Gewerkschaftschronik
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Anzahl gefundene Artikel: 62

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18.10.2018 Schweiz
Partei der Arbeit
Personen
Vorwaerts
Edgar Woog
Biografien
Volltext
Immer vorwärts schreitend. Edgar Woog hat sein ganzes Leben in den Dienst der kommunistischen Bewegung gestellt. Von 1949 bis 1968 stand Woog als Sekretär an der Spitze der Partei der Arbeit der Schweiz. Für kurze Zeit war er sogar in der Regierung der Stadt Zürich, bis ihn eine Intrige aus dem Amt entfernte. Dieses Jahr feiern wir seinen 120. Geburtstag. Edgar Woog wurde am 24. April 1898 in Liestal geboren, als siebter, jüngster Sohn einer wohlhabenden jüdischen Kaufmannsfamilie. !m weltoffenen, grossbürgerlichen Elternhaus verlebte er eine glückliche Kindheit und Jugendzeit. Die Schulen besuchte er im nahegelegenen Basel. Gemäss der Familientradition sollte der hoffnungsvolle jüngste Sohn der Familie Woog den Kaufmannsberuf ergreifen, und der Vater schickte ihn schon früh in eine kaufmännische Lehre nach Hamburg. Woog fühlte sich nicht glücklich an dieser Lehrstelle. Da unterbrach der ausbrechende erste imperialistische Weltkrieg die Ausbildung. Woog musste im Sommer 1914 in die Schweiz zurückkehren. 1916 trat Woog, der sich zum Sozialisten entwickelt hatte, der Freien Jugend bei. 1918 wurde er Mitglied der Sozialdemokratischen Partei von Basel. Zweifellos haben die Eindrücke, die der verbrecherische Weltkrieg hervorriefen, und der Ausbruch der Revolution in Russland, die persönliche politische Entwicklung des jungen, sensiblen und Gerechtigkeit liebenden Menschen stark beschleunigt. Gründer der KP Mexikos. (…). Redaktion Vorwärts.
Vorwärts, 18.10.2018.
Vorwaerts > Woog Edgar. Biografie. Vorwaerts, 2018-10-18.
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18.10.2018 Schweiz
Personen
Vorwaerts
Clément Moreau
Manfred Vischer
Biografien
Volltext
Proletarische Kunst. Wer kennt heute noch Clement Moreau, der sich als Künstler den aktuellen Problemen seiner Zeit stellte und für seine Arbeit eine unverkennbare, eigene künstlerische Form entwickelte? Clement Moreau hatte es immer abgelehnt hatte, als Künstler bezeichnet zu werden. Er wollte nur ein „menschlicher Gebrauchsgrafiker“ sein: „Jedermann, der meine Arbeit gebrauchen kann, dem gehört sie.“ Während seines langen Lebens - er starb 1988 im Alter von 85 Jahren - hat er sich mit der harten Wirklichkeit auseinandergesetzt, die ihn seit seiner Jugend begleitete und die er bildnerisch gestaltete. Er wollte die Menschen aufklären, sie erschüttern und betroffen machen und ihnen zeigen, unter welchen Umständen sie leben und wie sie die Zustände verändern können. Gewalt, Unterdrückung und Verelendung waren das beherrschende Thema seiner Arbeiten. Unermüdlich kämpfte er für Menschlichkeit und gegen den Faschismus in all seinen Erscheinungsformen. Oft stand er an vorderster Front der Auseinandersetzungen. In einem Interview 1977 formulierte er das Wesen seiner Arbeit: „Das, was ich zu sagen habe, will ich auf die einfachste Art sagen, so einfach wie eine Schrift. Dazu brauche ich eine absolut konzentrierte Form. Eine Form, die alles Überflüssige weglässt und nur das Essentielle sagt, damit es unmissverständlich wird. Ich versuche, einen Inhalt zu illustrieren, den ich erfahren oder erlebt habe, den ich wirklich kenne ... Der erste Schritt ist der: Kann ich Verständnis wecken, so kann es gelingen, Kontakt herzustellen. Das ist die Voraussetzung. Ich möchte den Menschen zum Denken anregen; wenn mir das (…). Manfred Vischer.
Vorwärts, 18.10.2018.
Vorwaerts > Moreau Clement. Biografie. Vorwaerts, 2018-10-18.
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14.09.2018 Schweiz
Personen
SP Schweiz
Work
Willi Ritschard
Oswald Sigg
Biografien
Volltext
Am 28. September würde Willi Ritschard 100 Jahre alt. „Wenn e Politiker lügt, mues är intelligänt sii“. Er ist der einzige Büezer-Bundesrat, den die Schweiz bisher hatte. Ein schlagfertiger, schlauer, aber auch schüchterner, erinnert sich sein Sprecher. Arbeiter, Gewerkschafter, Sozialdemokrat, Bundesrat. Auf dem Umschlag des Willi-Ritschard-Buchs zu seinen 40 Jahren Politik in Gemeinderat, Kantonsrat, Regierungsrat und Bundesrat kommt der Arbeiter zuerst. Das war Ritschards Marke. Er war nicht nur der erste und einzige, sondern auch der letzte Arbeiter im Bundesrat. Immerhin: Willi, der ¬Gewerkschafter, hatte einen Vorgänger im Bundesrat: Max Weber, der 1952 das Finanzdepartement übernahm und 1953, nach dem Nein zu seiner Finanzordnung in der Abstimmung, zurücktrat. 1918: Im Landesstreikjahr kommt der Solothurner in Deitingen zur Welt. 1936: Abschluss der Heizungsmonteurlehre. Ab 1943: Gewerkschaftssekretär beim Schweizerischen Bau- und Holzarbeiterverband, 1955-63 Präsident des Solothurnischen Gewerkschaftskartells. 1945-63 SP-Kantonsrat, 1955-63 Nationalrat, 1964-73 Solothurner Regierungsrat. Am 5. Dezember 1973 Wahl in den Bundesrat mit 241 von 242 Stimmen, zunächst Vorsteher des Verkehrs- und Energiewirtschafts-, ab 1980 des Finanzdepartements. Ausländer & AKW. Max Weber hatte für den gelernten Heizungsmonteur zeitlebens eine wichtige Rolle gespielt. Politisch bildete sich Rit¬schard nach der Berufslehre und während er Kantonalsekretär des Bau- und Holzarbeiterverbands war, in der von Weber 1946 gegründeten Schweizer Arbeiterschule weiter. Dort vertrat (...). Oswald Sigg.
Work, 14.9.2018.
Personen > Sigg Oswald. Willi Ritschard. Biografie. 2018-09-14.
