Gewerkschaftschronik
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Anzahl gefundene Artikel: 3065

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17.01.2020 Iran
USA
Personen
Work
Marie-Josée Kuhn
Klimawandel
Krieg
Volltext
Buschbrände und Brandstifter. Das neue Jahr beginnt, wie das alte aufgehört hat: In Australien brennt das Buschland. Seit letztem Oktober frassen die Flammen in Down Under zweieinhalb Mal die Fläche der Schweiz. Und immer noch ist Australiens reaktionärer Premier Scott Morrison Klimaleugner. In bester Gesellschaft übrigens. Auch Bauer Marcel Dettling, der im Rennen ums SVP-Präsidium als Favorit gilt, nimmt das Wetter, wie es kommt: „Egal, ob es zu viel regnet oder zu wenig Schnee hat – immer soll gleich der Klimawandel verantwortlich sein!“ So mault einer (in der NZZ), der schon vor zwei Jahren für Klima-Schlagzeilen sorgte. Weil er sagte, für die Klimaerwärmung sei „eine höhere Macht“ verantwortlich. Glauben versetzt halt Berge. Blöd nur, dass sich diese tatsächlich bewegen: Obenabä! Denn schon droht im Aostatal am Mont-Blanc ein Gletscherabbruch. Das neue Jahr beginnt, wie das alte aufgehört hat. Blondes Gift. Nur einem brennt’s und bröckelt’s auf diesem Planeten noch nicht genug. Dem blonden Gift im Weissen Haus. Deshalb liess Donald Trump schnell einen iranischen General liquidieren. Das ist einmalig in der ganzen gewalttätigen Geschichte der Menschheit. Eine Kriegserklärung ohne Krieg. Die uns an den Rand eines Krieges bringt, wie work-Autor Oliver Fahrni analysiert. Denn: „Soleimanis Liquidierung ist nur die bisher letzte einer langen Reihe von katastrophalen westlichen Interventionen, die ungezählte Kriege und einen scharf radikalisierten politischen Islam hervorgebracht haben.“ Wer aber stoppt Brandstifter Trump? (…).  Work online, 17.1.2020.
Personen > Kuhn Marie-Josée. Iran. USA. Work online, 2020-01-17.
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13.12.2019 Schweiz
Personen
Regierung Schweiz
Work
Marie-Josée Kuhn
Bundesratswahlen
Volltext
Helvetisches Pathos-Theater. Das war wieder mal eine feine Machtdemonstration des Rechtsblocks von GLP über CVP bis FDP/SVP: diese Erneuerungswahl des Bundesrates ohne Erneuerung. Dafür mit umso mehr helvetischem Pathos-Theater vor der Wahl. Selbst die unsichere „geopolitische Lage“ musste herhalten gegen die grüne Sprengkandidatin Regula Rytz (bei FDP-Fraktionschef Beat Walti). Und die Wirtschaftsprognosen, die bedrohlich eindunkeln (bei SVP-Fraktionschef Thomas Aeschi). Geschweige denn unsere Compatriots aus der Schweizer Sonnenstube: Nein, mit der Abwahl des Tessiners Ignazio Cassis könne man diesen armen Grenzkanton jetzt nicht brüskieren! Konkordanz sei schliesslich keine „mathematische Grösse“ (Walti again). Und deshalb zähle im Moment nur eins: Stabilität Stabilität Stabilität (alle im Chor). Denn es brauche einen Bundesrat „wie ein Fels in der Brandung“ (Walti zum dritten). Waltis & Aeschis. Keine Veränderung also, nur schnöder Machterhalt. Dies, obwohl am 20. Oktober Historisches geschah: Noch nie seit 1919 wurde eine Partei so gestärkt wie die Grünen. Ins Bundeshaus getragen von zwei bewegungspolitischen Tsunamis, dem Frauenstreik und der Klimabewegung. Beide ebenfalls historisch: Mehr als eine halbe Million Frauen (und Männer) protestierten am 14. Juni für mehr Frauenpower und weniger toxische Männlichkeit. Und fast 100’000 Menschen machten sich am 22. September für die sofortige Klimawende stark (siehe Work-Jahresrückblick. Ihnen allen und dem Klima haben die Waltis & Aeschis unter der goldenen Bundeshauskuppel nun gezeigt, wie ernst sie sie (…). Marie-Josée Kuhn.
Work online, 13.12.2019.
Personen > Kuhn Marie-Josée. Bundesrtatswahlen 2019. Work online, 2019-12-13.
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13.12.2019 Frankreich
Gewerkschaften
Personen
Work
Oliver Fahrni
Generalstreik
Volltext
Generalstreik in Frankreich: Millionen Menschen gegen Macron. Opposition, Klimajugend, Gewerkschaften und Gelbwesten fordern die Regierung zum grossen Kräftemessen. Dabei geht es um viel mehr als um die Rentenreform. Scheiben splittern, ein Kehrichtcontainer brennt. Zündelt da der schwarze Block, oder sind es die Provokateure des Innenministeriums? Sofort beginnen die Polizisten die riesige Menschenmenge, die bunt und laut vom Pariser Boulevard Magenta Richtung Place de la République strömt, mit Reizgas und Sprenggranaten einzudecken. Es sind weit mehr als 100’000, die allein in Paris gegen die Renten¬reform von Präsident Emmanuel Macron demonstrieren. Der Demo-Ordnungsdienst der Gewerkschaften CGT, FO und Sud hat in Sachen Taktik dazugelernt. Eine fliegende Flasche genügt, und die Polizisten treten eine Gewaltorgie los. Mit Kriegsgerät, das anderswo geächtet ist. In den 18 Monaten seit Macrons Machtübernahme haben sie mehr Munition gegen die eigene Bevölkerung eingesetzt als in den 70 Jahren zuvor, Mai 1968 eingeschlossen. Zuerst, um ein brutales Arbeitsgesetz zu erzwingen. Dann gegen die Eisenbahner und gegen die Schülerinnen. Woche um Woche gegen die Gelbwesten. Oder gegen den 1. Mai. Bilanz: 2 Tote, mehr als 1000 schwer verletzte Demonstrierende. Also plaziert der Demo-Ordnungsdienst diesmal rasch streikende Feuerwehrleute an die Spitze, und die ziehen die Demo aus der Kampfeszone. Furcht vor der Polizei. (…).
Oliver Fahrni.
Work online, 13.12.2019.
Personen > Fahrni Oliver. Frankreich. Gemeralstreik. Work online, 2019-12-13.
