-Blocher & Co. die flankierenden Massnahmen zerschlagen. Attacke auf ein Erfolgsmodell. Heute sind 52 Prozent aller Arbeitnehmenden besser geschützt dank den flankierenden Massnahmen. Dieser Erfolg macht ihre Gegnerinnen und Gegner im Inland umso aggressiver. Im Zusammenhang mit dem angestrebten Rahmenvertrag mit der EU hat die sogenannte 8-Tage-Regel in der veröffentlichten Meinung eine zentrale Stellung bekommen. Die Erzählung jener, die den Lohnschutz aufweichen wollen, geht so: „Die Gewerkschaften müssten bloss die neuen technischen Möglichkeiten akzeptieren, dann wäre die EU zufrieden.“ Das ist gleich mehrfach falsch. Erstens drehen sich die vom Gesamtbundesrat definierten roten Linien bei den Verhandlungen mit der EU nicht um die 8-Tage-Regel, sondern darum, dass Schweizer Arbeitnehmendenrechte und Lohnschutz nicht Teil des Rahmenabkommens sein sollen. Zweitens ist es nicht einfach die EU, die Druck macht gegen die Flankierenden. Diese sind sowohl innerhalb der EU umstritten als auch innerhalb der Schweiz. Ein Dorn im Auge ist der Lohnschutz den rechten Parteien und Teilen der Arbeitgeberverbände seit ihrer Einführung. Sie versuchen ihn deshalb über den Umweg Rahmenabkommen los zu werden. Das ist kein neues Phänomen, einzig die Unverfrorenheit, mit der die Arbeitnehmendenrechte angegriffen werden, ist neu. Und dass die beiden FDP-Bundesräte Ignazio Cassis und Johann Schneider-¬Ammann da (…). Clemens Studer.
Work online, 31.8.2018.
Personen > Studer Clemens. Flankierende Massnahmen. Work online, 2018-08-31.
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31.08.2018 Schweiz
Generalstreik
Personen
Work
Angelica Balabanoff
Ralph Hug
Biografien
Volltext
Angelica Balabanoff mischte im Landesstreik die Schweiz auf. Rebellin, Sozialistin, Feministin. Kaum jemand erinnert sich heute noch an sie: doch Lenins Weggefährtin Angelica Balabanoff war für das Schweizer Bürgertum ein brandrotes Tuch. Zunächst war sie bloss ein „Fräulein“. Dann eine „Anarchistin“, später eine „berühmte Agitatorin“ und schliesslich eine „gefährliche Bolschewistin“. Diese Bezeichnungen widerspiegeln die Karriere von Angelica Balabanoff (1878 bis 1965). Für das Schweizer Bürgertum war sie Staatsfeindin Nummer eins. Im Landesstreik 1918 erreichte die Wut gegen die Russin ihren Höhepunkt. Kurz danach musste Balabanoff die Schweiz verlassen: Ausweisung! Sie habe „mit ihren Umtrieben die Sicherheit des Landes gefährdet“. So der Bundesrat in seinem Beschluss vom 12. November 1918. 14 Tage reichten. Balabanoff war aber nur gerade zwei Wochen in der Schweiz. Im Oktober traf sie mit dem Zug in Zürich ein. In der ¬Tasche einen Diplomatenpass des Roten Kreuzes. Ordentlich meldete sie sich beim Kreisbüro an. Sofort hefteten sich Geheimagenten an ihre Fersen. Die Schlapphüte überwachten sie rund um die Uhr. Im Hotel Central, wo sie ¬logierte, wimmelte es von Spitzeln. Und von Provokateuren. Mehrmals baten sie Unbekannte um Geld: „Ich habe gehört, Sie seien so grosszügig…“. Solche Schnorrereien waren Fallen. Sie sollten den ¬Beweis erbringen, dass die Russin mit einer Menge Geld in die Schweiz gekommen war. Geld für die Revolution. Natürlich fiel Balabanoff nicht (…). Ralph Hug.
Work online, 31.8.2018.
Personen > Hug Ralph. Angelica Balabanoff. Porträt. Work online, 2018-08-31.
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31.08.2018 Murg SG
Heime
Personen
Work
Angelica Balabanoff
Ralph Hug
Frauenarbeit
Religion
Volltext
Balabanoff entlarvte Ostschweizer „Fabrik-Klöster“. Arbeiten, Gehorchen, Schweigen. Der Skandal um die Arbeiterinnenheime war der Start von Angelica Balabanoffs Karriere als Gewerkschafterin. Ein Brief brachte den Stein ins Rollen. Darin schilderten Elvezia Paretti (14) und Ida Pasi (21) ihren Eltern die schrecklichen Zustände im Arbeiterinnenheim Murg SG. Dort wohnten die beiden jungen Italienerinnen unter Aufsicht von katholischen Ordensschwestern. Nach der elfstündigen Plackerei in der Spinnerei mussten sie beten und bis zum nächsten Morgen schweigen. Der Lohn wurde ihnen abgenommen, Briefe und Pakete konfisziert. Beide flehten die Eltern an, sie herauszuholen. Notfalls mit der Polizei. Der erschütternde Brief ¬gelangte zu Angelica Balabanoff. Die Sozialistin arbeitete damals als Gewerkschaftssekretärin in der Schweiz. Die italienischen Sozialisten hatten sie 1905 nach St. Gallen -geschickt, um die vielen Landleute auf dem Bau und in der Industrie zu betreuen. Balabanoff stiess auf sklavenähnliche Zustände: Zu Hunderten hatten die Ostschweizer Textilbarone junge Mädchen aus Italien und dem Tessin rekrutiert und beschäftigten sie zu Hungerlöhnen. Privatsphäre gab es für die Arbeiterinnen im Heim keine. Widerspenstigen drohten die Schwestern, sie kämen in die Hölle. Perfides System. Balabanoff erkannte das perfide System sofort. Sie nannte die Heime „klerikal-kapitalistische Strafanstalten“. Ganz marxistisch, geisselte sie die „Allianz von Kapital und Kirche“ zum Zwecke der Ausbeutung von Arbeitskräften. Ihre Artikelserie im (…). Ralph Hug.