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31.08.2018 Schweiz
Generalstreik
Personen
Work
Angelica Balabanoff
Ralph Hug
Biografien
Volltext
Angelica Balabanoff mischte im Landesstreik die Schweiz auf. Rebellin, Sozialistin, Feministin. Kaum jemand erinnert sich heute noch an sie: doch Lenins Weggefährtin Angelica Balabanoff war für das Schweizer Bürgertum ein brandrotes Tuch. Zunächst war sie bloss ein „Fräulein“. Dann eine „Anarchistin“, später eine „berühmte Agitatorin“ und schliesslich eine „gefährliche Bolschewistin“. Diese Bezeichnungen widerspiegeln die Karriere von Angelica Balabanoff (1878 bis 1965). Für das Schweizer Bürgertum war sie Staatsfeindin Nummer eins. Im Landesstreik 1918 erreichte die Wut gegen die Russin ihren Höhepunkt. Kurz danach musste Balabanoff die Schweiz verlassen: Ausweisung! Sie habe „mit ihren Umtrieben die Sicherheit des Landes gefährdet“. So der Bundesrat in seinem Beschluss vom 12. November 1918. 14 Tage reichten. Balabanoff war aber nur gerade zwei Wochen in der Schweiz. Im Oktober traf sie mit dem Zug in Zürich ein. In der ¬Tasche einen Diplomatenpass des Roten Kreuzes. Ordentlich meldete sie sich beim Kreisbüro an. Sofort hefteten sich Geheimagenten an ihre Fersen. Die Schlapphüte überwachten sie rund um die Uhr. Im Hotel Central, wo sie ¬logierte, wimmelte es von Spitzeln. Und von Provokateuren. Mehrmals baten sie Unbekannte um Geld: „Ich habe gehört, Sie seien so grosszügig…“. Solche Schnorrereien waren Fallen. Sie sollten den ¬Beweis erbringen, dass die Russin mit einer Menge Geld in die Schweiz gekommen war. Geld für die Revolution. Natürlich fiel Balabanoff nicht (…). Ralph Hug.
Work online, 31.8.2018.
Personen > Hug Ralph. Angelica Balabanoff. Porträt. Work online, 2018-08-31.
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04.07.2018 Biel
Generalstreik
Personen
SEV Schweiz
Ernst Jakob
Biografien
Volltext
Ernst Jakob – im Herzen rot. Der Generalstreik von 1918 hatte mehrere Epizentren, darunter die Stadt Biel. Deren Anführer: Der Eisenbahner und Gewerkschafter Ernst Jakob (1879 bis 1950). „Als 17-jähriger Lehrling hatte ich das seltene Glück, am 16. Februar 1896 in Aarau an der ersten Landsgemeinde der Eisenbahner dabei zu sein. (...) Zehn Jahre später, als junger Chauffeur, war ich mitten in der Gewerkschaftsbewegung.“ So sprach Ernst Jakob in einem Zeugenbericht, den seine Urenkelin Gabriela Neubaus, eine Historikerin, veröffentlicht hat. Vor 100 Jahren war der Seeländer eine der Speerspitzen des Generalstreiks von 1918. Jakob kam aus bescheidenen Verhältnissen. Sein Vater stirbt 1882 an Tuberkulose. Seine Mutter beschliesst, mit dem 3-jährigen Ernst und seiner kleinen Schwester nach Lyss zu ziehen. Die Mutter findet eine Stelle in einer Uhrenfabrik mit einem Monatsgehalt von 116 Franken. Der kleine Ernst ist ein guter Schüler. Sein Traum: Lokomotiv-Mechaniker zu werden. 1900 zieht er nach Port und heiratet Bertha Nickles aus Jens. Sie werden fünf Kinder haben. Im selben Jahr wird er Lokomotivführer - vier Jahre später Mechaniker. Hungerrevolte. Herbst 1918. Der erste Weltkrieg ist zu Ende. In vier Jahren Kriegswirtschaft wird die Kluft zwischen Arm und Reich immer grösser. In mehreren Städten, besonders in Biel, organisieren die Menschen Hungerdemonstrationen. Als der Bundesrat beschliesst, Truppen gegen die Demonstranten und Streikenden aufzubieten, eskaliert die Situation. Die Truppen (…). Mohamed Hamdaoui.
Biel-Bienne, 4.7.2018.
Personen > Jakob Ernst. Biografie. Biel-Bienne, 2018-07-04.
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01.06.2018 Schweiz
Funke, Der
Personen
Rosa Bloch-Bollag
Biografien
Generalstreik
Volltext
Die rote Rosa und 100 Jahre Landesstreik. Sie organisierte Marktdemonstrationen, kämpfte für das Frauenstimmrecht und schrieb die Zeitung „Vorkämpferin“. Rosa Bloch war die wichtigste Schweizer Kämpferin für die Frauenbefreiung und leistete entscheidende Aufbauarbeit für den Landesstreik. Rosa Bloch (geboren Bollag) hatte am eigenen Leib erfahren, dass der Kapitalismus nur wenigen zu Wohlstand verhelfen kann. Weil ihre Familie verarmte, musste sie ihr Jura-Studium abbrechen. Eine Anstellung fand sie in einem Juweliergeschäft an der Zürcher Bahnhofstrasse. weswegen sie in späteren Jahren von der bürgerlichen Presse oft als „Brillantenrosa“ verrufen wurde. Die Missstände, die sie in ihrem Arbeitsalltag beobachtete, trieben sie dazu, sich zu organisieren. 1912 trat sie der Sozialdemokratischen Partei bei. Rosa Bloch war das einzige weibliche Mitglied des 1918 gegründeten Oltener Aktionskomitees (OAK). Ihren Sitz in der Forderungskommission gab sie aber schon nach zwei Monaten auf, noch vor Ausrufung des Landesstreiks. Fritz Platten ersetzte sie. Obschon auch er am linken Rand war, wurde Platten von den anderen Mitgliedern präferiert. Der Schritt war sicher schmerzlich für Bloch, die sich stets für eine aktive Beteiligung von Frauen an der Politik einsetzte. Frauen in der Arbeiterinnenbewegung. Nicht nur Bloch, sondern auch andere Frauen in der sozialistischen Bewegung hatten erkannt, dass sich der Missstand in der Geschlechterfrage innerhalb des Kapitalismus nicht abschliessend lösen (…). Noreen Rice.
Der Funke, Juni 2018.
Personen > Bloch Rosa. Biografie. Der Funke, 2018-06-01.