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13.12.2019 Österreich
Personen
Work
XXXLutz
Ralph Hug
Arbeitsbedingungen
Volltext
XXXLutz
Jetzt rollt der Skandalkonzern XXXLutz die Schweiz auf: Der Möbel-Rambo. XXXLutz jagt Ikea. Dabei kennt der österreichische Möbelgigant kein Pardon. Die Mitarbeitenden klagen über Lohndrückerei und Brechstangen-Methoden. Zweitausend Arbeitnehmende in der Schweiz müssen sich ab sofort Sorgen machen. Denn sie haben einen neuen Arbeitgeber: den österreichischen Möbelkonzern XXXLutz. Dieser hat vor kurzem Interio von der Migros und Möbel Pfister übernommen. Zwar hiess es, dass alle Angestellten zu denselben Bedingungen weiterbeschäftigt würden. Es gebe keine Entlassungen, Pfister-Angestellte erhielten sogar Abfindungen nach Dienstjahren. Die Jobs würden durch die Übernahme sogar noch gestärkt, behauptete Ex-Nationalrätin Corina Eichenberger (FDP, Aargau), Präsidentin der Möbel-Pfister-Stiftung. Corina Eichenberger müsste es eigentlich besser wissen. Eiskalt abserviert. XXXLutz ist ein Handelskonzern mit Skandalgeschichte. Die Eigentümerfamilie Seifert hat ihn innert weniger Jahrzehnte hochgepusht, von einer kleinen Werkstatt für Bauernmöbel in Oberösterreich zu einem der grössten Möbelhändler der Welt. Heute ist er ein Milliardenkonzern mit über 22‘000 Beschäftigten in 13 Ländern Europas. Besitzer Andreas Seifert (65) kennt nur ein Ziel: Marktleader Ikea überholen. Was dem entgegensteht, wird eiskalt aus dem Weg geräumt. Die grosse deutsche Dienstleistungsgewerkschaft Verdi kann ein Lied davon singen: XXXLutz war in den letzten zehn Jahren neben Amazon ihr härtester Gegner. (…).  Ralph Hug.
Work online, 13.12.2019.
Personen > Hug Ralph. XXXLutz. Arbeitsbedingungen. Work online, 2019-12-13.
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13.12.2019 Schweiz
Personen
Uber
Work
Christian Egg
Lohndumping
Uber
Volltext
Neues Rechtsgutachten im Auftrag der Unia zeigt den grossen Bschiss. Dumping-Taxidienst Uber prellte Fahrer um geschätzte 500 Millionen. Uber-Fahren ist günstig. Aber nur für die Kundschaft. Die Fahrerinnen und Fahrer und die Steuerzahlenden hingegen zahlen drauf. Seit sechs Jahren ist der Dumping-Taxidienst Uber in der Schweiz aktiv. Und seit sechs Jahren weigert sich Uber, seine Fahrerinnen und Fahrer als Angestellte anzuerkennen. Obwohl das die Suva und das Lausanner Arbeitsgericht verlangen. Doch Uber zieht jeden Entscheid weiter und behauptet: Seine Fahrerinnen und Fahrer seien Selbständige. Was das finanziell für alle Beteiligten heisst, zeigt der Basler Rechtsprofessor Kurt Pärli in einem neuen Gutachten im Auftrag der Unia *. Uber spart Millionen… Der grösste Profiteur des Modells Uber ist der US-Konzern selber. Weil er für seine „selbständigen“ Fahrer keine AHV- und IV-Beiträge, keine zweite Säule, keine Arbeitslosenversicherung und keine Unfallversicherung zahlt. Auch keine Spesen für Auto, Benzin und Handy. Und erst noch tiefe Löhne (siehe Tabelle). Eine Schätzung der Unia ergibt, dass Uber seit seinem Markteintritt 2013 die Fahrerinnen und Fahrer in der Schweiz um bis zu eine halbe Milliarde Franken geprellt hat. Für die Fahrerinnen und Fahrer heisst das zwar, dass sie einen grösseren Anteil ihrer Einnahmen bekommen. Doch die Fahrer müssen für Auto, Benzin und Reparaturen selber zahlen. Noch wilder: Wenn sie durch einen Unfall invalid werden, bekommen sie ein Jahr lang keinen Rappen. Und dann gibt’s nur eine IV-Rente aus der ersten, obligatorischen Säule, aber nicht aus der (...). Christian Egg.
Work online, 13.12.2019.
Personen > Egg Christian. Uber. Rechtsgutachten. Work online, 2019-12-13.
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13.12.2019 Schweiz
Personen
Work
Katrin Bärtschi
Briefträgerin
E-Banking
Volltext
Die Briefträgerin & die Bedürfnisse. Neulich auf der Hauptpost musste die Briefträgerin gar nicht lange warten, bis sie an die Reihe kam. Das war ziemlich ungewöhnlich.„Die Post baut nicht ab, sondern um!“ So lautet eine neue Parole des Konzerns. Begründung hier wie bei vielen anderen Gelegenheiten: „Die veränderten Kundenbedürfnisse.“ „Ich bestimme, wo ich meine eingeschriebenen Briefe erhalte.“ Und die Postwerbung zeigt’s: Ein Papi macht sich mit umgehängtem Kind um Mitternacht am MyPost24-Container zu schaffen. Eine Sie und ein Er lesen fröhlich im vom Regen umrauschten Ferienzelt auf dem Handy ihre neusten Rechnungen. „Mit mir macht man es auf dem Sofa“, verkündet Postfinance. Die Briefträgerin spürt nur einen Impuls: Wegschauen! Wie bei der SBB-Werbung mit der ewigjungen alten Schachtel und ihrem Smartphone. Echter Ersatz. Ohne App aufs Sofa. Stimmt, die Briefträgerin hat kein Bedürfnis, auf der Post eine Viertelstunde oder länger zu warten, bis einer der überhaupt geöffneten Schalter frei wird und eine Kollegin sie müde fragt, ob sie kein E-Banking mache, eventuell gar nicht machen wolle? Nein, trotz Wartezeiten will sie weder auf E-Banking umstellen (die Schalterkollegin zwinkert ihr zu), noch betrachtet sie die Postagentur im Quartierladen als echten Ersatz für die offizielle Poststelle. Die Briefträgerin hat auch kein Bedürfnis, sich mit umgehängtem Baby mitten in der Nacht zu MyPost24 zu begeben oder in den Ferien Rechnungen zu studieren. Die Briefträgerin mag es auch nicht mit der App auf dem Sofa machen. Und dass „Empfängerkunden“ (auch hier sind die Frauen vermutlich mitgemeint) (…). Katrin Bärtschi.
Work online, 13.12.2019.
Personen > Baertschi Katrin. Brieftraegerin. E-Banking. Work online, 2019-12-13.