Work online, 31.8.2018.
Personen > Hug Ralph. Angelica Balabanoff. Heime. Work online, 2018-08-31.
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31.08.2018 Schweiz
Personen
Work
Marie-Josée Kuhn
Lohngleichheit
Volltext
Eins, zwei Schadenfälle. Für die NZZ sind flankierende Massnahmen ein „Kollateralschaden“ der Personenfreizügigkeit. Für die NZZ sind mehr Lohnschutz und mehr Gesamtarbeitsverträge also Schadenfälle. Und sie belegt das mit Fake News: „Zusammen mit den arbeitsmarktlichen Regelungen sind nämlich auch Gesamtarbeitsverträge wie Pilze aus dem Boden geschossen. Die vertraglich fixierten Löhne, die in der Regel mit zunehmender Berufserfahrung und dem Alter automatisch steigen, tragen dazu bei, einheimische Arbeitskräfte zu verdrängen.“ Ein schlechter Witz, sagt dazu Unia-Chefökonom Beat Baumann. Denn GAV würden in der Regel Anfangslöhne fixieren, aber praktisch nie Lohnanstiege nach zehn Berufsjahren vorschreiben. Warum also meldet die Alte Tante von der Zürcher Falkenstrasse solchen Hafenkäse? Weil ihr mehr Lohnschutz und mehr Mindestlöhne ebenso ein (marktradikaler) Dorn im Auge sind, wie sie es Ems-Milliardärin Martullo-Bocher & Co. sind. Auch sie attackieren die Flankierenden frontal. Es sind Attacken auf ein Erfolgsmodell, wie Work-Autor Clemens Studer im Work-Schwerpunkt über die Personen¬freizügigkeit aufzeigt. Europäische Werte. Beim Streit um die flankierenden Massnahmen geht es also nicht um „die Schweiz gegen die EU“, denn die Gegnerinnen und Gegner von mehr Lohnschutz und mehr Rechten für Arbeitnehmende hocken hüben wie drüben. In Domat/Ems ebenso wie in Süddeutschland. Und ihre Befürworterinnen und Befürworter ebenfalls. Es geht (…). Marie-Josée Kuhn.
Work online, 31.8.2018.
Personen > Kuhn Marie-Josée. Lohngleichheit. Work online, 2018-08-31.
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31.08.2018 Genf
ILO
Personen
Work
Christian Egg
ILO
Temporärarbeit
Volltext
Ausgerechnet die Internationale Arbeitsorganisation. Die ILO baut in Genf mit „Billig“-Temporären. Ausgerechnet auf der Baustelle der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) sind mehr als die Hälfte der Bauarbeiter nur temporär angestellt. Mit weniger Rechten und weniger Lohn. José Sebastiao von der Unia Genf staunte nicht schlecht. Als er und seine Equipe die Baustelle am Hauptsitz der internationalen Arbeitsorganisation (ILO) kontrollieren, treffen sie ganz viele Maurer an, die nicht regulär angestellt sind. Sondern von einem Temporärbüro. Und zu schlechteren Bedingungen als ihre Kollegen. Sie er¬halten nur den Mindestlohn und ¬werden von der Firma nur aufgeboten, wenn es genug Arbeit gibt. Reklamieren verboten. Das ist zwar legal. Aber die Büezer sind der Firma völlig ausgeliefert. „Bei den Temporären lautet das Motto: Wer reklamiert, kann am nächsten Tag nicht mehr kommen“, sagt Unia-Mann Sebastiao. Es ist die Waadtländer Baufirma Orlatti (800 Angestellte), die hier renoviert. Doch die Kontrolle der Unia im Juli hat gezeigt: Nur gerade 10 der anwesenden Maurer sind von Orlatti regulär angestellt. Weitere 19 hat die Firma von zwei Temporärbüros angefordert. Das hat System. Laut Einsatzplänen, die Work vorliegen, waren seit Beginn der Arbeiten im April fast immer mehr Temporäre vor Ort als Festangestellte. Und das ausgerechnet bei der ILO. Sebastiao sagt: „Die ILO sollte weltweit für faire Arbeitsbedingungen sorgen. An ihrem eigenen Hauptsitz macht sie das Gegenteil.“ Zwar sagt die ILO, sie habe „sofort“ bei Orlatti i(…). Christian Egg.
Work online, 31.8.2018.
Personen > Egg Christian. ILO. Temporärarbeit. Work online, 2018-08-31.
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31.08.2018 Schweiz
Kinder
Personen
Work
Christian Egg
Verdingkinder
Volltext
Bund beschleunigt Verfahren für die Opfer. Verdingkinder sollen schneller ihre Entschädigung erhalten. Endlich: Der Bund setzt jetzt mehr Personal ein, damit Verdingkinder möglichst rasch zu ihrem Geld kommen. Sie wurden aus ihrer Familie gerissen und in ein Heim gesteckt. Oder in eine Strafanstalt. Oder auf einen Bauernhof als billige Arbeitskraft. Sie wurden geschlagen, vergewaltigt, sterilisiert. Über 300‘000 Menschen gelangten im Lauf der Jahrzehnte ins grausame System der „fürsorgerischen Zwangsmassnahmen“ und wurden zu Verdingkindern. Jetzt will der Bund dafür sorgen, dass die Überlebenden rasch die Wiedergutmachung von 25‘000 Franken bekommen, die ihnen das Parlament zugesprochen hat. 9‘000 von ihnen haben bis Ende März 2018 ein Gesuch eingereicht. Aber das Bundesamt für Justiz hat bisher nur gut 2‘300 Gesuche geprüft und nur etwa 2‘000 Menschen die Entschädigung ausbezahlt. Damit es schneller geht, wolle man jetzt mehr Personal einsetzen, um die Dossiers zu bearbeiten, so das Amt gegenüber Radio SRF. Das ist dringend nötig, sagt Work-Kolumnist Jean Ziegler. Er hat mehrfach den Umgang von Politik und Verwaltung mit den Opfern kritisiert, zuletzt in einem eindringlichen Appell am 29.Juni im Work (rebrand.ly/workziegler). „Es ist eine traurige Tatsache, dass die meisten Opfer dieser Verbrechen alt und krank sind“, so Ziegler. „Sie brauchen das Geld dringend, bevor sie sterben“. Jetzt ist Ziegler vorsichtig optimistisch, dass es rascher vorwärtsgeht: (…).