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23.05.2018 Schweiz
Personen
WOZ
Amin Samir
Stefan Howald
Biografien
Volltext
Samir Amin (1931-2018). Leichenbeschauer des Kapitalismus. Der ägyptisch-französische Ökonom Samir Amin war ein scharfer Kritiker der herrschenden Globalisierung. Als „kreativer Marxist“ vertrat er hartnäckig die Interessen der armen Bevölkerungsmehrheit in Afrika und Asien. Er war für den westlichen Marxismus das Gewissen aus dem Globalen Süden. Wenn die Ausbeutung durch den Kapitalismus in den Zentren verhandelt wurde, reklamierte Samir Amin immer die Sicht der Peripherie. Unter dem Stichwort „Eurozentrismus“ kritisierte er den Universalitätsanspruch westlichen Denkens auch auf der linken Seite scharf. Samir Amin, 1931 in einer ägyptisch-französischen Familie geboren, studierte zuerst in Kairo, danach in Paris, mit Abschlüssen in Politikwissenschaften, Statistik und Ökonomie. Bereits als Sechzehnjähriger, erzählte er später, sei er Kommunist geworden; so schloss er sich der ägyptischen, dann der französischen KP an. Die Bandung-Konferenz der unabhängigen afrikanischen und asiatischen Staaten 1955 gab ihm eine Richtung vor, da sie einen anderen Weg als den der westlich-kapitalistischen Globalisierung versprach. Kurzfristig arbeitete er in der Verwaltung der nationalrevolutionären Regierung von Gamal Abdel Nasser in Ägypten, hierauf in Mai 1966 wurde er Professor in Paris, parallel dazu in Dakar, Senegal, wo er in den letzten vierzig Jahren seinen Lebensmittelpunkt hatte. Er initiierte und leitete (…).
Stefan Howald.
WOZ, 23.8.2018.
Personen > Howald Stefan. Samir Amin. 1931-2018. WOZ, 2018-08-23.
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16.05.2018 Deutschland
Personen
WOZ
Jenni Marx
Karl Marx
Biografien
Volltext
Durch den Mai mit Karl Marx (2). Adlige Revolutionärin. Sie ist die Dritte, die Unsichtbare im Marx-Engels-Bund. Ohne Jenny Marx gäbe es die grossen Werke ihres Ehemanns nicht so, wie wir sie heute kennen. Jenny Marx, geborene von Westphalen, wirkte als überzeugte Mitstreiterin in der sozialistischen Bewegung. „Was sie getan hat, wissen nur die, die mit ihr gelebt haben“, schreibt Friedrich Engels im Nachruf auf Jenny Marx, geborene von Westphalen, Anfang Dezember 1881. Er lobt die langjährige Freundin als Frau, die mit „scharfem und kritischem Verstande“, mit einem „politisch sicheren Takt“, mit einer „leidenschaftlichen Energie“ und „grosser Kraft der Hingabe“ für die revolutionäre Bewegung gekämpft habe. Das findet in der ausufernden Karl-Marx-Forschung bis heute kaum Erwähnung: Ohne Marx' Frau Jenny gäbe es die grossen Werke nicht, und der mühsame, aufbrausende Karl wäre vielleicht ein unbekannter, kauziger Querulant geblieben. Die Leben von Jenny und Karl getrennt zu betrachten, ist unmöglich, sind sie doch von klein auf SpielgefährtInnen, in der Jugend Gesprächspartnerlnnen, irgendwann verliebt, sieben Jahre verlobt, nach räumlicher Trennung wegen Karls Studium endlich verheiratet und - nach sieben Kindern, von denen nur drei überleben - gemeinsam begraben auf dem Londoner Friedhof Highgate, samt Töchtern und Dienstmagd. Secrétaire intime. (…).
WOZ, 16.5.2018.
Personen > Marx Jenny. Biografie. WOZ, 2018-05-16.
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14.09.2017 Schweiz
Personen
Vorwärts
Martin Schwander
Arthur Villard
Biografien
Volltext
Zum 100. Geburtstag von Arthur Villard (1917-1995). Unbeugsamer Friedenskämpfer. Vor hundert Jahren, am 4. Oktober 1917, wurde in Lausanne Arthur Villard geboren. In seiner zweiten Lebenshälfte insbesondere bekannt geworden als Streiter gegen die atomare Bewaffnung unseres Landes, als Präsident der Internationale der Kriegsdienstgegner und als SP-Nationalrat, wollen wir uns hier erinnern an die Jahre, die er in den Reihen der Friedenspartisanen, der Schweizerischen Friedensbewegung und des Weltfriedensrates (WFR) verbrachte. Arthur Villard, begnadeter Pädagoge und freier Denker im besten Sinne des Wortes, hat seine Fichen bei der Bundesanwaltschaft nie eingefordert. Hätte es ihn erstaunt zu lesen, wie früh die politische Polizei auf ihn aufmerksam geworden ist? Wohl kaum. Wer wie er in den ersten Nachkriegsjahren zu den Gründern der Gesellschaft Schweiz-Sowjetunion gehörte, musste wissen, dass mit Beginn des Kalten Krieges der Feind im Osten stand und sich jeder ins Fadenkreuz der strammen „Patrioten“ begab, der nicht auf Konfrontation setzte, sondern auf Dialog, Neugierde und Freundschaft. Villard machte sich verdächtig, in dem er sich dem antisowjetischen Chor verweigerte und sich 1954 gar zu einer Studienreise ins östliche Feindesland begab. Dabei war er getragen von der tiefen Überzeugung, dass nur eine „wahrhafte friedliche Koexistenz unser Überleben sichert“, wie er im Namen der Schweizerischen Friedensbewegung 1961 an der „Europäischen Konferenz“ von Oslo erklärte. „Selbst wenn die Differenzen (…). Martin Schwander.
Vorwärts, 14.9.2017.
Personen > Schwander Martin. Villard Arthur. Biografie. Vorwärts, 2017-09-14.
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21.07.2017 Sowjetunion
Personen
Vorwärts
W. I. Lenin
Anna Seghers
Biografien
Oktoberrevolution
Volltext
100 Jahre Oktoberrevolution. Wer war das eigentlich? Ein Kind fragt die Mutter, wer die Person auf dem Porträt In der Wohnung Ist. Die Mutter beginnt ein Gespräch mit ihrem Kind über Lenin, über seine Kindheit, sein Wirken, bis zu seinem Tod. Dieses kurze Stück In Dialogform von Anna Seghers Ist 1932 entstanden. Kind: Warum hängt er immer in unserem Zimmer? Warum ist er dreimal derselbe? Warum sieht er einmal wie ein Kind aus und einmal spricht er zu vielen Arbeitern und einmal liegt er tot da? Warum ist er auch auf diesem Buch? Warum hängt er auch bei anderen an der Wand? Wer war das eigentlich? Mutter: Lenin. Kind: Lenin - das weiss ich doch längst, wie er heisst. Wer er war? Mutter: Ich glaube, du weisst auch, wer er war. Du weisst doch: Die meisten Menschen, die meisten Kinder haben noch Hunger, wenn sie vom Tisch aufstehen. Sie brauchen Schuhe und Kleider und haben keine. K: Aber das weiss ich doch. M: Warte mal. Du weisst doch auch, dass es einige Kinder gibt, die ganz satt und warm aussehen; wenn die lernen wollen, wie man Flugzeuge baut, dann heisst es daheim: Gut, lerne! Die Väter dieser Kinder arbeiten zwar nicht so schwer wie die anderen Väter, aber sie besitzen die Fabriken, Felder und Bergwerke. K: Das weiss ich doch alles, aber Lenin. M: war der Genosse, der allen armen Bauern und Arbeitern am allerdeutlichsten gezeigt hat: Wie sie die Besitztümer der Erde gerecht verteilen können, damit sie beginnen können, ein Land aufzubauen, in dem es bald keine Armen und Reichen, keine Unterdrücker und (…). Anna Seghers.