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13.12.2019 Bellinzona
Industriewerke Bellinzon
Personen
Work
Ralph Hug
Industriewerk Bellinzona
Streik
Volltext
Neue Studie zeigt: Darum war der Arbeitskampf um die SBB-Werkstätten in Bellinzona ein historischer Erfolg. Sogar der heilige Giuseppe streikte. Ein legendärer Streik verhinderte die geplante Schliessung der SBB-Werkstätten (Officine) in Bellinzona. Das war vor gut 10 Jahren. Jetzt zeigt eine Studie die Gründe für diesen Riesenerfolg. März 2008, Bellinzona TI: Büezer in der SBB-Werkstatt beginnen zu streiken. Und verhindern so die geplante Schliessung der SBB-Werkstätten. Es war einer der grössten Streiks der jüngeren Geschichte. Was war der Schlüssel zum Erfolg? Es war die konsequente Politisierung ihres Kampfs. Das sagt jetzt eine aufschlussreiche Studie *. Sie stammt von Forschern der linken Tessiner Stiftung Pellegrini Canevascini. Sie haben die umfangreiche Dokumentensammlung zu diesem Streik ausgewertet. Die Belegschaft war zum Kampf entschlossen. Denn alle wussten: Jobs sind im Tessin dünn gesät. Wer arbeitslos wird, hat es schwer. Die Gegnerin war die SBB-Spitze in Bern. Manager um Chef Andreas Meyer, die weit weg von den Realitäten der Südschweiz eine verkorkste Reform des Güterverkehrs durchziehen wollten. Sie merkten nicht, dass die Werkstätten zur industriellen DNA des Tessins gehören. Kaum eine Familie im Kanton ohne Angehörige, die nicht in den Officine gearbeitet hatten. Deshalb empfanden breite Kreise die Schliessung als Affront. Dies einte alle Mitarbeitenden im Betrieb – vom Mechaniker bis zur Ingenieurin. Doch es brauchte auch ein kluges Streikkomitee.(…). Ralph Hug.
Work online, 13.12.2019.
Personen > Hug Ralph. Industriewerke Bellinzona. Work online, 2019-12-13.
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29.11.2019 Schweiz
Fichenaffäre
Personen
Work
Bruno Bollinger
Jonas Komposch
Fichenaffäre
Volltext
Schnüffelstaat: Vor 30 Jahren flog der Fichen-Skandal auf. Im Visier der Schnüffler. Von der heimlichfeissen Massenüberwachung im Kalten Krieg waren auch Tausende Gewerkschaftsmitglieder betroffen. Ganz besonders auch Migranten und Migrantinnen. Zwei Drittel aller Fichen betreffen sie. Die Schnüffler waren auch sehr interessiert an den teils pointiert linken Verbänden, die heute in der Unia aufgegangen sind. Vier bespitzelte Gewerkschaftsgrössen gaben Work Einblick in ihre Fichen. Bruno Bollinger (66): Der Maiblitzer. Als „unmenschliche Ausbeuter“ habe er die Arbeitgeber beschimpft und „zum Kampf gegen die Kapitalisten“ aufgerufen. So rapportiert es Ende Oktober 1975 ein Spitzel der Zuger Kantonspolizei an die Schweizerische Bundesanwaltschaft in Bern. Das beschert dem 22jährigen Bruno Bollinger einen weiteren Ficheneintrag. Brandgefährlich. Bollingers Dossier ist ziemlich dick. Denn bereits als Lehrling fällt er der Polizei als „Führungsstabsmitglied“ der „linksextremen“ Jugendgruppe Maiblitzer auf, ausserdem als „Kommunenbewohner“. Und nun agitiert der Elek¬tro-Eicher nicht nur als SMUV-Gewerkschafter, sondern – und das macht ihn in den Augen der Staatsschützer brandgefährlich – auch als Mitglied der trotzkistischen Revolutionären Marxistischen Liga. Der Beobachtete macht aber nichts Illegales, sondern verteilt fleissig Flugblätter, organisiert Versammlungen und kandidiert schliesslich als junger Linker für den Nationalrat. Es ist eine Kampfkandidatur. Sein Gegenspieler von der FDP ist ausgerechnet sein ,(…). Jonas Komposch.
Work online, 29.11.2019.
Personen > Komposch Jonas. Fichenaffaere. Work online, 2019-11-29.
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29.11.2019 Schweiz
Personen
Work
Katrin Bärtschi
Briefträgerin
Namensänderung
Volltext
Die Briefträgerin & die Heiraterei. Heiraten ist wieder Mode. Bei gleichzeitig steigenden Scheidungsraten. Das sagt die Statistik. Und das weiss auch die Briefträgerin. Nicht nur wegen diverser Hochzeits-Eventmanagementfirmen auf ihren Touren, die in letzter Zeit neu erstanden und mehrheitlich den Schirm, kaum geöffnet, wieder zumachten. Auf Scheidungen weisen der Nachsendeauftrag nur einer Person des Haushalts oder Post vom Zivilgericht hin. Neukreation. Für Eheschliessungen gibt es mehr Hinweise: Kartenanschrift „an das Brautpaar“, selbstkreierte Webstamps mit den Konterfeis strahlender Brautleute – und die elenden Namensänderungen. Nach von der Briefträgerin geschätzten 97 Prozent der Eheschliessungen trägt die Frau einen neuen Namen. Den Namen des Mannes. Egal, durch welches Quartier die Tour führt, überall dasselbe Bild. Das Eherecht von 2013 schliesst Doppelnamen aus, ermöglicht aber den Heiratenden die Beibehaltung ihres je ursprünglichen Namens (bei gleichzeitiger Bestimmung des Familiennamens der Kinder) oder die Neukreation einer Kombination beider Ursprungsnamen. Ein Schritt in Richtung Selbstbestimmung und Gleichberechtigung der Frauen könnte dieses neue Eherecht sein. Die Wirklichkeit sieht anders aus. Nicht nur übernehmen in so gut wie allen Fällen die Frauen den Männernamen, ihr bisheriger Name verschwindet auch vom Briefkasten. Retournieren. (…).  Katrin Bärtschi.
Work online, 29.11.2019.
Personen > Baertschi Katrin. Brieftraegerin. Namensaenderungen. Work online, 2019-11-29.
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29.11.2019 EU
Personen
Work
Andreas Rieger
Flankiierende Massnahmen
Volltext
Rahmenabkommen EU-Schweiz: Die Turbos begreifen’s nicht Kaum waren die Wahlen vorbei, drängten sie wieder, die Rahmenabkommen-Turbos: Der Vertrag zwischen der Schweiz und der EU müsse schnell abgeschlossen werden, fordern sie. Ausgehandelt hatte diesen vor mehr als einem Jahr Bundesrat Ignazio Cassis. Er gab dabei unter anderem den Lohnschutz zum Abbau frei – entgegen der Position des Bundesrates. Doch die Gewerkschaften wehrten sich gegen diesen miesen Deal und werden seither als „Verhinderer“, „ewige Blockierer“ beschimpft. Cassis wird unterstützt vom Wirtschaftsdachverband Economiesuisse, von Politikerinnen und Politikern vieler Couleur und von den vielen Meinungsmachern in den Medien. Seit einem Jahr wiederholen sie mantramässig: Der Rahmenvertrag, der auf dem Tisch liege, sei der bestmögliche. Die EU werde ihn nicht nachverhandeln. Würden wir nicht schnell unterschreiben, beschliesse die EU weitere Strafmassnahmen gegen die Schweiz. Das sind falsche Behauptungen. Hiesige Turbos. Auch gegenüber der britischen Regierung sagte die EU immer, Nachverhandlungen gebe es nicht. Jetzt hat sie doch nachverhandelt. Zudem hat in Brüssel bezüglich der Schweiz ein Umdenken begonnen. Langsam versteht man dort, was die hiesigen Turbos nicht kapieren: dass wir in der Schweiz zuerst die gefährliche Schwexit-Initiative der SVP versenken müssen, die im Mai 2020 vors Volk kommt. Denn sie verlangt den Ausstieg der Schweiz aus der Personenfreizügigkeit und damit aus (…). Andreas Rieger
Work online, 29.11.2019.