Work, 31.8.2018.
Work > Verdingkinder. Entschädigungen. Work, 2018-08-31.
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31.08.2018 Österreich
EU
Personen
Work
Andreas Rieger
Flankiierende Massnahmen
Löhne
Volltext
Der Lohnschutz ist in ganz Europa ein Zankapfel. Das Burgenland lässt freundlich grüssen. Der Konflikt um die flankierenden Massnahmen ist kein Konflikt zwischen Ländern, sondern ein Konflikt -zwischen Arbeitnehmenden und Profiteuren – hüben wie drüben. Wenn wir den aktuellen Konflikt um die flankierenden Massnahmen verstehen wollen, müssen wir die Fronten genauer anschauen. Und sehen, wer eigentlich hinter dem Angriff aus der EU steckt. Zuvorderst gegen den Lohnschutz weibeln marktgläubige Ideologinnen und Ideologen in der Brüsseler Verwaltung. Sie politisieren in der Tradition des früheren EU-Kommissionspräsidenten Manuel Barroso. Für ihn stand die Freiheit der Unternehmer über allem. Vor allem auch über dem Schutz der Arbeitnehmenden. Diese Ideologie prägt die Unterlagen für die EU-Delegation, die derzeit mit der Schweiz über ein Rahmenabkommen verhandelt. Gut für vernünftige Patrons. Gepusht werden sie von Unternehmern, insbesondere aus Süddeutschland. Diese sind dick im Geschäft mit Aufträgen in der Schweiz und stellen die grösste Gruppe von Unternehmern, die Aufträge in der Schweiz ausführen lassen. Sie entsenden Arbeitnehmende in die Schweiz. Dabei müssen sie das Prinzip „Gleicher Lohn für gleiche Arbeit am gleichen Ort“ einhalten, das heisst, Schweizer Löhne bezahlen. Die flankierenden Massnahmen – auch die Voranmeldefrist von 8 Tagen – sorgen dafür, dass dieses Prinzip eingehalten wird. Genau das ist süddeutschen Unternehmern ein Dorn im Auge. (…). Andreas Rieger.
Work online, 31.8.2018.
Personen > Rieger Andreas. Österreich. Flankierende Massnahmen. Work online, 2018-08-31.
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31.08.2018 Schweiz
Löhne
Personen
Work
Vasco Pedrina
Clemens Studer
Interview
Personenfreizügigkeit
Volltext
Ex-Unia-Co-Chef Vasco Pedrina warnt: „Ohne Lohnschutz ist der bilaterale Weg tot“. Gewerkschafter Vasco Pedrina (68) ist im Unruhestand. Als erster hat er die neuere Migrationspolitik der Schweiz aufgearbeitet. Work: Sie zeichnen in Ihrem neuen Buch den Weg der Schweiz nach, von der alten Personenfreizügigkeit über die Kontingentspolitik zur neuen Personenfreizügigkeit mit der EU. Welches System diente oder dient den Lohnabhängigen am meisten? Vasco Pedrina: Die neue Personenfreizügigkeit mit den flankierenden Massnahmen zum Schutz der Schweizer Arbeitsbedingungen und der Schweizer Löhne. Sie ist nämlich eine Erfolgsgeschichte. Grundsätzlich ist Personenfreizügigkeit im Interesse der Lohnabhängigen. Damit sie aber nicht von Arbeitgebern missbraucht wird, braucht es flankierende Massnahmen. Wir müssen diese nicht nur verteidigen, sondern auch weiterentwickeln. Momentan läuft von rechts ein neuer Frontalangriff auf Personenfreizügigkeit, flankierende Massnahmen und die Bilateralen. Nicht nur die SVP will zurück zur Kontingentswirtschaft. Offensichtlich nehmen auch Teile der Arbeitgeberverbände und der FDP einen solchen Systemwechsel in Kauf. Sehr stossend, denn das Kontingentssystem mit all seinen menschenfeindlichen Auswüchsen ist grandios gescheitert. Keines ihrer Ziele haben seine Urheber erreicht. Weder wurde die Zuwanderung gebremst, was die Absicht war; noch wurden die Arbeitsbedingungen und die Löhne der Schweizer Lohnabhängigen geschützt, was man versprochen hatte.(…). Clemens Studer.
Work online, 31.8.2018.
Personen > Studer Clemens. Vasco Pedrina. Interview. Work online, 2018-08-31.