Vorwärts, 21.7.2017.
Personen > Lenin W.I. Biografie. Anna Seghers. Vorwärts, 2017-07-21.
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07.07.2017 Deutschland
Personen
Vorwärts
Hans-Peter Gansner
Käthe Kollwitz
Biografien
Volltext
Die Mutter Courage der Künste. Käthe Kollwitz prägte als engagierte antimilitaristische, antifaschistische und sozialistische Zeichnerin, Lithografin und Bildhauerin die Zeit des Ersten Weltkriegs, die Zwischenkriegszeit und die Zeit des Zweiten Weltkrieges. Ein Porträt zum 150. Geburtstag. „Ich kann nicht sterben, bevor ich das Beste aus meinem Talent gemacht habe und bis sich das letzte Korn, das in mich gepflanzt worden ist, sich bis zum letzten Halm entwickelt hat“ (Aus dem Tagebuch). Wenn Käthe Kollwitz heute vor allem als grafische Künstlerin und wegen ihrer eindrücklichen Skulpturen bekannt ist, die bis ins Letzte das menschliche Elend, die soziale Ungerechtigkeiten und die Trauer der Kriegsopfer ausloten, so beweisen ihre Schriften auch eine Frau mit einer unglaublichen kämpferischen Energie. Nichts entgeht ihrem genauen Blick, und ihr schriftliches Werk ist umso erstaunlicher, als sie dabei nie aufgehört hat, ihre künstlerischen Ausdrucksfähigkeiten zu vervollkommnen. Sie reflektiert in Texten und Bildern unablässig den Ungeist der Epoche der zweiten Weltkriege, die von deutschem Boden ausgingen. Ihr Tagebuch legt Zeugnis ab vom Leiden der Zivilbevölkerung in Berlin, von der Grausamkeit des Ersten Weltkriegs, in dem sie ihren 18-jährigen Sohn Peter verlor, und von ihrer Angst vor dem mit der Hitlerei heraufziehenden Zweiten Weltkrieg. Ihr Ruhm wächst von Jahr zu Jahr, nicht nur in Deutschland, denn ihr Werk besitzt eine grosse emotionale Kraft: Es ist ein Werk, durchtränkt von Trauer, aber auch getragen vom Glauben an (…). H.P. Gansner.
Vorwärts, 7.7.2017.
Personen > Kollwitz Käthe. Biografie H.P. Gansner. Vorwärts, 2017-07-07.
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22.06.2017 Deutschland
Personen
WOZ
Oskar Maria Graf
Biografien
Volltext
Oskar Maria Graf. „Verbrennt mich!“ Antifaschist, Provinzschriftsteller, Anarchist, bayerisches Urvieh - Oskar Maria Graf hatte viele Gesichter. Porträt eines aussergewöhnlichen Autors zu seinem 50. Todestag. Mit Foto. Die politische Revolution nach dem Ersten Weltkrieg ging mit einer Kunstrevolution einher, und genau der hatte sich 1920 die Neue Bühne in München verschrieben. Der Dramaturg dieses Arbeitertheaters erhielt eine Flut an mediokren Manuskripten, die er ungelesen ablegte. Eines Tages fiel ihm ein Päckchen auf, das in Kleinbuchstaben adressiert war. „Die Schrift war sehr deutlich, aber man hatte den Eindruck, dass dieses brav anmutende Schulmässige nichts anderes war als eine berechnete Manieriertheit. So pflegten Stefan-Georgeaner zu schreiben. Ich stellte mir also einen schon alt gewordenen Jünger dieses Dichters vor und warf das Manuskript zum Haufen in die Ecke.“ Einen Monat später kam ein „spitznasiger Mensch“ ins Büro des Theaters, der „sehr unrasiert und betont proletarisch angezogen war, obgleich sein bebrilltes junges Gesicht eher an einen fertig gewordenen Lehramtskandidaten erinnerte. „Ich bin Bert Brecht“, sagte er und fragte nach seinem Manuskript.“ Der Dramaturg kramte das Päckchen hervor, riss es auf und blätterte kurz im Manuskript „Trommeln in der Nacht“. „Das können wir nicht brauchen“, befand er. Brecht schaute ihn an wie einen Idioten. „Wissen Sie“, rettete sich der Dramaturg, „wir dürfen nämlich feuerpolizeilich immer bloss acht Personen auf der Bühne beschäftigen.“ So verlief die erste Begegnung (…). Harald Borges.
WOZ, 22.6.2017.
Personen > Graf Oskar Maria. Biografie. WOZ, 2017-06-22.
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22.06.2017 Deutschland
Personen
WOZ

Biografien
Volltext
Oskar Maria Graf. „Verbrennt mich!“ Antifaschist, Provinzschriftsteller, Anarchist, bayerisches Urvieh - Oskar Maria Graf hatte viele Gesichter. Porträt eines aussergewöhnlichen Autors zu seinem 50. Todestag. Mit Foto. Die politische Revolution nach dem Ersten Weltkrieg ging mit einer Kunstrevolution einher, und genau der hatte sich 1920 die Neue Bühne in München verschrieben. Der Dramaturg dieses Arbeitertheaters erhielt eine Flut an mediokren Manuskripten, die er ungelesen ablegte. Eines Tages fiel ihm ein Päckchen auf, das in Kleinbuchstaben adressiert war. „Die Schrift war sehr deutlich, aber man hatte den Eindruck, dass dieses brav anmutende Schulmässige nichts anderes war als eine berechnete Manieriertheit. So pflegten Stefan-Georgeaner zu schreiben. Ich stellte mir also einen schon alt gewordenen Jünger dieses Dichters vor und warf das Manuskript zum Haufen in die Ecke.“ Einen Monat später kam ein „spitznasiger Mensch“ ins Büro des Theaters, der „sehr unrasiert und betont proletarisch angezogen war, obgleich sein bebrilltes junges Gesicht eher an einen fertig gewordenen Lehramtskandidaten erinnerte. „Ich bin Bert Brecht“, sagte er und fragte nach seinem Manuskript.“ Der Dramaturg kramte das Päckchen hervor, riss es auf und blätterte kurz im Manuskript „Trommeln in der Nacht“. „Das können wir nicht brauchen“, befand er. Brecht schaute ihn an wie einen Idioten. „Wissen Sie“, rettete sich der Dramaturg, „wir dürfen nämlich feuerpolizeilich immer bloss acht Personen auf der Bühne beschäftigen.“ So verlief die erste Begegnung zwischen (…). Harald Borges.