Personen > Rieger Andreas, EU. Flanklierende Massnahmen. Work online, 2019-11-29.
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29.11.2019 Schweiz
Frauen
Personen
Work
Marie-Josée Kuhn
Frauen
Volltext
Wahlen
Zum ersten Mal. Die Greta-Wahlen haben uns Frauen ganz schön viele Zum-ersten-Mal-Erlebnisse beschert: Zum ersten Mal haben wir im Nationalrat 84 von 200 Sitzen. Und 12 Ständerätinnen, davon 11 neue. Zum ersten Mal schicken sieben Kantone eine Frau nach Bundesbern. Obwalden und Zug hatten dort überhaupt noch nie eine. Baselland, Freiburg, Tessin, Wallis und Uri noch nie eine Ständerätin. Das ändert sich jetzt schlagartig. Dank der Schubkraft des Frauenstreiks. Mehr noch: Zum ersten Mal sind die Frauen in den Bundeshausfraktionen der Grünen und der SP in der Mehrheit. Und selbst die grösste Macho-Partei hat neuerdings einen Frauenanteil von 24 Prozent in ihrer Fraktion. Wiewohl die SVP im Stöckli zu 100 Prozent testosterongesteuert bleibt. Der Cassis-Angriff ist politologisch. Grüne Bundesrätin. So viele „zum ersten Mal“ – und das im Jahr 2019! Nicht grad ein Pionierdatum für etwas, das selbstverständlich sein sollte: für die politische Gleichstellung der Frau. Fortschrittliche Frauen fordern diese schon seit mehr als 100 Jahren. Doch das Frauenstimmrecht kam erst 1971 in die Schweiz. Und mit ihm betraten erstmals elf Nationalrätinnen und eine Ständerätin das Bundeshaus. Erst 1974 kam die erste Bundesrichterin (Margrith Bigler-Eggenberger). Erst 1977 kam die erste Nationalratspräsidentin (Elisabeth Blunschy, CVP). Erst 1983 kam die erste Regierungsrätin (Hedi Lang in Zürich, SP). Erst 1984 kam die erste Bundesrätin (Elisabeth Kopp, FDP). Erst 1987 kam die erste Bundeshaus- (…).  Marie-Josée Kuhn.
Work online, 29.11.2019.
Personen > Kuhn Marie-Josée. Nationalratswahlen. Work online, 2019-11-29.
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28.11.2019 Spanien
Frauen
Personen
Work
Ralph Hug
Fussball
Volltext
Spanische Profi-Fussballerinnen streiken erfolgreich - 1: 0 für die „Futbolistas“. Grosse Leistung, miese Löhne: Weltweit haben die Top-Kickerinnen die Nase voll vom Mauerblümchendasein. Nicht nur in Spanien verlangen sie endlich Gleichstellung am Ball. Im Sportzentrum Dani Jarque in Barcelona hätten kürzlich die Frauenteams von Espanyol und Granadilla de Tenerife gegeneinander antreten sollen. Doch das Stadion blieb leer. Auch in Valencia fiel der Match aus, die Teams von Levante und Sporting de Huelva blieben zu Hause. Der Grund: Streik. Spaniens Fussballfrauen haben das Mauerblümchendasein satt. Sie wollen endlich anständig bezahlt werden: „Huelga por la igualdad!“ (Streik für die Gleichheit). Die aufmüpfigen Sportlerinnen fanden Support bei einem der berühmtesten Kicker der Welt. Antoine Griezmann, Franzose im Dienst des FC Barcelona, twitterte: „Habt Mut, Compañeras!“ Frauenfussball im Aufwind. Der Streik hat sich gelohnt, die „Futbolistas“ haben ihr Ziel erreicht. Und zwar in nur zwei Tagen. Jetzt erhalten Spaniens Top-Fussballerinnen Ganztagesverträge und einen Mindestlohn von 16 000 Euro pro Jahr. Genau das, was sie gefordert hatten. Ihre Arbeitgeberin, die spanische Clubvereinigung, hatte sich mehr als ein Jahr lang dagegen gesperrt. Aus finan¬ziellen Gründen. Kleinere Clubs würden pleitegehen, behaupteten sie. Bisher speisten sie die Fussballerinnen mit Halbtagesverträgen und einem mickrigen Mindestlohn von 8‘000 Euro ab, währen ihre männlichen Kollegen im Durchschnitt 155’000 Euro pro Jahr verdienen. (…).  Ralph Hug.
Work online, 28.11.2019.
Personen > Hug Ralph. Spanien. Frauenfussball. Work online, 2019-11-28.
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15.11.2019 Spanien
Gewerkschaften
Personen
Podemos
Work
Andreas Rieger
Gewerkschaftspolitik
Volltext
Spanien: Russisch Roulette. Die spanische Linke bot in den letzten Monaten ein Trauerspiel. Zwischen den Sozialisten und der linkeren Podemos gab es ein monatelanges Gezerre um Pöstchen und Positionen. Die Chefs, Pedro Sánchez und Pablo Iglesias, benahmen sich wie Hund und Katz. So peinlich, dass die Gewerkschaften beide Parteien auffordern mussten, endlich einen Pakt zu schliessen und die Probleme der Arbeitenden und Pensionierten anzupacken. Denn das erwarte auch ihre Wählerbasis. Aber vergebens: Sánchez rief stattdessen Neuwahlen aus, in der Hoffnung obenauszuschwingen. Da lupfte es Gewerkschaftsführer Unai Sordo von Comisiones Obreras den Hut. Das Vorgehen sei „unverantwortlich“ und die Neuwahlen „Russisch Roulette“. Er befürchtete, dass viele Wählerinnen und Wähler der Linken angewidert von diesen Politspielchen zu Hause bleiben würden. Das ist jetzt prompt geschehen. Sozialisten und Podemos haben mehrere Parlamentssitze verloren. Stark dazugewonnen haben dafür die Rechtsextremen. Immerhin bringt die Rechte im Parlament erneut keine Mehrheit zusammen, das gibt den Linken eine zweite Chance. Doch noch Hoffnung? In dieser Situation fordert die Gewerkschaft Comisiones Obreras erneut eine Regierung mit einer „sozialen Agenda“. Statt einer „Politik der kleinen Schrittchen“ brauche es richtige Reformen. Beim Arbeitsgesetz, bei den Renten, beim ökologischen Umbau. Und siehe da: Was Sánchez und Iglesias während Monaten nicht schafften, schafften sie jetzt in zwei Tagen: den Entwurf für ein gemeinsames Programm und eine gemeinsame Regierung. (…).  Andreas Rieger.