Ganzer Text
31.08.2018 Schweiz
Personen
Work
Clemens Studer
Arbeitsmarkt
Chronologie
Volltext
Wie unser Arbeitsmarkt wurde, was er ist. Die flankierenden Massnahmen zur Personenfreizügigkeit sind die fortschrittlichste Methode zum Schutz der Arbeitnehmenden. Das zeigt der ehemalige Unia-Co-Chef Vasco Pedrina in seinem neusten Buch. Eine einordnende Chronologie. Erster Weltkrieg: Die Abschottung beginnt. Bis weit ins 19. Jahrhundert war die Schweiz ein Auswanderungsland. Die Abschottung des ¬Arbeitsmarktes war kein Thema. Nach der bürgerlichen Revolution und der Gründung der modernen Schweiz 1884 war die offizielle Migrationspolitik sehr offen. Die damalige weitgehende Personenfreizügigkeit in Europa war das Resultat von bilateralen Verträgen. Erst mit dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges änderte sich die Schweizer Migrationspolitik. Zwischen den Kriegen: Nationalistische Töne. Die Ausländerpolitik vor und während des Ersten Weltkriegs setzte verstärkt auf Abschottung und Kontingentierung und verschärfte sich in der Zwischenkriegszeit. Einerseits vor dem Hintergrund der wirtschaftlichen Krise, andererseits unter dem europaweiten und auch innenpolitischem Druck von Nationalkonservativen, Faschisten und Nazis. Ab 1931 hatte das Bundesgesetz über Aufenthalt und Niederlassung von Ausländern (ANAG) als Ziel die Verhinderung der „Überfremdung“ und der „dauerhaften Einwanderung“. Bereits damals formulierte der Bundesrat, was noch heute Politik der Rechten ist: „Gegen die Zuwanderung von Ausländern gibt es nichts einzuwenden. Dies allerdings  (…). Clemens Studer.
Work online, 31.8.2018.
Personen > Studer Clemens. Arbeitsmarkt. Chronologie. Work online, 2018-08-31.
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31.08.2018 Schweiz
Personen
Work
Daniel Lampart
Löhne
Teuerung
Volltext
Achtung Teuerung! Jetzt müssen die Löhne rauf. Zum ersten Mal seit 2010 ist die Teuerung in den Sommermonaten auf über ein Prozent gestiegen. Das hat grosse Auswirkungen auf die gewerkschaftliche Lohnpolitik. Denn wegen der starken Frankenaufwertung war die Inflation in der Schweiz ab 2011/12 entweder null oder sogar negativ. Der Teuerungsausgleich verlor daher bei den Lohnrunden an Bedeutung. Das muss sich im laufenden Jahr ändern. 2018 dürften die Konsumentenpreise in der Schweiz um rund 0,9 Prozent steigen. Haupttreiberin dieser Entwicklung sind die höheren Ölpreise und der etwas weniger stark überbewertete Franken. Die aus dem -Ausland eingeführten Waren werden dadurch etwas teurer. Doch auch die Preise der in der Schweiz hergestellten Produkte und Dienstleistungen beginnen zu steigen. Obwohl die Mehrwertsteuer Anfang Jahr von 8 auf 7,7 Prozent gesenkt wurde. Voraussichtlich werden die Löhne 2018 knapp mit der Teuerung Schritt halten. Aber kaum mehr. Gemäss den heute verfügbaren Informationen gab es im laufenden Jahr knapp ein Prozent mehr Lohn. Das heisst, dass die Reallöhne angesichts der Teuerung von knapp einem Prozent momentan mehr oder weniger stagnieren. Obwohl es wirtschaftlich aufwärtsgeht. Weil der Teuerungsausgleich in den Jahren nach 2011 kein Thema war, gab es wahrscheinlich auch weniger generelle Lohnerhöhungen. Laut Bundesamt für Statistik sank der Anteil der generellen Lohnerhöhungen von über 70 Prozent in den Jahren 2008/09 (…). Daniel Lampart.
Work online, 31.8.2018.
Personen > Lampart Daniel. Teuerung. Löhne. Work online, 2018-08-31.
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31.08.2018 Schweiz
Personen
Regierung Schweiz
Work
Ralph Hug
Armee-Einsätze
Generalstreik
Volltext
Die Geheimprotokolle zum Landesstreik. Der Bundesrat sieht dunkelrot. Im Bundeshaus war klar: Es steht die Revolution vor der Tür. Das zeigen die für geheim erklärten Protokolle des Bundesrates von 1918. „Kein Auszug, da geheim“: Was der Bundesrat im Vorfeld des Landesstreiks beriet, sollte niemand erfahren. Die Protokolle waren streng geheim. Heute liegen sie im Bundesarchiv. Wer sie liest, begegnet einem Bundesrat in Panik. Er wähnte die Revolution vor der Tür. Über die wahren Gründe der Wut des Volkes – Hunger, Arbeitslosigkeit, Verbitterung, Ohnmacht, Unterdrückung – verlor man wenige Wochen vor dem Streik kein Wort mehr. Es ging nur noch um Militär, Polizei und Repression. Munitionsdepots geräumt. Statt der Unzufriedenheit der Schweizer Lohnabhängigen sahen die Männer – alle durchweg freisinnig-konservativ – ausländische Agitatoren am Werk. Die Bundesanwaltschaft klärte ab, „in welcher Weise gegen die russischen Agenten und Unruhestifter, welche unter dem Deckmantel von russischen Kurieren in die Schweiz kommen, vorgegangen werden kann“. Gemeint waren Leute wie die Russin Angelica Balabanoff In den Protokollen ist ständig von „Brutstätten der Revolution“ und „bolschewistischen Umtrieben“ die Rede. Das Militär räumte schon heimlich die Munitionsdepots in den Städten – damit sie nicht dem „Feind“ in die Hände fielen. Willes Wahn. Zu den grössten Scharfmachern zählte General Ulrich Wille. Er wollte bereits am 2. November ¬Zürich militärisch besetzen lassen. Sein Plan (…). Ralph Hug.
Work online, 31.8.2018.
Personen > Hug Ralph. Generalstreik. Regierung. Work online,2018-08-31.