WOZ, 22.6.2017.
Personen > Graf Oskar Maria. Biografie. WOZ, 2017-06-22.
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16.03.2017 Schweiz
Personen
Work
Oliver Fahrni
Jean Ziegler
Biografien
Volltext
Wer ist Jean Ziegler? Eine Hommage. Der Weltdiplomat, Kapitalismuskritiker, erfolgreichste Schweizer Autor und Work-Kolumnist schreibt, die Menschheit stehe an einer historischen Bruchstelle. Die Sonne strahlte, sie trieb den Winter aus der grauen Calvinstadt. Ein eleganter Herr … So müsste ein Artikel über Jean Ziegler eigentlich beginnen. In seinen Texten sonnt’s, schneit’s, stürmt’s, und das ist mehr als eine Marotte: Er nimmt uns immer wieder mit, an unerwartete Orte, samt politischer Klimaansage und Wasserstandsmeldung. Jean Ziegler, bald 83, kam im märzsonnigen Genf also gerade vom Skifahren. Entspannter als auch schon. Dann war die fürchterliche Woche im Menschenrechtsrat der Uno, mit der Debatte über das Aktenzeichen A/HRC/34/5: Syrien. Ziegler ist Vizepräsident des beratenden Ausschusses des Rates. Nach mehr als einem halben Jahrhundert Engagement für die „Verdammten dieser Erde“ ist er mit Gewalt, Hunger, Krieg und Tod hautnah bekannt. Die Welt, wie sie wirklich ist. Der Zorn. Doch nach den Berichten über Syrien war er erschüttert. Erschüttert und zornig. Darüber, was Diktatoren, Terrormilizen und Krieg dem Menschen und damit der ganzen Menschheit antun, zornig aber auch über die Lähmung der Uno, die er in „fürchterlichem Zustand“ sieht. Auf die er aber hofft und setzt und für die er in seinem neuesten Buch Wege zur Reform zeichnet. Und sei es nur, weil die Uno der einzige Ort ist, wo täglich um das Menschenrecht gerungen wird. Wir haben uns kurz an Aleppo erinnert, diese energische, so musikalisch sprechende syrische Stadt. Dann kam er ohne Umschweife auf denn kommenden Aufstand zu sprechen. (…). Oliver Fahrni.
Work, 16.3.2017.
Personen > Fahrni Oliver. Jean Ziegler. Biografie. Work, 2017-03-16.
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28.11.2016 Kuba
Junge Welt
Personen
Fidel Castro
Biografien
Volltext
„Die Ideen werden siegen!“ Fidel Castro hat sein Leben dem Kampf für ¬soziale Gerechtigkeit und Frieden gewidmet. Sein ¬revolutionärer Humanismus bleibt ein Auftrag an die Nachwelt. Ein Nachruf. Kein anderer Mensch ist schon zu Lebzeiten von seinen Gegnern so oft für tot erklärt worden wie Fidel Castro. „Einmal habe ich gesagt, dass an dem Tag, an dem ich wirklich sterbe, niemand es glauben wird“, antwortete er vor mehr als zehn Jahren auf eine Frage seines Interviewers Ignacio Ramonet. Nun müssen wir es glauben. Der Comandante en Jefe der Kubanischen Revolution Fidel Castro Ruz ist am 25. November 2016 um 22.29 Uhr im Alter von 90 Jahren verstorben. Ein „Unentbehrlicher“, wie Bertolt Brecht diejenigen nannte, die ihr Leben lang für eine bessere Welt kämpfen, ist gegangen. Fidels Leistungen und sein Vermächtnis sind jedoch für das kubanische Volk und die fortschrittlichen Menschen in aller Welt unvergänglich. Während Kuba und seine Freunde weltweit um einen grossen Menschen trauern, feiern Gegner der Kubanischen Revolution Fidel Castros Tod bereits als vermeintlichen Triumph. Er selbst hatte das vorausgesehen. „Unsere Feinde sollten sich keine Illusionen machen, ich sterbe morgen, und mein Einfluss mag zunehmen“, sagte er im Interview mit Ramonet und fügte hinzu: „Ich könnte es wie Cid Campeador machen, den sie tot auf dem Pferd mit sich führten und so Schlachten gewannen.“ Die Schlacht um die Unabhängigkeit und Souveränität Kubas, das mit dem Sieg der Revolution zum ersten Mal in seiner Geschichte frei von der Vorherrschaft fremder Mächte wurde, hatten bewaffnete Arbeiter, Bauern, Landarbeiter und Studenten unter Fidel Castros Führung bereits am 1. Januar 1959 gewonnen. (…). Volker Hermsdorf.
Junge Welt, 28.11.2016.
Personen > Castro Fidel. Biografie. Junge Welt, 2016-11-28.
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04.11.2016 Italien
Personen
Vorwärts
Dario Fo
Biografien
Volltext
Bezahlt wird nicht! Dario Fo und Franca Rame haben das Nachkriegsitalien ebenso aufgerüttelt, wie die Kommunistische Partei Italiens mit Berlinguer. Er aktualisierte die Commedia dell'Arte und führte einen Dauerkampf gegen rechts. Das unzertrennliche Duo Fo/Rame wurden vor allem mit den beiden Stücken „Bezahlt wird nicht!“ (inspiriert vom „proletarischen Einkaufen“ der „Autonomia Operaia“, sprich der direkten Beschaffung von Lebensmittel in den Supermärkten ohne Umweg über die Kasse) und „Offene Zweierbeziehung“ weltweit berühmt. Sie waren unzertrennlich und haben Bakunins Rat ernst genommen: „Ein Anarchist muss mindestens einmal im Tag von Herzen laut lachen können!“ So haben die beiden zum Umsturz aufgefordert, mit Witz, Humor und Satire. Gleichzeitig revolutionierte Enrico Berlinguer mit der Kommunistischen Partei Italiens (PCI) die internationale marxistische Bewegung mit dem „Eurocomunismo“. Es wurde ein rechter Putsch durch die bis ins Mark korrupte Regierungspartei Democrazia Cristiana und der Geheimloge P2 befürchtet. Die Lage spitzte sich zu, als Feltrinelli nach damaligen Angaben der Polizei beim Versuch, einen Hochspannungsmast in die Luft zu sprengen, selber umkam (diese Todesursache ist bis heute umstritten). Die Mafia erhob wieder ihr Haupt und ermordete reihenweise Richter („! Iudici“). Es folgte der Irrweg der Brigate Rosse und der Ermordung Aldo Moros. Der PCI spaltete sich, und Italien „ingovernabile“ (unregierbar geworden) taumelte von einer politischen Krise in die nächste. Dario Fo hielt alle bei Laune. (…). Hans Peter Gansner. Vorwärts, 4.11.2016.