Work online, 15.11.2019.
Personen > Rieger Andreas. Spanien. Gewerkschaften. Work online, 2019-11-15.
15.11.2019 Schweiz
Personen
Post
Work
Katrin Bärtschi
Briefträgerin
Informatik
Volltext
Die Briefträgerin & die Systembefriedigung. Es gibt solche Fehler und solche. Neulich war hier von Zustellfehlern die Rede. Diesmal ist die Angelegenheit komplexer, um nicht zu sagen unüberschaubar. Unabdingbar gewordenes Attribut der Zustellenden ist der Scanner. Ein tönender Schuss¬apparat. Der Scanner piepst. Oder schreit. Je nach Hörart. Schon wieder ein Fehlerpunkt für die Teamstatistik. Der Scanner enthält alle eingeschriebenen Sendungen eines Arbeitstages. Wenn nicht schon von den Sortiermaschinen in den grossen Sortierzentren, durch die jede „maschinenfähige“ Sendung läuft, werden die Barcodesendungen von den Briefträgerinnen und -trägern eingescannt. Mit dem Scanner wird jeder -Zustellschritt bestätigt und quittiert. Der Scanner weiss fast ¬alles. Er weiss vieles, was die Briefträgerin nicht weiss, nicht wissen kann, weil es hinter Algorithmen in der virtuellen Unsichtbarkeit versteckt ist. Der Scanner registriert und rapportiert. Vorausgesetzt, er funktioniert. Er liefert auch die Grundlagen für die regelmässig vom System ausgespuckten Fehlerlisten: falsch gescannte Sendungen, ungenügend eingescannte Nachsendungen und so weiter. Die Fehler lassen sich den Touren zuordnen und diese wiederum der Person, die sie am betreffenden Tag lief. Ein kurioser Schwank aus dem Alltag: Im Adressmanagement Post (AMP) sind alle Zustelladressen der Schweiz erfasst. Mittels Scanner sind sie à jour zu halten. Nun weiss die Briefträgerin: Herr Müller ist weggezogen, ohne Hinterlassen einer Nachsendeadresse. Der Briefkasten trägt nicht mehr seinen Namen, sondern einen (…).  Katrin Bärtschi.
Work online, 15.11.2019.
Personen > Baertschi Katrin. Brieftraegerin. Datenverarbeitung. Work online, 2019-11-15.
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15.11.2019 Muttenz
MS Direct AG
Personen
Work
Christian Egg
Arbeitsbedingungen
MS Direct AG
Volltext
Ex-Mitarbeitende der Firma MS Direct packen aus: Schimmel, Schikane und schäbige Löhne. Die Skandalfirma MS Direct betreibt für Coop ein Callcenter in Muttenz BL. Dort herrschen gruusige Zustände – aber die Chefin garniert ein Traumsalär. „Der Job ist in Ordnung“, dachte Flavia Ripa zuerst. Vor knapp zwei Jahren fing die heute 24jährige Baselbieterin bei der Firma MS Direct an. Die betreibt in Muttenz BL ein Callcenter im Auftrag von Coop. Ob Fragen zur -Supercard oder Adressänderungen für die Coop-Zeitung: Kundendienstanfragen des Detailhändlers, ob per Telefon oder Mail, landen in Muttenz. Zwischen 60 und 90 Mitarbeitende kümmern sich darum. Bereits letztes Jahr hatte Work über Missstände in einem MS-Direct-Callcenter berichtet. Der Artikel schlug ein. Nicht weniger als neun MS-Direct-Geschädigte kommentierten auf der Work-Website. Work hat sie alle kontaktiert. Im Gespräch sagt Ripa, ihr Stundenlohn habe 24 Franken betragen. Zuerst konnte sie hundert Prozent arbeiten und kam so auf 4‘300 bis 4‘500 Franken im Monat. Aber plötzlich war Schluss damit. „Immer wieder schickte mich der Chef nach einer halben Stunde schon heim, es gebe zu wenig Arbeit.“ Von einem Monat auf den anderen sank ihr Monatslohn auf 2‘800, später sogar auf 1‘700 Franken. Davon konnte sie nicht leben. Und sie fühlte sich unfair behandelt: „Es waren immer die gleichen fünf oder sechs, die heimgeschickt wurden. Andere hätten gerne einen freien Nachmittag gehabt, mussten aber bleiben.“ Als sie den Chef darauf ansprach, schrie er sie an. Arbeit nur noch auf Abruf.  (…).  Christian Egg.
Work online, 15.11.2019.
Personen > Egg Christian. MS Direct. Arbeitsbedingungen. Work online, 2019-11-15.
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15.11.2019 Schweiz
Nestlé
Personen
Work
Jean Ziegler
Privatisierung
Volltext
Wasser
Übernimmt Nestlé jetzt die Entwicklungspolitik? Der langjährige Nestlé-Präsident Peter Brabeck ist ein kluger und zudem recht sympathischer Mensch. Aber er bleibt ein beinharter Kapitalist. Seit Jahren führen er und sein Konzern einen millionenschweren Kreuzzug für die Privatisierung des Trinkwassers. Brabecks Argument: „Trinkwasser wird immer knapper. Deshalb muss sein Verbrauch eingeschränkt werden. Das kann nur gelingen, wenn das Trinkwasser einen Preis erhält. Wer Trinkwasser täglich kaufen muss, wird automatisch auf den Verbrauch achten.“ Mörderische Wasserprivatisierung. In einem Punkt hat Brabeck recht: Trinkwasser ist ein immer wertvoller werdendes Gut. Jeder dritte Mensch auf Erden ist schon heute gezwungen, verschmutztes Wasser zu trinken. Mit schlimmen Folgen: Mehr als 9‘000 Kinder unter zehn Jahren sterben pro Tag an unsauberem Trinkwasser und den dadurch verursachten Krankheiten. In verdrecktem Wasser verbreiten sich auch die Erreger der Cholera, die jetzt gerade in Jemen, im Südsudan und in Somalia wüteten. Der Uno-Menschenrechtsrat sagt, dass der Zugang zu sauberem Trinkwasser ein universelles, nicht verhandelbares Menschenrecht sei. Seinen Gebrauch von der Kaufkraft abhängig zu machen ist eine mörderische Strategie. Der Kampf zwischen den Wasserkonzernen und den Menschenrechtsaktivistinnen und -aktivisten ist hart. Denn immer wieder verkaufen hochverschuldete Städte und Dörfer in Entwicklungsländern ihre Brunnen und Reservoire, ihre verrosteten Wasserleitungen und Kläranlagen beispielsweise an Nestlé, Bechtel oder Indosuez. Diese (…).  Jean Ziegler.