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31.08.2018 Schweiz
Generalstreik
Personen
Work
Anne-Sophie Zbinden
Generalstreik
Theater
Volltext
Theaterspektakel 1918.ch in Olten. Tempo, fulminante Bilder, und eine Irritation. Hunger, Kinderarbeit, Streik und Tote. Das ist der Zündstoff, aus dem das Theaterspektakel zum Landesstreik gemacht ist. Eine der Hauptrollen spielt eine grossartige SBB-Halle. „Der Krieg ist vorbei!“ Das singen die Soldaten von den Dächern der alten SBB-Hauptwerkstätte in Olten. So beginnt das Theater „1918.ch – 100 Jahre Landesstreik“, das Regisseurin Liliana Heimberg mit über 100 Laienschauspielenden inszeniert hat. Die riesige alte SBB-Werkhalle macht das Stück erst möglich: Von den Kindern bis zu den Senioren spielen sie vor, hinter, auf und unter der Bühne. Fenster, Stützpfeiler und alte Arbeitsutensilien kommen zum Einsatz. Draussen fahren die Züge im Bahnhof Olten ein und aus. In schnellem Rhythmus wechseln die Szenen, der Chor singt, die Basler Sinfonietta spielt. Dazwischen immer wieder die Helvetia, als Anführerin, als Schlichterin, als Richterin. Der Erste Weltkrieg ist zwar vorbei, der Schweiz jedoch steht die grösste Zerreissprobe seit der Gründung des Bundesstaates bevor. Während General Ulrich Wille in Solothurn von der Regierung ein Festmahl serviert bekommt, darben die Leute. Sie müssen bei den Suppenküchen anstehen. Aus Protest schlagen sie mit den Löffeln auf den Boden. Den Munitionsfabrikanten geht es hingegen gut, der Krieg beschert ihnen ein dickes Geschäft. Die Fabrikarbeit ist hart, lange und schlecht bezahlt – auch Kinder chrampfen dort. In einer scheinbar endlosen Reihe (…). Anne-Sophie Zbinden.
Work online, 31.8.2018
Personen > Zbinden Anne-Sophie. Generalstreik. Theater. Work online, 2018-08-31.
Ganzer Text
31.08.2018 Schweiz
USA
Personen
Work
Michael Stötzel
Lotta Suter
Einbürgerung
Volltext
Lotta Suters Jahr 2017, in dem sie eine schwierige Entscheidung traf. Amerikanerin werden. Work-Autorin Lotta Suter wird US-Bürgerin. Über ihre Gründe hat sie im letzten Jahr ein Tagebuch geführt, das jetzt als Buch erscheint. Am 6.Juni 2017 kommt Lotta Suter das Stundengebet in den Sinn. Die meditative Besinnung in vielen Gesellschaften und Religionen, die den Alltag unterbrechen. Als sie daran denkt, ist knapp die Hälfte ihres „Tagebuchs einer Annäherung“ an ihre neue Heimat bereits geschrieben. Eine Heimat, die ihr gar nicht so neu ist: Mit Unterbrechungen lebt sie schon mehr als zwanzig Jahre in den USA Sie ist verheiratet mit einem Amerikaner, sie hat amerikanische Enkelinnen. Und plötzlich entscheidet sie, auch Bürgerin dieses Landes werden zu wollen. Darum drehen sich die meisten ihrer Überlegungen, ihrer Treffen und Gespräche im letzten Jahr, von denen sie berichtet. Und klar, im Mittelpunkt stehen dabei fast immer die neusten Grausamkeiten, Idiotien und Lügen des Donald Trump. Zweifel. Amerikanerin zu werden ist im Zeitalter seiner Präsidentschaft keine leichte Entscheidung. Jedenfalls nicht für eine. Lotta Suter, die nicht arm, die sehr gut gebildet, protestantisch, weiss und blond ist. Die keine Mexikanerin oder Syrerin ist und «nur» schweizerisch-amerikanische Doppelbürgerin werden will. Die sich also Zweifel leisten kann. Die Schönheit des weiten Landes und die Freundlichkeit und Zugänglichkeit so vieler ihrer Mitmenschen überwältigen sie. Sie hat Spass daran, sich an neuen kulturellen Eigenarten zu (…). Michael Stötzel.
Work 31.8.2018.
Personen > Stötzel Michael. Lotta Suter. Einbürgerung. Work, 2018.-08-31.
Ganzer Text
31.08.2018 Schweiz
Personen
SDA Schweizerische Depeschenagentur
Work
Patricia D Incau
Entlassungen
Redaktion
Volltext
Roboter statt Journis. SDA-Sportredaktion vor dem Aus. Die Nachrichtenagentur SDA beliefert die Schweiz auch mit Sport-News. Der Medienkonzem Tamedia findet nun: Ein Roboter soll übenehmen. Gerade erst hat die Nachrichtenagentur SDA jede vierte Stelle gestrichen (Work berichtete: rebrand.lyjsda-jobs).jetzt platzt schon die nächste Bombe: Die Sportredaktion steht auf der Kippe. 26 Stellen sind bedroht. Der Grund: Der Zürcher Medienkonzern Tamedia will ab nächstem Jahr keine Sportnachrichten mehr bei der SDA einkaufen. Die Redaktionen „Tages-Anzeiger“, „Bund“. „Basler Zeitung“ usw.) sollen ihre Sportseiten künftig alleine füllen - mit der Hilfe eines Roboters. Roboter. „Tadarn“ heisst das Programm. das nun die Arbeit der Journalistinnen und Journalisten ersetzen soll. Der Roboter durchsucht das Internet automatisch nach Sportresultaten und liefert diese an die Redaktionen. Die meisten Meldungen müssen dort noch immer von Menschen geschrieben werden. dennoch findet die Tarnedia-Leitung. den SDA-Sportdienst brauche es nicht mehr. Unsinnig findet das Marco Geissbühler von der Mediengewerkschaft Syndicom. Er sagt: „Die SDA liefert Analysen, Einordnungen und Hintergründe. Das alles kann ein Roboter nicht.“ Die Entscheidung. den Sportdienst zu künden, haben die Tamedia-Redaktionen offenbar auch nicht ganz freiwillig getroffen. Wie die Basler „Tageswoche“ berichtet. wurde den Verantwortlichen eiskalt gedroht: Wenn sie den SDA-Dienst behielten. müssten sie selber fünf Vollzeitstellen streichen. Für Gewerkschafter (…). Patricia D’Incau.