Personen > Fo Dario. Biografie. Vorwärts, 2016-11-04.
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26.08.2016 Zürich
Partei der Arbeit
Personen
Vorwärts
Siro Torresan
Anjuska Weil
Biografien
Gratulation
Volltext
Alles Gute zum 70. Geburtstag, Anjuska! Am 21. August wurde Anjuska siebzig Jahre jung. Tja, was schreiben, wenn es so viel zu schreibe gibt? Was erzählen, wenn es so viel zu erzählen gibt Die Antwort liegt wohl im Sein der gestellten Frage, in dem ich also die Zeit schwelgen lasse und eine Reise in die Vergangenheit starte, so quasi in meiner persönlichen Anjuska-Vergangenheit. Solche Ausflüge in die Zeit, die mal war, sind nicht immer nur schön, was alle ab einem gewissen Alter wissen. Aber die Reise in meine gemeinsame Vergangenheit mit Anjuska ist ein Vergnügen. Eine Tatsache, die für sich spricht, ich meine: eine Tatsache, die für Anjuska spricht. Damals, ich war noch jung und hübsch (böse Zungen behaupten, ich sei heute nur noch „und“, da vom Jung und Hübsch nichts mehr übrig geblieben ist), das war vor ziemlich genau 25 Jahren, traf ich Anjuska zum ersten Mal. Es war im Gemeinschaftsraum eines Hauses an der Zentralstrasse im Kreis 3, wo die PdA Zürich ihre Mitgliederversammlungen (MV) durchführte. Es war meine erste MV. Anjuska war mit einer anderen Genossin am Kochen. Sie reichte mir die Hand und sagte: „Hoi, ich bin Anjuska. Willkommen!“ Im Verlauf meines Lebens - um das hat mittlerweile doch schon über 17‘000 Tage um Nächte auf dem Buckel - habe ich viele Menschen kennen gelernt. Einige spielen noch heute eine Rollt in meinem persönlichen Lebensuniversum. Aber bei den Wenigsten kann ich mich an die erste Begegnung erinnern. Kann es Zufall sein, dass ich die erste Begegnung mit Anjuska nicht vergessen habe - und nun vergessen werde? Wohl kaum. (…). Siro Torresan, Sekretär der PdA Zürich.
Vorwärts, 26.8.2016. Mit Foto.
Vorwärts > Weil Anjuska. Biografie. Vorwärts, 2016-08-26.
Ganzer Text
18.08.2016 Zürich
Partei der Arbeit
Personen
WOZ
Sarah Schmalz
Anjuska Weil
Biografien
Gratulation
Volltext
Die Partisanentochter kann nicht anders. Ein Leben zwischen Thurgauer Dorf, israelischem Kibbuz und Zürcher Kantonsrat: Anjuska Weil wird siebzig – und erinnert sich an die brutalen Folgen des Vietnamkriegs, an die Dicke ihrer Staatsschutzfiche und an enttäuschte sozialistische Ideale. Es war nur ein schmaler Streifen Land zwischen Wasser und Küstenstrasse. Wenn es stürmte, war das Mittelmeer eine schwarze Wand. Im trockenen Sommer brannte der Berg Carmel, der seinen grossen Schatten auf die Holzbaracke warf. Solange es die Flammen nicht über den Asphalt schafften, seien sie sicher, tröstete die Mutter ihre Tochter Anjuska. Angst hatte das Mädchen, wenn die Nachbarin einen ihrer Anfälle hatte. Dann schrie die Frau, dass es einem die Knochen zersägte – das Grauen der Konzentrationslager lag noch in ihrer Stimme. Anjuska Weil – die damals Goldstein hiess – packte in solchen Momenten ihren Spielkameraden an der Hand und rannte weg. „Wir fanden jeweils Unterschlupf bei der palästinensischen Nachbarsfamilie.“ Zwei Jahre lebte sie in Israel. Der Sand, die flirrende Hitze, das knarrende Holz: Alles ist noch da. Als die Familie an die Asylstrasse in Zürich zieht, liegt brauner Schneematsch auf der Strasse. „Plötzlich lebten wir aufgestockt in der vierten Etage, unter uns zwei alte Schwestern, die mit dem Besenstiel an die Decke klopften, wenn ich etwas zu laut vom Sofa sprang.“ Auch heute lebt Weil wieder in Zürich. In ihrer Wohnung stapelt sich das Erinnerungsarsenal eines bewegten Lebens: asiatische Fächer, Gemälde, Holzpuppen, tonnenweise Bücher. (…). Sarah Schmalz (Text), Florian Bachmann (Foto).
WOZ, 18.8.2016.
WOZ > Weil Anjuska. Biografie Sarah Schmalz. WOZ, 2016-08-18.
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04.08.2016 Schweiz
Personen
WOZ
Jürg Frischknecht
Ruth Wysseier
Biografien
Nachruf
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Jürg Frischknecht (1947-2016). Seine Unabhängigkeit hütete er wie einen Schatz. Jürg Frischknecht zählte zu den profiliertesten JournalistInnen der Schweiz. WOZ-Redaktorin Ruth Wysseier erinnert an den kritischen Rechercheur als sinnlichen Menschen, der die Dinge zum Besseren wenden wollte. Es freue ihn enorm, sagte Jürg oft in den letzten Wochen, dass die Projekte, die ihm besonders am Herzen lägen, so gut unterwegs seien: die WOZ, das Bildungszentrum Salecina, der Rotpunktverlag und das Gasthaus San Martino im Valle Maira. Jürg hat viel lieber über seine Projekte gesprochen als über sich selbst. Aufgewachsen war er in Herisau. Die Familie, erinnert sich Schwester Vreni, wohnte im Schulhaus, der Vater war Lehrer und gleichzeitig Abwart, die Mutter Schneiderin. In der Pfadi hiess Jürg „Sperber“, und schon als Schüler, bevor er in St. Gallen in die Kanti kam, hat er Skirennen für den Bezirk organisiert, später auch mal eine Bachputzete. Die Liebe zum Schnee und die Sorge für die Umwelt waren also schon früh angelegt, ebenso sein politisches Engagement: Jürg setzte sich für das Frauenstimmrecht ein und war im appenzellischen Forum für politische Unternehmungen aktiv. Zwischen Kanti und Rekrutenschule machte er einen Stage bei der „Appenzeller Zeitung“. Schon während des Studiums in Zürich – Soziologie, Publizistik und Geschichte – arbeitete er für die Nachrichtenagentur UPI und die linksliberale Basler „Nationalzeitung“. Doch nach ihrer Fusion zur „Basler Zeitung“ und einem Rechtsrutsch erhielt Jürg ein Schreibverbot als Zürcher Korrespondent und durfte nur noch über Medienthemen berichten. (…). Ruth Wysseier. Mit Foto.