Work online, 15.11.2019.
Personen > Ziegler Jean. Nestle. DEZA. Work online, 2019-11-15.
Ganzer Text
15.11.2019 Schweiz
Personen
Work
Marie-Josée Kuhn
Fichen-Affäre
Staatsschutz
Volltext
Wenn Mauern fallen. Selbst Max Frisch hatten die Schlapphüte von der Schnüffelpolizei im Visier. Überwachen den Schriftsteller und notieren fleissig: wohin er reist, mit wem er verkehrt, was er unterschreibt und: dass sich seine Tochter „im Kreise der ‹Progressiven Mittelschüler CH›“ tummelt. Selbst im grossen Frisch, diesem Patrioten und Demokraten, sieht der Schweizer Staatsschutz einen Staatsfeind. Es herrscht der Kalte Krieg. Und ätzender Antikommunismus. Auf dem rechten Auge blind, fichieren die Schnüffler blindwütig vor allem Linke, Gewerkschafterinnen, Journalisten, soziale Bewegungen und Menschenrechtsorganisationen wie Amnesty International. Ein Drittel aller in der Schweiz lebenden Ausländerinnen und Ausländer sind erfasst, als der Fichenskandal 1989 auffliegt. Eine parlamentarische Untersuchungskommission war bei ihrer Arbeit auf ein bisher geheimes politisches Überwachungssystem bei der Bundesanwaltschaft gestossen. Diese hat Fichen von 900’000 Menschen angelegt. Die Schweiz erbebt im Schock. Und der 78jährige Frisch ist so was von stinksauer. Mit Schere und Leim macht er sich mehr als ein Jahr danach über seine Staatschutzakte her. Zerschneidet dieses „Dokument der Ignoranz, der Borniertheit, der Provinzialitä“, klebt die Schnipsel auf ein neues Blatt und kommentiert sie hämisch bis harsch. Mit diesem „verluderten“ Überwachungsstaat verbinde ihn nichts mehr ausser dem Reisepass „den er nicht mehr brauchen werde“, tippt er wütend in die Tasten. Drei Wochen später ist er tot. (…).
Marie-Josée Kuhn.
Work online, 15.11.2019.
Personen > Kuhn Marie-Josée. Fichenskandal. Work online, 2019-11-15.
Ganzer Text
15.11.2019 Schweiz
Personen
Staatsschutz
Work
Hans-Ulrich Jost
Fichenaffäre
Staatschutz
Volltext
Nach dem Berliner Mauerfall fielen auch in der Schweiz die Mauern. 1989 verlor die Schweiz ihre Unschuld. Am Anfang stand ein Telefonanruf einer Bundesrätin an ihren Ehemann, am Ende die helvetische Götterdämmerung: Was alles vor 30 Jahren geschah, ist unglaublich! 1989, als die Berliner Mauer fiel und das Sowjetimperium sich aufzulösen begann, erlebte die Schweiz heftige politische Erschütterungen. Die traditionelle politische Kultur fiel in sich zusammen. Am Anfang steht ihr Telefonanruf, am Ende ihr Rücktritt: FDP-Bundesrätin Elisabeth Kopp, die erste Frau im Bundesrat, muss gehen. Sie hat vertrauliche Informationen der Bundesanwaltschaft an ihren Ehemann, den Wirtschaftsanwalt Hans W. Kopp, übermittelt. Es geht um Geldwäscherei einer Firma, in deren Verwaltungsrat Kopp sitzt. Die Vorstellung, ein Mitglied der Regierung sei durch ihren Ehemann in suspekte Wirtschaftsoperationen verwickelt, bringt Bewegung in die Politik. Doch der Kopp-Rücktritt ist nur ein Miniskandal, verglichen mit der politischen Krise, die ihm auf dem Fuss folgt: die Fichenaffäre. Um den Fall Kopp aufzuarbeiten, setzen National- und Ständerat eine parlamentarische Untersuchungskommission (PUK) ein. Geleitet wird diese von SP-Nationalrat Moritz Leuenberger, dem späteren Bundesrat. Und sie stösst bei ihrer Arbeit auf ein bisher geheimes politisches Überwachungssystem bei der Bundesanwaltschaft. Auf die Schnüffelpolizei. Sie hat fast eine Million Menschen bespitzelt und in Fichen registriert. Am 22. November 1989, 13 Tage nach der Öffnung der Berliner Mauer, übergibt die PUK ihren Fichenstaat-Bericht der (…).  Hans Ulrich Jost.
Work online, 15.11.2019.
Personen > Jost Hans-Ulrich. Fichenaffaere. Staatsschutz. Work online, 2019-11-15.
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15.11.2019 Schweiz
Personen
SGB
Work
Marie-Josée Kuhn
Pierre-Yves Maillard
Interview
SGB
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Sechs Monate SGB-Chef Pierre-Yves Maillard: Eine Zwischenbilanz . „Wir können nach dem Frauenstreik doch nicht mit Frauenrentenalter 65 kommen!“ Die Überbrückungsrente für Ausgesteuerte angestossen, den BVG-Kompromiss aufgegleist und ein Treffen mit dem Obergegner des Schweizer Lohnschutzes organisiert: Das und mehr hat SGB-Präsident Pierre-Yves Maillard schon vorzuweisen. Work: Pierre-Yves Maillard, wie gefällt Ihnen Ihr Job als SGB-Chef? Pierre-Yves Maillard: Am Anfang musste ich mich, ich gestehe es, ein wenig daran gewöhnen, dass ich jetzt nicht mehr im Zehnminutentakt Entscheide fällen muss. So wie vorher als Regierungsrat. Entscheidungen beim SGB treffen wir gemeinsam, nach intensiven Diskussionen. Das bedeutet, ich habe jetzt weniger Stress als vorher und mehr Zeit für Gespräche. Ich reise viel an Delegiertenversammlungen der lokalen Sektionen, und wir haben auch die Kontakte mit den europäischen Gewerkschaften intensiviert. Jetzt komme ich grad aus Paris, wo wir bei CGT, CFDT und FO waren. Es ist eine spannende Arbeit. Sie werden auch Zeit brauchen für Ihr Nationalratsmandat. Im Kanton Waadt haben Sie das beste Resultat gemacht, vor allen Bürgerlichen. Warum sind Sie so beliebt? Es stimmt eben nicht, was gewisse Medien nach den Wahlen behauptet haben, dass Gewerkschafter unpopulär seien! Ich habe sicher auch deshalb so gut abgeschnitten, weil ich fünfzehn Jahre lang Waadtländer Gesundheits- und Sozialminister war und unter mir die Krankenkassenprämien für 100‘ 000 Leute sanken, weil wir die Prämienverbilligung erhöhten. Der Kanton Waadt ist (…). Marie-Josée Kuhn.