Work, 31.8.2018.
Personen > D’Incau Patricia. SDA. Redaktion. Work, 2018-08-31.
Ganzer Text
17.08.2018 Schweiz
OVS
Personen
Work
Christian Egg
Betriebsschliessung
OVS
Volltext
Meyers verliebten sich bei Vögele. Bei OVS erlebten sie einen Albtraum! Marco und Esther * Meyer verkauften dreissig Jahre lang Kleider bei Vögele. Dann kam der Modegigant OVS und stellte sie auf die Strasse. Sie: „Herr Meyer, Ihr Hemdkragen ist schief!“ Er: „Danke! Das git en Kafi.“ So fing alles an, vor dreissig Jahren. Sie hatten beide neu bei Charles Vögele angefangen, sie, die junge Quereinsteigerin, die nach einer Coiffeuselehre in die Modebranche wechselte, und er, der Vollblutverkäufer. Schnell freundeten sie sich an, dann wurden sie ein Liebespaar. Kommenden Herbst feiern sie ihre silberne Hochzeit. Wieder vorne anfangen. Es ist angenehm schattig auf dem Balkon. Marco Meyer (64) erzählt: „Nach dreissig Jahren haben sie uns einfach den Schuh gegeben.“ Ende Juni erhielten die Meyers die Kündigung, gleich wie alle anderen 1178 Angestellten bei OVS auch. Der italienische Modegigant, der die marode Charles Vögele vor nur anderthalb Jahren übernahm und grosse Versprechen machte, lässt seine Schweizer Tochtergesellschaft schon wieder fallen. Konkurs. Ohne Sozialplan. Es ist die grösste Massenentlassung in der Geschichte des Schweizer Detailhandels. Marco Meyer sagt: „Ich habe es gut. Ich muss keine neue Stelle mehr suchen. Ich habe nur noch drei Monate bis zur Pensionierung.“ Esther Meyer hingegen ist erst 49. Sie muss nun eine neue Stelle finden. Darum will sie auch nicht mit vollem Namen in der Zeitung erscheinen. Zwar hat sie zehn Jahre lang eine Abteilung geleitet. (…). Christian Egg.
Work online, 17.8.2018.
Personen > Egg Christian. OVS. Betriebsschliessung. Work online, 2018-08-17.
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17.08.2018 Schweiz
Löhne
Personen
Work
Marie-Josée Kuhn
Flankiierende Massnahmen
Löhne
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Lohnschutz-Ausverkauf. Der Knall platzte mitten in die träge Sommerhitze: Die Gewerkschaften werden nicht mehr mit Bundesrat -Johann Schneider-Ammann über den Ausverkauf der flankierenden Massnahmen verhandeln. Sie zeigen ihm und Aussenminister Ignazio Cassis die rote Karte. Weil die beiden FDP-Bundesräte den Schweizer Lohnschutz «frontal attackieren» und vor der EU sowie der Wirtschaftslobby einknicken. Bisher hatte der Bundesrat stets versprochen, er würde bei den Verhandlungen mit der EU um ein Rahmenabkommen eisern am Schweizer Lohnschutz festhalten. Doch nun haben erst Cassis, dann auch Schneider-Ammann dieses Versprechen im Alleingang gebrochen. Wie grundsätzlich, zeigt Work-Autor Clemens Studer im Detail. Im grossen Work-Interview sagt Unia-Chefin Vania Alleva deshalb: „Schneider-Ammann stellt alles zur Disposition. Ausserdem sollen künftig EU-Instanzen über den Schweizer Lohnschutz entscheiden.“ Das könne man sich nicht bieten lassen. Dorer tutet. So weit, so richtig: die Gewerkschaften verteidigen den Lohnschutz für uns Arbeitnehmende. Das ist ihr Daseinszweck. Umso mehr, als dieser spezielle Schweizer Lohnschutz auch wirkt. In der Schweiz sind die untersten Löhne in den letzten zehn Jahren nicht ab¬gesackt wie im umliegenden Europa, im Gegenteil. Zwar wächst die Lohnungleichheit auch hier, aber weniger heftig. Das ist mit ein Erfolg der Schweizer Spezial-Combo: Bilaterale plus flankierende Mass¬nahmen. Doch es ist nicht dieses kleine Wunder, (…). Marie-Josée Kuhn.
Work online, 17.8.2018.
Personen > Kuhn Marie-Josée. Flankierende Massnahmen. Work online, 2018-08-17.