WOZ, 4.8.2016.
Personen > Frischknecht Jürg. Biografie. Ruth Wysseier. WOZ, 2016-08-04.
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01.07.2016 BS Kanton
Partei der Arbeit
Personen
Vorwärts
Ruedi Bantie
Tarek Idri
Biografien
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Hineingewachsen in die PdA. Ruedi Bantle feierte seinen Neunzigsten. Im Gespräch mit dem „Vorwärts“ erzählt er zusammen mit seiner Frau Erika von seiner Zeit in der Freien Jugend, vom Antikommunismus und seinen Erfahrungen als Parteisekretär der PdA Basel. Wie hast du die Partei der Arbeit (PdA) kennengelernt? Ich habe sie nicht kennengelernt, sondern ich bin hineingewachsen in die Partei. Ich stamme aus einer Arbeiterfamilie, mein Vater war Briefträger. Es daher war normal, dass man sich zur Arbeiterbewegung zählte. Man kann nicht sagen, ich habe die PdA gewählt. Es hat für mich nichts anderes gegeben. Dazu gehörte noch, dass man nicht in den Religionsunterricht ging. Der Papa hat gesagt: Du gehst nicht in den Religionsunterricht. Und das war’s. Es gab keine Diskussion. Meine Eltern haben mich stattdessen in den Arbeiterkinderverband geschickt, das war eine Gruppierung von Kindern aus dem kommunistischen Kreis. In der Organisation waren wir 30 bis 40 Kinder, die einmal im Jahr die zentrale Aufgabe hatten, ein Ferienlager zu organisieren. Das hat mich sehr geprägt, weil das politisch war. Danach ist man in die Freie Jugend (die Jugendorganisation der PdA) gekommen. So hat es sich ergeben. Wobei, es hat eine Rolle gespielt, dass ich in der Kriegszeit in der Pubertät war: Es war romantisch, wenn man Plakate geklebt, die Wände vollgeschmiert hat oder eine illegale Zeitung in einen Briefkasten steckte. So war dieses Milieu. Es war dann selbstverständlich, dass man von der Freien Jugend aus den (…). Mit Foto. Tarek Idri.
Vorwärts, 1.7.2016.
Vorwärts > Bantie Ruedi. Biografie. Vorwärts, 2016-07-01.
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01.03.2016 Schweiz
Funke, Der
Personen
Annette Frei
Anny Klawa-Morf
Biografien
Volltext
Anette Frei „Die Welt ist mein Haus“. Das Leben der Anny Klawa-Morf. Die Biografie „Die Welt ist mein Haus" gewährt Einblicke in das bewegte Leben der Schweizer Sozialistin Anny Klawa-Morf (1894 bis 1993). Ein Leben gekennzeichnet vom Kampf für eine gerechte Welt. Bereits als Jugendliche ist sie in der Frauenbewegung aktiv. Historische Ereignisse wie die Weltkriege, der Faschismus und das Agieren der JungsozialistInnen in diesen werden durch die Zeitzeugenberichte Annys, die die Grundlage des Buches bilden, besonders lebendig. Anny hatte eine schwere Kindheit. Der Vater war Alkoholiker und oft arbeitslos, ihre Mutter Heimarbeiterin. Die immerwährenden Geldprobleme waren eine grosse Belastung für die ganze Familie. Anny wuchs in Basel, im Thurgau und schliesslich in verschiedenen Arbeiterquartieren in Zürich auf. Als Siebenjährige begann sie ihrer Mutter bei der Arbeit zu helfen, indem sie nachts Knopflöcher in Hemden nähte. Geprägt waren ihre Kindheits- und frühen Jugendjahre durch Hunger, Kälte, aber auch durch die Gewaltausbrüche ihres Vaters. Mit 14 Jahren fing Anny an, in der Textilindustrie in Zürich zu arbeiten. Bald darauf trat sie der Gewerkschaft und der SP bei. Schon früh war ihr durch das Beispiel ihres Vaters, der oft nur neue Arbeit dank seiner Gewerkschaftsverbindungen gefunden hatte, aber auch durch eigne Erfahrungen in der Textilfabrik, bewusst, dass es für ArbeiterInnen notwendig ist, sich zu organisieren, um sich zur Wehr setzten zu können. Durch ihren Alltag wurde die junge Frau schnell (…). Helen Krarup, Juso Winterthur.
Der Funke, März 2016.
Funke, Der > Klawa-Morf Anny. Biografie Anette Frei. Der Funke, 2016-03-01.
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26.02.2016 Schweiz
Frauen
Personen
Syndicom-Zeitung
Margarethe Faas-Hardegger
Biografien
Volltext
Porträt einer feministischen und gewerkschaftlichen Aktivistin. Kämpferin für die Gleichstellung. 1906 gab Margarethe Faas, die erste Arbeiterinnensekretärin des Schweizerischen Gewerkschaftsbundes, die feministische Gewerkschaftszeitung „Die Vorkämpferin“ heraus. Darin prangerte sie den herrschenden Diskurs über die „Natur der Frau“ an. Ein kurzes Porträt einer Wegbereiterin der qewerkschaftlichen Organisation der Arbeiterinnen. Jahrzehnte vor Simone de Beauvoir gab die Schweizerin Margarethe Faas (-Hardegger), die erste Sekretärin des Schweizerischen Gewerkschaftsbundes, 1906 die feministische Gewerkschaftszeitung „Die Vorkämpferin“ heraus. Darin entkräftete Faas die gängigen Stereotpyen über die „Natur der Frau“. Diese seien unrealistisch und mit Vorurteilen zugunsten der Männer und deren Interessen behaftet. Als Antinaturalistin betonte Margarethe Faas, dass die Frauen den Männern von Natur aus gleichgestellt seien, aber durch Gebräuche, Sitten und Gewohnheiten den Männern untergeordnet würden. Die Frau sei eine ewig Verfolgte, die sowohl religiös, juristisch als auch politisch unterdrückt worden sei. Gleiche Bildung und gleiche Erziehung. Faas formulierte auch den noch heute aktuellen unmissverständlichen Satz: „Sobald den Mädchen dieselbe Bildung zukommt wie den Jungen, und sobald man in den Familien alle Kinder auf dieselbe Weise und mit denselben Freiheiten erzieht und behandelt, wird die Sache des Feminismus gewonnen sein.“ Biologische Funktionen würden jedoch weder Beherrschung noch Ausgrenzung rechtfertigen. (…). Maryam Khan Akbar.