Work online, 15.11.2019.
Personen > Kuhn Marie-Josée. Maillard Pierre Yvest. Interview. Work online, 2019-11-15.
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15.11.2019 Schweiz
Personen
SRI AG
Work
Jonas Komposch
Entlassungen
SRI AG
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Wirre Kampfansage gegen die Unia hat fatale Folgen: Ein Big Boss fliegt auf. Erst gab’s keine Löhne mehr, dann kündigte die SRI Baumanagement AG der ganzen Belegschaft. Der Verantwortliche führt ein Leben in Saus und Braus. Und versteckt sich hinter einem höchst obskuren Firmengeflecht. Es war ein sehr sonderbares Mail, das am 9. Oktober bei der Unia-Zentrale in Bern eintraf. Da war die Rede vom St. Galler Unia-Sekretär Lukas Auer, der angeblich in „feindlicher“ Art und mit „auffallender Ausdrucksweise“ eine Gruppe „Querulanten aufhetzen“ wolle. Und zwar gegen einen namentlich nicht erwähnten Aktionär der SRI Baumanagement AG. Gegen ihn habe Auer nicht nur eine mediale Hetzkampagne geplant, sondern auch einen „Aufmarsch mit Kameras und Schildern“, direkt vor seinem Haus. Was ist los im wilden Osten? Der Unia-Bausektor klärte sofort ab. Und kam zum Fazit: Nichts von dem stimmte. Doch das Interesse war geweckt. Umso mehr, weil das Mail mit einem dreisten Ultimatum endete: Die angebliche Kampagne sei „sofort zu stoppen“. Und falls die Gewerkschaftszentrale dies nicht bis 14 Uhr bestätige, werde die Polizei gerufen. So polterte ein bis dato unbekannter Thurgauer Treuhänder, der einen heiklen Auftrag gefasst hatte. Der Treuhänder bereitet nämlich die Nachlassstundung für die SRI vor. Eine Firma, die noch bis vor einem Jahr gutes Geld mit Renovationen und Totalsanierungen verdient und schweizweit rund 30 Mitarbeitende beschäftigt hatte. Doch am 27. August wandte sich die Geschäftsleitung per Mail an die Mitarbeitenden: Man müsse die Firma leider „herunterfahren“ und sich von (…).  Jonas Komposch.
Work online, 15.11.2019.
Personen > Komposch Jonas. SRI Baumanagement AG. Loehne. Work online, 2019-11-15.
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15.11.2019 Schweiz
Pensionskasse
Personen
Work
Ralph Hug
Pensionskassen
Rente
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Gewerkschaftsbund präsentiert schockierende Zahlen: BVG-Hungerrenten für Frauen mit Tieflohnjobs. Dass sie tief sind, wusste man. Aber dass sie derart tief sind, ist skandalös: Frauen in Tieflohnbranchen erhalten von der Pensionskasse nur 500 bis 800 Franken. Der Gewerkschaftsbund (SGB) wollte es genau wissen: Er nahm mehr als ein Dutzend Geschäftsberichte von Pensionskassen unter die Lupe. Aber nicht irgendwelche, sondern solche aus Tieflohnbranchen: Gastro, Detailhandel, Coiffure und ¬Kosmetik. In diesen Berufen sind die Löhne tief und der Frauenanteil hoch. Wie sehen dort die BVG-Renten aus? Gewerkschaftsbund-Zentralsekretärin Gabriela Medici sagt zu Work: „Wir wussten, dass sie tief sind. Aber so extrem haben wir das nicht erwartet.“ Zahlen, die schockieren: Bei Gastrosocial, der Pensionskasse des ehemaligen Wirteverbands und der Hotellerie, beträgt die ausbezahlte Durchschnittsrente 603 Franken pro Monat. Die Kasse zählt 160’000 Versicherte. Noch tiefer liegt die Durchschnittsrente bei der BVG-Stiftung der SV Group: nur 505 Franken. Die Gruppe betreibt Kantinen, Mensen und Mitarbeiterrestaurants. 802 Franken beträgt die Durchschnittsrente in der Pensionskasse der Coiffeur- und der Kosmetikbranche. Riesige Kluft. Im Vergleich dazu liegen die Renten im Verkauf höher, etwa bei Coop oder Manor (siehe Grafik). Aber auch dies sind extreme Tiefrenten. Da es sich um Durchschnittszahlen handelt, die nicht zwischen Geschlecht unterscheiden, kommen die Frauen in Tat und Wahrheit noch schlechter weg, denn in der Regel verdienen sie weniger als Männer. Die riesige Kluft zeigt sich  (…).  Ralph Hug.  Work online, 15.11.2019.
Personen > Hug Ralph. Pensionskassen. Renten. Work online, 2019-11-15.
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15.11.2019 Schweiz
Personen
Work
Patricia D Incau
Kündigungsschutz
Schwangerschaft
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Lydia Veyard* wird Mutter und dann entlassen. Doch sie wehrt sich: „Der Chef soll damit nicht einfach durchkommen“. Nach der Geburt ihres Kindes will Lydia Veyard (37) wieder Vollzeit arbeiten. Doch dann stellt der Chef sie auf die Strasse – und treibt die junge Familie fast in den Ruin. Als Lydia Veyard die Kündigung bekommt, ist sie mit ihrem kleinen Sohn auf einem Spaziergang. Es ist der letzte Tag ihres Mutterschaftsurlaubs. Ihr Chef erklärt ihr: Das Unternehmen sei in einer Schieflage, er müsse sie entlassen. Ein riesiger Schock. Heute sagt Veyard: „Ich war einfach fassungslos.“ Vor der Geburt sei ihr zugesichert worden, dass sie Vollzeit zurückkommen könne. Stattdessen wird ihr gekündigt, ihre Mutterschaftsvertretung kann aber bleiben.Noch am gleichen Tag fängt die junge Mutter an, Bewerbungen zu schreiben. Sie hat Angst. Denn sie ist Alleinverdienerin. „An meinem Einkommen hängt unsere ganze Existenz“ Doch dann zeigt sich, dass Veyards Chef einen Fehler gemacht hat. Er hätte sie nicht entlassen dürfen. Für Mütter gilt nämlich ein absoluter Kündigungsschutz bis 16 Wochen nach der Geburt. Veyards Entlassung ist damit ungültig. Das verschafft ihr zwar etwas Zeit, ihre Notlage lässt den Chef aber weiter kalt: Zwei Wochen nach der ersten Kündigung schickt er die zweite. Dieses Mal ist sie gültig. Als Veyard zurück in die Firma kommt, hat sie keinen eigenen Arbeitsplatz mehr. Ihr Pult ist bereits neu belegt. Und auch zu Sitzungen wird sie nicht mehr eingeladen. Als die Firma dann noch das Personal aufstockt, ist für Veyard klar: Ihr wurde nicht aus finanziellen Gründen gekündigt. Sondern weil (...). Patricia D'Incau.