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17.08.2018 Schweiz
Löhne
Personen
Work
Vania Alleva
Clemens Studer
Flankiierende Massnahmen
Interview
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FDP-Bundesräte greifen unsere Löhne frontal an. Die Gewerkschaften lassen die Gespräche über Verhandlungen um ein Rahmenabkommen mit der EU platzen. Unia-Chefin Alleva erklärt, warum. Work: Vania Alleva, die Gewerkschaften nehmen nicht an den von Volkswirtschaftsminister Johann Schneider-Ammann organisierten Verhandlungen über die flankierenden Massnahmen teil. Warum diese Gesprächsverweigerung? Vania Alleva: Weil Abstriche bei den Arbeitnehmerrechten für uns nicht verhandelbar sind. Wir haben diesen Entscheid nicht leichtfertig gefällt. Er hat eine längere Vorgeschichte. Erzählen Sie! Der Bundesrat hat für die Verhandlungen mit der EU über ein Rahmenabkommen eine rote Linie definiert und versprochen, dass er nicht über die flankierenden Massnahmen diskutieren wird. Denn sie garantieren, dass in der Schweiz Schweizer Löhne bezahlt werden müssen. Doch FDP-Aussenminister Ignazio Cassis brach dieses Versprechen im Frühsommer, als er in einem Radiointerview die sogenannte 8-Tage-Regel lächerlich machte – eine wichtige Voraussetzung für die Durchsetzung des Lohnschutzes auch bei Entsendebetrieben. Übrigens: Bei der Einführung der 8-Tage-Regel zählten wir 90’000 Entsendungen, heute sind es 240’000. Das ist die grösste Zahl pro Kopf europaweit. Sekundiert wurde Cassis von seinem FDP-Kollegen Johann Schneider-Ammann. Wir haben daraufhin beim Bundesrat interveniert, und dieser hat vor den Sommerferien nochmals seine roten Linien (…). Clemens Studer.
Work online, 17.8.2018.
Personen > Alleva Vania. Flankierende Massnahmen. Interview. Work online, 2018-08-17.
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17.08.2018 Schweiz
Personen
SDA Schweizerische Depeschenagentur
Work
Patricia D Incau
Entlassungen
SDA
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SDA-Journalist Mark Theilers Meldung in eigener Sache: „Ich habe meinen Job wieder!“ Massenentlassung, Streik, Schlichtung: Hartnäckig haben sich die Journalistinnen und Journalisten der Nachrichtenagentur SDA gegen den Kahlschlag gewehrt. Mark Theiler (63) ist einer von ihnen. Am 9. Juli wäre mein erster Tag ohne Arbeit gewesen. Der Termin auf dem RAV war schon vereinbart. Doch dann kam der Anruf von der Redaktionskommission. Sie hat die Belegschaft im Schlichtungsverfahren vertreten. Ich erfuhr, dass alle acht Entlassenen über 60 wieder eingestellt werden. Und zwar zum gleichen Lohn, zum gleichen Pensum und am selben Arbeitsort wie vorher. Und: mit Kündigungsschutz. Bis zu unserer Pensionierung können wir Ü60 aus wirtschaftlichen Gründen nicht mehr entlassen werden. Zum Glück bin ich gesessen, als ich das gehört habe. Es hätte mich sonst wohl umgehauen. Eine riesige Überraschung! Erstaunlich. Ich hätte niemals damit gerechnet, wieder eingestellt zu werden. So, wie sich die SDA-Spitze gegenüber dem Personal verhalten hatte. Monatelang mauerten sie. Sie wollten den Kahlschlag ohne Wenn und Aber durchziehen. Warum der Verwaltungsrat bei uns Ü 60 jetzt plötzlich seine Meinung geändert hat? Darüber rätseln wir alle. Vielleicht liegt es daran, dass neben den Entlassenen inzwischen etwa 20 Redaktorinnen und Redaktoren die SDA freiwillig verlassen haben und ein personeller Engpass drohte? Oder daran, dass wir Ältere damit gedroht haben, wegen diskriminierender Kündigung vor Gericht (…). Patricia D'Incau.
Work online, 17.8.2018.
Personen > D’Incau Patricia. sda. Entlassungen. Work online, 2018-08-17.
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17.08.2018 Genf
Personen
Work
Sabine Reber
Gratisarbeit
Reinigung
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Chef von Putzfirma verurteilt, weil er Flüchtlinge ausbeutete. Fertig mit gratis WC-Schrubben bei McDonald’s. 47 Tage lang musste Souleymane* chrampfen, von 23 Uhr bis 8 Uhr in der Früh. Ohne Lohn. Der junge Mann aus dem Sudan klagte. Mit Erfolg! Die Unia Genf hatte den Fall im Dezember 2015 aufgedeckt: Die Berner Putzfirma Top Clean liess Flüchtlinge gratis WC putzen. Im Auftrag der Firma Gerona, die für McDonald’s mehrere Filialen in Genf führt. Zum Beispiel Souleymane (31) aus dem Sudan. Er musste ganze 47 Tage ohne einen Rappen Lohn chrampfen. Er hat eine Aufenthaltsbewilligung F und hofft, hier ¬bleiben zu dürfen. Als ihm der Chef der Putzfirma eine Aufenthaltsbewilligung B verspricht, wenn er drei Monate gratis für ihn arbeite, sagt Souleymane sofort zu. Von da an arbeitet er von 23 Uhr bis 7 oder 8 Uhr morgens durch. Ohne Pause. Auch über Weihnachten und Neujahr muss er arbeiten. Als Work über den Fall berichtet, stellt Gerona umgehend die Zusammenarbeit mit Top Clean ein. Rückwärts auf der Autobahn. Nun hat die Genfer Staatsanwaltschaft den Chef der Putzfirma Top Clean bestraft. Wegen Urkundenfälschung, Verletzung des Ausländergesetzes und Nichtrespektierung der geltenden Arbeitsbedingungen. Ausserdem wegen schwerer Verkehrsdelikte wie Rückwärtsfahren auf der Autobahn und Ausbremsen von anderen Fahrzeugen. Die Strafe dafür: 180 Tagessätze zu 60 Franken mit vier Jahren Bewährung sowie zusätzlich 6‘000 Franken Busse und auch die Verfahrenskosten (…). Sabine Reber.
Work online, 17.8.2018.
Personen > Reber Sabine. Gratisarbeit. Reinigung. Work online, 2018-08-17.