Syndicom-Zeitung, 26.2.2016.
Personen > Faas-Hardegger Margarethe. Biografie. Syndicom-Zeitung, 2016-02-26.
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12.02.2016 Schweiz
Partei der Arbeit
Personen
Vorwärts
Harry Gmür
Franz Rueb
Biografien
Publikation
Volltext
Am Stammtisch der Rebellen. Jahrzehnte lang lag der 520 Seiten umfassende Roman des Kommunisten Harry Gmür in seinen geheimen Schubladen. Jener Harry Gmür, der äusserlich wenig Typisches von einem Kommunisten vor sich hertrug. Doch der Schein trügte. Geschrieben wurde der Roman in den Fünfzigerjahren. Abgetippt auf der Hermes-Schreibmaschine hat er sein Werk in den Sechzigerjahren. Er musste geahnt haben, dass sich sein Werk sehen lassen konnte. Allein das nötigt heute unsere Bewunderung ab. Seinem Sohn Mario Gmür ist es nun gelungen, den Respekt heischenden dicken Schwarten beim Europa Verlag AG in Zürich heraus zu bringen. Und wir stehen nun vor einem Kosmos, der den Namen Zürich trägt. Der Kosmos zeigt uns die Altstadt, ihre Bars und Kneipen, zum Kosmos gehört auch die Welt der Gewerkschaften, seine Büezer, seine Chefs von damals, ihren Kampf um einen grossen, stadtbekannten Streik.Ein Kosmos ist aber auch das Nuttenmilieu. Und natürlich die Implikationen der Zeit: Kalter Krieg, Hochkonjunktur, Kolonialismus, Antikommunismus. Und die politische Rechtslosigkeit der weiblichen Hälfte der Gesellschaft. Keine Angst: Harry Gmür denkt nicht klischeehaft, keine Angst, seine Beschreibungen sind nie plump, eigentlich immer recht intensiv und sehr differenziert. Er ist weit von der Erzählweise eines groben Klassenkämpfers entfernt, und doch wird der Klassenkampf recht drastisch geschildert, wird ein richtiger Kapitalist geschildert und charakterisiert, der rücksichtslos seinen Egoismus auslebt und zudem immer selbstbezüglicher wird. Die für uns heute seltsam anmutende (…). Franz Rueb.
Vorwärts, 12.2.2016
Personen > Rueb Franz. Gmür Harry. Biografie. Vorwärts, 2016-02-12.
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12.02.2016 Schweiz
Partei der Arbeit
Personen
Vorwärts
Gmür Harry
Siro Torresan
Biografien
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Kommunist, Bürger, Journalist. Aus dem Kind einer gutbürgerlichen Familie wird ein überzeugter Antifaschist und Kommunist. Nach einer Lebenskrise bekommt Harry Gmür eine zweite Chance. Er packt sie und verfasst für die „Weltbühne“ in Ost-Berlin Hunderte von Kommentaren und Reportagen. In der DDR ist er sehr geschätzt, in der Schweiz wird er überwacht. Gmür stirbt im 1979 nach einem bewegten Leben. Harry Gmür wurde 1908 geboren und wuchs in einer gutbürgerlichen Berner Familie auf. In Bern, Paris, München und Leipzig studierte er Geschichte und Germanistik. Nach der Machtübernahme der Nazis in Deutschland kehrte er in die Schweiz zurück. Er heiratete früh Gena Esther, eine Frau ostjüdischer Herkunft. An die Stelle des bisherigen bildungsbürgerlichen Kulturlebens traten gewerkschaftliche und sozialdemokratische Diskussionszirkel, er engagierte sich als Mitarbeiter für den „Plan der Arbeit“ zur Bekämpfung der Wirtschaftskrise. 1937 gründete er die kulturpolitische Wochenzeitschrift „ABC“, antifaschistisch, links engagiert, die nur ein Jahr überlebte. In der Folge rückte Gmür weiter nach links. 1942 wurde Gmür, der sich in der sozialdemokratischen Opposition betätigte und zugleich klandestin der 1940 verbotenen Kommunistischen Partei der Schweiz angehörte, aus der SPS ausgeschlossen. 1944 gehörte er zu den Mitgründern der Partei der Arbeit, sass für diese im Zürcher Gemeinderat, leitete die Parteizeitung „Vorwärts“. Nach innerparteilichen Auseinandersetzungen 1947 ins Abseits (…). Siro Torresan.
Vorwärts, 12.2.2016.
Personen > Torresan Siro. Harry Gmür. Biografie. Vorwärts, 2016-02-12.
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05.06.2015 Schweiz
Alliance Sud
Personen
Work
Oliver Fahrni
Peter Niggli
Biografien
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Niggli erklärt die Welt. Scharfdenker. Aus einem Gespräch mit Peter Niggli kommt man immer klüger: Die Welt scheint etwas lesbarer geworden zu sein. Peter Niggli, der 68er, schafft Klarheit im verwirrten Kopf. Die Verhältnisse treten deutlicher hervor. Das ist alles andere als banal. Fast jeder Denker produziert hin und wieder ausgelatschte Rhetorik. Niggli nicht. Konstant in Spannung mit seiner Zeit, trägt er sein Publikum mit heiserer Stimme weiter, den Blick leicht schräg auf das Gegenüber gerichtet. Man verlässt den Geschäftsleiter von Alliance Sud mit dem Vorsatz, diesen Mann häufiger aufzusuchen. Findet Niggli eine erhellende, ironisch gewürzte Formulierung, könnte man seine Wirkung als gelungene Kommunikation deuten. In Wirklichkeit ist es der präzise Sinn, die genaue Analyse, der erkannte Zusammenhang, die ihn tragen. Das baut auf viel Arbeit. Als wir 2009 etwa über die Finanzkrise sprachen, holte Niggli seine Chronologie hervor, um die Details der Deregulierung in den 1980er Jahren zu dokumentieren. Diese Chronologie, nur eines seiner Arbeitsinstrumente, führt er seit vielen Jahren, akribisch, diszipliniert und zu einem breiten Spektrum von Themen. Nigglis Artikel und Bücher spiegeln das. Jeder Versuch, nur das Wichtigste zu lesen, scheitert: Am Ende ist der halbe Text unterstrichen. (…). Oliver Fahrni.
Work, 5.6.2015.
Personen > Fahrni Oliver. Niggli Peter. Work, 5.6.2015.
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