Work online, 15.11.2019.
Personen > D’Incau Patricia. Kuendigungsschutz. Schwangerschaft. Work online, 2019-11-15.
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15.11.2019 Schweiz
Personen
Work
Patricia D Incau
Verdingkinder
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Administrativ Versorgte. Ein bisschen Gerechtigkeit. Mit einem Solidaritätsbeitrag sollten ehemals administrativ Versorgte entschädigt werden - und verloren stattdessen Rentenleistungen. Dass soll sich jetzt ändern. Am 20. Dezember 2019 wird das eidgenössische Parlament endlich einen fatalen Fehler korrigieren, den es vor über zwei Jahren begangen hat. Es geht um den Solidaritätsbeitrag für ehemals administrativ Versorgte, Heim- und Verdingkinder. Sie konnten bis letztes Jahr einen Solidaritätsbeitrag von 25‘000 Franken beantragen. Als Wiedergutmachung für das unsägliche Leid, das die Behörden und Ämter ihnen bis Anfang der 1980er Jahre angetan haben (Work berichtete: rebrand.lyjversorgte.) Das Parlament hat 2017 den gesetzlichen Weg für diese Wiedergutmachung geebnet. Aber es den Behörden gleichzeitig ermöglicht, von den Betroffenen einen Teil der Entschädigung direkt wieder einzukassieren. Neue Schikane. Widerfahren ist das etwa der 89jährigen Lily M., wie der „Kassensturz“ auf SRF Ende August berichtete. Als Kind wurde M. als Halbwaise aus der Familie gerissen und landete bei einem prügelnden Laienpfarrer. Davon, wie es ihr dort erging, wollte kein Amt etwas wissen. M. wurde versorgt - und vergessen. Heute lebt M. von einer kleinen AHV und von Ergänzungsleistungen (EL). Doch kurz nachdem sie den Solidaritätsbeitrag erhält, verlangt die EL-Kasse über 2‘700 Franken zurück. Und die Leistungen werden gekürzt: um die Hälfte auf 220 Franken pro Monat. Das Problem: Laut Gesetz wird der Solidaritätsbeitrag dem Vermögen angerechnet. Wer sich - trotz allem - in der Vergangenheit (…). Patricia D’Incau.
Work online, 15.11.2019.
Personen > D’Incau Patricia. Administrativ Versorgte. Work online, 2019-11-15.
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01.11.2019 EU
Personen
Work
Andreas Rieger
Flankiierende Massnahmen
Lohndumping
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Schweizer Lohnschutz: FAZ-Folter. Für die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ (FAZ) sind die flankierenden Massnahmen (FlaM) der Schweiz „Folterinstrumente“. Was treibt das sonst staubtrockene Sprachrohr der deutschen Wirtschaft bloss zu diesem Wahnsinnsvergleich? Wer wird da laut FAZ eigentlich mit Elektroschocks und heissen Nadeln gefoltert? Es sind die süddeutschen Unternehmer, die in der Schweiz mit entsandten Arbeiterinnen und Arbeitern Aufträge ausführen wollen. Dafür müssen sie eine Kaution hinterlegen – wie Millionen Mieterinnen und Mieter auch. In Deutschland genauso wie in der Schweiz. Die Firmen müssen den Einsatz auch 8 Tage im voraus einplanen und anmelden. Und das soll unzumutbar sein, um mit einem Trupp von durchschnittlich fünf Arbeitern 3 bis 4 Wochen in der Schweiz zu bauen? Es ist lächerlich, diese paar Regeln als „Folterinstrumente“ zu bezeichnen. Und doch stehen sie im Zen¬trum des Angriffs deutscher Lobbyisten gegen den Schweizer Lohnschutz. Im Zentrum des Streites mit der EU. Dabei können die Schweizer FlaM so schlimm gar nicht sein. Eine Umfrage des baden-württembergischen Handwerktags zeigt nämlich: die Schweiz ist das Lieblingsland für deutsche Entsender. Über eine Milliarde Euro Umsatz bolzen sie hier. Die Regeln auf dem Schweizer Arbeitsmarkt sind offensichtlich nicht hinderlich. Aber ärgerlich. Jedenfalls für die, die sich nicht daran halten. Ein bisschen weh tun die Bussen schon, die deutsche Patrons immer mal wieder kassieren, weil sie die Entsenderegeln missachten. Und richtig weh tut, wenn sie deshalb sogar auf die schwarze Liste kommen und (…).  Andreas Rieger.
Work online, 111.2019.
Personen > Rieger Andreas. Dumpingloehne. Flankierende Massnahmen. Work online, 2019-11-01.
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01.11.2019 Genf
Japan Tobbaco
Personen
Work
Jonas Komposch
Entlassungen
Japan Tobbaco
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Japan Tobacco International ist angeblich „bester Arbeitgeber“ in Genf. Aber: Jetzt schasst der Multi massig und billig. Japan Tobacco International glaubt, in Genf 268 Stellen abbauen und c:Ue Entlassenen mit einem lausigen Sozialplan abspeisen zu können. Doch der Konzern hat die Rechnung ohne seine Belegschaft gemacht. Gut 80 wütende Mitarbeitende von Japan Tobacco International (JTI) versammelten sich am Dienstag, 22. Oktober, vor dem Firmenhauptsitz in Genf. Ihr Zorn galt dem Zigarettenmulti, der jede vierte seiner rund 1‘100 Genfer BürostelIen streichen und nach Polen, Russland oder in die Philippinen auslagern will. Angekündigt hatte JTI diese „Transformation“, wie die Massenentlassung intern genannt wird, am 2. September. Sofort organisierten sich Hunderte der Mitarbeitenden, um mit einem Konsultationsverfahren möglichst viele Stellen zu retten. Auf dem Fuss folgte allerdings auch eine herbe Enttäuschung. Denn der florierende Konzern, den Schweizer Wirtschaftsmagazine schon mehrfach zum „Arbeitgeber des Jahres gekürt hatten, wollte der Belegschaft nur gerade zwei Wochen Bedenkzeit einräumen. Mickriger Sozialplan. Zudem hielt er bis 6 Tage vor dem Ablauf der Konsultationsfrist wichtige Dokumente zurück und verschwieg der Unia als zuständige Gewerkschaft die Namen der Entlassenen. Daher rief das Personal mit der Unia die kantonale Einigungsstelle an und erwirkte ein Schlichtungsverfahren. Doch am 8. Oktober scheiterte selbst dieses. Der Ball liegt deshalb wieder bei der Belegschaft. Sie fordert von JTI einen Sozialplan. der diesen Namen auch verdient. (…). Jonas Komposch.
Work online, 1.11.2019.
Personen > Komposch Jonas. Japan Tobacco. Entlassungen. Work online, 2019-11-‚01.
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