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17.08.2018 Schweiz
Personen
Work
Martin Jakob
Freitage
Ratgeber
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Privates während der Arbeitszeit: Dafür gibt’s frei. Die Arbeitszeit ist zum Arbeiten da. Dennoch haben Sie in besonderen Fällen ein Anrecht auf bezahlte Absenzen. Und auf private Besorgungen am Arbeitsplatz, wenn sie dringend sind oder nur kurze Zeit beanspruchen. Das Arbeiten hat seine Zeit, und das Private hat seine Zeit. Aber so einfach, wie das tönt, ist es nicht. Wir sind schliesslich keine Maschinen, und es ist ganz normal, dass ab und zu eine private Besorgung während der Arbeitszeit notwendig wird. Ob solche Besorgungen zulässig und bezahlt sind, ist teils im Obligationenrecht und im Arbeitsrecht geregelt, teils in Gesamtarbeitsverträgen, in Einzel-arbeitsverträgen oder in Firmenreglementen. Bezahlte freie Tage. Für ausserordentliche Lebenssituationen besteht laut Obligationenrecht (OR) ein Anspruch „auf die üblichen freien Stunden und Tage“. Und obwohl das OR dies nicht ausdrücklich erwähnt, ist damit zumindest für Anstellungen im Monatslohn ein bezahlter Urlaub gemeint. In den von der Unia verhandelten Gesamt-arbeitsverträgen sind dafür jeweils fixe Werte formuliert. Fehlen firmenverbindliche Angaben, können Sie sich auf die folgenden allgemeinen Richtlinien berufen: (…).
Martin Jakob.
Work online, 17.8.2018.
Personen > Jakob Martin. Frei-Tage. Ratgeber. Work online, 2018-08-17.
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17.08.2018 Grenchen
Generalstreik
Personen
Work
Ralph Hug
Armee-Einsätze
Generalstreik
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Soldaten erschossen drei Arbeiter. Von hinten.^Das Trauma der Grenchner. In Grenchen SO endete der Landesstreik blutig. Füsiliere erschossen die drei Uhrmacher Marius Noirjean (17), Hermann Lenz (29) und Fritz Scholl (21) in einer Seitengasse. Von hinten, in Kopf und Rücken. Sie hatten gar nicht aktiv am Streik teilgenommen. Noirjean wollte für seine Mutter Medikamente in der Apotheke holen, Scholl war auf dem Weg in einen Eisenladen, und Lanz war rein zufällig unterwegs. Die drei waren die einzigen Toten des Generalstreiks vom November 1918. Warum ausgerechnet in Grenchen? Explosive Stimmung. Diese Frage trieb Alfred Fasnacht jahrelang um. Denn der Tod der Arbeiter war ein Tabu. Niemand sprach darüber, auch die Linke nicht. Der Bibliothekar, der aus einer Arbeiterfamilie stammt, recherchierte, trug Forschungsresultate, Dokumente und Zeugnisse zusammen. Das alles ist nun nachzulesen in einem sehr aus führliehen Internetartikel {rebrand.Iyjgrenchen}. In Grenchen hatten sich die sozialen Gegensätze extrem zugespitzt, die Stimmung war explosiv. Die skrupellosen Uhrenpatrons hatten viel Geld mit dem Export von Zündern und Uhren an die Kriegsmächte verdient. Streiks und Aussperrungen häuften sich. Arbeiterfamilien verarmten und verzweifelten. So waren die Grenchner Arbeiter besonders kämpferisch, als das Oltener Aktionskomitee am 14.November 1918 den Landesstreik ausrief. Sie legten Fabriken lahm, zwangen Geschäfte zum Schliessen und errichteten Barrikaden auf den Bahngeleisen. (…). Ralph Hug.
Work 17.8.2018.
Personen > Hug Ralph. Generalstreik Grenchen. Work, 2018-07-17.
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17.08.2018 Schweiz
Bundesamt für Statistik
Personen
Work
Hans Baumann
Armut
Bundesamt für Statistik
Vermögen
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Bund belegt: Reiche werden reicher, Arme zahlreicher. Die neuste Bundessteuer-Statistik zeigt es deutlich: Die Reichsten in der Schweiz werden immer reicher. Unterdessen besitzt das reichste Prozent der Steuerzahlenden fast 42 Prozent des gesamten Vermögens. Das sind über 730 Milliarden Franken und ein neuer Rekord. Die anderen 99 Prozent müssen sich in den Rest teilen. Auf der unteren Stufe der Wohlstandspyramide sieht es ganz anders aus. Die Anzahl jener, die Sozialhilfe beanspruchen müssen, und auch ihr Anteil an der Bevölkerung haben seit 2010 deutlich zugenommen. Die Sozialhilfequote stieg von 3 auf 3,3 Prozent. Grund für den nochmaligen Anstieg im Jahr 2016 waren übrigens nicht ausschliesslich die höheren Flüchtlingszahlen. Die Zahlen gingen bei Schweizerinnen und Schweizern ungefähr gleich stark nach oben. Arm trotz Job. Noch stärker zugenommen haben die Working Poor, und dies vor allem in den Jahren 2015 und 2016. Das sind jene Menschen, die trotz Erwerbsarbeit arm sind. Seit 2010 ist die Quote der Erwerbstätigen, die armutsgefährdet sind, von 3,4 auf 4,5 Prozent gestiegen. Rund 150‘000 Personen erzielen trotz Arbeit kein existenzsicherndes Einkommen. Das betrifft vor allem auch Familien, in denen rund 50’000 Kinder in Armut aufwachsen. Beschämend. Im internationalen Vergleich ist der Anteil der Sozialhilfebeziehenden und der armen Erwerbstätigen zwar nicht besonders hoch. Aber wir leben in einem Land, in dem sich in den letzten 10 Jahren die Anzahl Personen, die über 10 (…). Hans Baumann.
Work online, 17.8.2018.
Personen > Baumann Hans. Vermögen, Armut. Work online, 2018-08-17.
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